Artikel

Vier Krisenherde. Vier positive Überraschungen.

Der August lässt auf erfreuliche Entwicklungen in der Wirtschaft und an den Märkten zurückschauen. Im Rückblick zählen auch vielbeschworenen Krisenherde, die nie zum Ausbruch gekommen sind, zu den positiven Überraschungen des ersten Halbjahrs. Lesen Sie über vier vermeintliche Börsenkrisen.

Vermeintliche Börsenkrise 1: Explosion der Kreditrisikoprämien

Regelmässig stellen Anleger Fragen zu den vermeintlich explosiven Kreditrisiken unserer Wirtschaft. Erfreulich, dass auch die Finanzmärkte diese Furcht relativieren. In den letzten drei Jahren haben sich hochverzinsliche Risikoprämien vor allem durch Stabilität ausgezeichnet.

kreditrisikopraemien-zeigen-stabilitaet

Kreditrisikoprämien zeigen Stabilität

Quelle: Credit Suisse

Vermeintliche Börsenkrise 2: Plötzliche Kapitalabflüsse

Viele befürchten, dass ausländische Investoren eines Tages Kapital aus amerikanischen Wertpapiermärkten abziehen könnten. Die chinesische und die japanische Notenbank sind die beiden grössten ausländischen Gläubiger der USA – und haben ihr Kapital keineswegs abgezogen. Im Gegenteil, es werden sogar vermehrt US-Staatsanleihen gekauft, wie die jüngste Analyse der US-Notenbank verdeutlicht.

auslaendische-investoren-kaufen-vermehrt-us-staatsanleihen

Ausländische Investoren kaufen vermehrt US-Staatsanleihen

Quelle: Federal Reserve Board, Flow of Funds Accounts

In den letzten vier Quartalen haben ausländische Investoren US-Anleihen im Wert von total 674 Milliarden US-Dollar gekauft, 332 Milliarden US-Dollar davon in Staatsanleihen. Diese Käufe widersprechen der häufigen Behauptung, den USA könne bald das günstige ausländische Kapital ausgehen.

Vermeintliche Börsenkrise 3: Inflation

Zwischen dem 23. Januar und dem 9. Februar löste eine US-Arbeitsmarktstatistik, die sich später als Ausreisser entpuppte, eine Panikattacke an den Weltbörsen aus. Die Finanzmedien nahmen das Inflationsgespenst natürlich dankbar auf. Denn bekanntlich macht ja Angst Auflage. Doch die Realität folgte dem Drehbuch nicht. In Europa wirken Inflationssorgen wie «viel Lärm um nichts».

aengste-der-inflation-liessen-im-januar-2018-aktienbewertungen-purzeln

Inflationsängste liessen im Januar 2018 Aktienbewertungen purzeln

Quelle: Credit Suisse

In den meisten Schwellenländern fallen die Zinsen und Inflationsraten seit Jahren. In Japan mutet jede Inflationsdebatte etwa so abenteuerlich an wie ein Sprung aus dem Kellerfenster. Immerhin erreichten in den USA die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen Anfang Mai einen Höhepunkt bei 3,11 Prozent. Doch dies war weniger der Inflation als vielmehr dem Impuls der Steuerreform geschuldet. Seitdem sind die Renditen wieder unter 3 Prozent gesunken.

Weder Wachstum, Vollbeschäftigung, Handelskonflikte noch rekordgrosse Notenbankbilanzen schaffen Inflation. Dies zeigt, dass die unsichtbare Hand des freien Wettbewerbs den besten Schutz vor Inflation bildet.

Vermeintliche Börsenkrise 4: US-Dollar unter Druck

Zum «Greenback» stellt sich oft die Frage, wie lange die USA noch «über ihre Verhältnisse» leben könnten. Gemeint ist die Sorge vor den Folgen einer Kombination aus Leistungsbilanzdefizit und Gesamtverschuldung der US-Wirtschaft. Ein Grund, weshalb die USA dieses Jahr trotz Handelszöllen keine Inflation importieren, ist der starke Dollar, den niemand erwartete. Er kompensiert gewissermassen den Einfluss der Einfuhrzölle und kommt der Wirtschaft wie gerufen. Eine schöne Überraschung für die USA.

anstieg-spekulativer-us-dollar-positionen

Spekulative US-Dollar-Positionen steigen an

Quelle: Credit Suisse

Es gibt an den Finanzmärkten keine «ausgleichende Gerechtigkeit», wer auch immer diese definiert. Nicht Werturteile, sondern Wahrscheinlichkeitsbeurteilungen sind die relevanten Kategorien der Anlagestrategie.

Doch trotz des Stimmungswandels zum Dollar wird erkennbar, dass der Anstieg spekulativer Dollar-Positionen bereits sehr weit gediehen ist und die doppelten Defizite Grund zur Sorge bleiben. Was die Frage erlaubt, ob die Währung bereits überkauft ist?