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Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Frauen holen auf.

Das Vermögen der Frauen wächst – nicht nur vereinzelt, sondern weltweit. Dennoch stellen sich einer universellen Vermögensgleichheit zwischen Frau und Mann noch Hürden. Die neusten Erkenntnisse aus dem Global Wealth Report der Credit Suisse.

Vermögen der Frauen ist laut Global Wealth Report gestiegen

Das Vermögen der Frauen ist laut neusten Erkenntnissen aus dem Global Wealth Report im 20. Jahrhundert erheblich gestiegen. Das belegen Studien, die den Reichtum der Frauen anhand des Finanzvermögens privater Haushalte messen. Frauen in Europa und den USA halten demzufolge etwa 40 bis 45 Prozent des jeweiligen Gesamtver­mögens. In Afrika und Indien umfasst der Vermögensanteil der Frauen hingegen nur zwischen 20 und 30 Prozent.

In China und Lateinamerika liegt die Vermögensverteilung dazwischen: 30 bis 40 Prozent des Gesamtvermögens besitzt hier das weibliche Geschlecht. Die Region Asien-Pazifik – ausgenommen China und Indien – schreibt den Frauen 25 bis 35 Prozent des Vermögens zu. Zusammengefasst kann demnach gesagt werden, dass der am Haushaltsvermögen gemessene Reichtum der Frauen heute ungefähr 40 Prozent des globalen Reichtums ausmacht. Das ist höher als in einigen früheren Studien.

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Anteil der Frauen am Haushaltsvermögen nach Region

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas und Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

Vermögensverteilung bei den Superreichen

Geschlechterabhängige Unterschiede im Reichtum zeigen auch die oberen Ränge der Vermögensverteilung. In den USA machen Frauen 39 Prozent des oberen Vermögens­segments aus – sie halten jeweils ein Kapital von über 50 Millionen US-Dollar. Im Vereinigten Königreich sind 42 Prozent der Personen mit Vermögenswerten von über 2 Millionen britischen Pfund Frauen.

Die Forbes-400-Liste, die jedes Jahr die 400 reichsten Einwohner der Vereinigten Staaten auflistet, zeigt die Trends in der Vermögensbildung der hohen Ränge auf. Im Jahr 1990 befanden sich 70 Frauen auf der Liste, während sich 1995 dort sogar 74 Frauen einen Platz erkämpften. Jedoch sank der Anteil an Frauen 2010 auf 41 Mitstreiterinnen, stieg aber inzwischen wieder auf 52 an. Die Gründe dafür sind unter anderem die sinkende Anzahl weiblicher Erben, aber auch der Selfmade-Frauen. Allerdings zeigt dieser Trend nun wieder aufwärts. 

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Anzahl Frauen auf der Forbes-400-Liste 

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas und Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

Die Vermögensverteilung unter den Millennials zeigt: Frauen holen auf.

Wie sieht die geschlechtsspezifische Vermögensverteilung in der Generation Y aus? Millennials hatten es aufgrund verschiedener Faktoren, wie zum Beispiel der globalen Finanz- und anschliessenden Wirtschaftskrise sowie der Digitalisierung, nicht leicht. Insgesamt schlugen sich die Millennial-Frauen jedoch besser als die Millennial-Männer. Denn die Industrien, die am meisten unter der Finanzkrise und der anschliessenden Rezession litten, gehören zu Sektoren, die mehrheitlich von Männern dominiert werden. So zum Beispiel das Finanz- und das Bauwesen. Währenddessen waren Dienstleis­tungssektoren wie das Bildungs- oder das Gesundheitswesen weniger stark betroffen.

Das US Survey of Consumer Finances zeigt die Entwicklung der geschlechterabhän­gigen Differenzen im Wohlhaben der Millennials. Es ermittelte, dass Singlefrauen im Alter von 20 bis 24 Jahren 2007 ein Vermögen von 61 Prozent des Reichtums der Singlemänner desselben Alters hielten. 1997 lag diese Quote noch bei 43 Prozent.

Der Global Wealth Report belegt keine universellen Verbesserungen

Der Global Wealth Report hält fest, dass der Anteil am globalen Reichtum der Frauen nicht nur im vorherigen, sondern auch in diesem Jahrhundert gestiegen ist. In den letzten Jahrzehnten erfolgte ein Anstieg der Vermögenswerte von Frauen in Asien zusammen mit dem Vermögenswachstum Chinas. Zudem ist erkennbar, dass mehr Selfmade-Frauen im globalen Geschäft erfolgreich sind und so in die höchsten Ver­mögensränge eintreten.

Dennoch: Auch in Ländern, in denen die Fortschritte am grössten sind, bleiben einige Gruppen von Frauen benachteiligt – so zum Beispiel alleinerziehende Mütter und Geschiedene. Das arbeitgeberbezogene Rentenvermögen von Frauen hinkt in einigen Ländern jenem der Männer ebenfalls hinterher, weist jedoch eine steigende Tendenz auf. Die Vermögenssituation von Frauen hat sich noch nicht universell verbessert. Allerdings zeigen die Daten, dass in weiten Teilen der Welt Fortschritte erzielt wurden.