Rohstoffmärkte reagieren sensibel auf den Krieg in der Ukraine.
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Krieg in der Ukraine. Schock auch an den Rohstoffmärkten spürbar.

Der Ukraine-Konflikt dürfte sich auch auf Europas Energiewende auswirken – denn die Rohstoffmärkte reagieren empfindlich auf die aktuelle Nachrichtenlage. Die Krise dürfte Veränderungen zugunsten der erneuerbaren Energien zur Folge haben und Sparmassnahmen beim Energieverbrauch beschleunigen. 

Der Ukraine-Konflikt tangiert auch die Rohstoffmärkte

Der Unfrieden in der Ukraine erschüttert die Menschen weltweit und zieht gesellschaftliche wie auch wirtschaftliche Folgen nach sich. Letztere konzentrieren sich vor allem auf Rohstoffe im Fokus: denn Russland liefert derzeit 41 Prozent der europäischen Gasimporte und 10 Prozent des weltweit produzierten Öls. Daneben ist das Land ein dominanter Exporteur von Kupfer, Palladium, Stickstoffdünger, Pottasche, Nickel und Aluminium.

In den westlichen Staaten, allen voran in Europa, ist die Aussicht, auf russisches Gas zu verzichten, kurzfristig brisant. Doch genau das zeichnet sich derzeit ab. Insbesondere, weil die Gas- und Strompreise sich vervielfacht haben und die Gaslager in Europa 26 Prozent unter ihrem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegen.

Wie wird sich Europas Gasversorgung mittelfristig verändern? Zum einen dürften die grossen Gashandelsunternehmen – wahrscheinlich aus Europa und den USA – Gewinner bei der gesamtwirtschaftlichen Knappheit sein. Aber auch die grossen Stromversorger verdienen dank steigender Preise und stärkerer Preissetzungsmacht. Doch die Wirkungen reichen weiter. Grundlegende Veränderungen des Energiemarkts sind nicht ausgeschlossen.

Rohstoffmärkte: US-LNG-Export auf Rekordhoch

Rohstoffmärkte: US-LNG-Export auf Rekordhoch

Letzter Datenpunkt: Januar 2022

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Verschiedene Szenarien zur Transformation des Energiemarkts: 

  • Europa wird in Zukunft russisches durch amerikanisches und teilweise durch norwegisches Gas zu ersetzen versuchen.
  • In den nächsten zwei Jahren dürften die USA zum weltgrössten Exporteur von Flüssiggas (LNG) aufsteigen – und Europa wird zum grössten Käufer.
  • Europa wird den Ausbau der erneuerbaren und der eingesparten Energie beschleunigen: Bis 2025 sollen Wind- und Sonnenenergie bereits ein Viertel des europäischen Energiemix ausmachen – also mehr als fossile oder nukleare Energiequellen.
  • Förderung von Minergie-Standards, Gebäudeautomation und verpflichtendes Energiemanagement in der Industrie und in Rechenzentren.
Rohstoffmärkte: erneuerbare Energien mit grösstem Wachstumspotenzial

Rohstoffmärkte: erneuerbare Energien mit grösstem Wachstumspotenzial

Letzter Datenpunkt: 2021

Quelle: Ember, IEA WEO 2020, Credit Suisse

Finanzmarkt: Wie reagiert das Fed auf die Krise?

Der Schock an den Rohstoffmärkten kommt für Wirtschaft, Inflation und Geldpolitik denkbar ungelegen. Die Notenbanken möchten eigentlich ihre expansive Geldpolitik eindämmen. Die Geldpolitik steckt in einem Zielkonflikt: Einerseits müssten die Zentralbanken die geldpolitischen Zügel angesichts der steigenden Inflationspreise noch stärker anziehen. Andererseits gilt: Wer jetzt geldpolitisch bremst, kann die Inflation nur über wirtschaftspolitische Rückschläge stoppen.

Die Eskalation des Konflikts könnte die US-Notenbank (Fed) motivieren, den Fuss vom Gaspedal zu nehmen, um besser zu beurteilen, wie der Konflikt die Anleihenmärkte und die Gesamtwirtschaft beeinträchtigt. Eine solche Wendung könnte die Börsen beflügeln. Klar scheint hingegen, dass Konflikte, Kriege und Sanktionen, rein wirtschaftlich betrachtet, destruktiv und zumindest teilweise deflationär wirken.

Was bedeutet die aktuelle Lage für Anleger?

Kurzfristig könnten sich die Wolken am Finanzmarkthorizont weiter verdunkeln. Niemand kennt den weiteren Verlauf der Ukraine-Krise. Es wäre reine Spekulation, auf Zeitpunkt und Ausmass einer sich ankündigenden Korrektur zu setzen. Aus diesem Grund hält die Credit Suisse ihre House View an zwei Überzeugungen fest:

  • Starke Diversifikation über jene Anlagen, die von der Krise und der geldpolitischen Normalisierung weniger betroffen sind (beispielsweise alternative Anlagen, Energie, Finanzwerte, Senior Loans, ausgewählte Schwellenländer-Anleihen oder Anleihen mit variabler Verzinsung).
  • Eine der strategischen Asset Allocation entsprechende Aktienquote. Im Fall einer weiteren Börsenkorrektur würden wir sie möglicherweise durch Zukäufe wieder aufbauen.

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