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Anlageaussichten bleiben 2020 gut. Trotz tieferer Renditeerwartungen.

Tiefe Zinsen und eine Verlangsamung der globalen Konjunktur drücken weltweit und in allen Anlageklassen auf die Renditeerwartungen. Auf den Aktienmärkten ergeben sich dank der hohen Risikoprämie im Vergleich zu Anleihen aber auch 2020 attraktive Chancen zur Geldanlage.

Verlangsamung der Weltwirtschaft beeinflusst Aktienmärkte kaum

Trotz anhaltend tiefer Zinsen und einer nachlassenden Konjunkturdynamik: Die obersten Währungshüter der USA und der Eurozone, Jerome Powell und Christine Lagarde, schätzen die Wirtschaftsaussichten weiterhin positiv ein. Und Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte in einer Rede gar, die Eurozone stehe in der Gesamtschau heute wirtschaftlich erfolgreicher, strukturell ausgeglichener und insgesamt kompetitiver da denn je.

Diese grosse Entwicklungslinie erklärt die gegenwärtigen Rekordstände mancher Aktienbörsen erklärt. Das «Big Picture» mag auch erklären, weshalb die Verlangsamung der Weltwirtschaft den Aktienbörsen bislang noch nicht geschadet hat, und weshalb die Aussichten für Aktien auch für das kommende Jahr gut stehen.

Aktienmärkte in Industrieländern erleben ein starkes Wachstum

Treten wir also kurz einen Schritt zurück und führen uns drei grosse Entwicklungen vor Augen. Erstens hat sich die Gesamtleistung der Weltwirtschaft seit 1980 mehr als verzehnfacht. Asien war der Hauptmotor, aber auch Europa, die USA sowie Japan konnten ihre Wirtschaftsleistung knapp um 700 Prozent steigern. Die Aktien in den Industrieländern übertrafen diese Entwicklung sogar. Der MSCI World Total Return wuchs im gleichen Zeitraum um rund 3300 Prozent.

Parallel dazu machten steigende Realeinkommen den privaten Konsum zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Industrienationen. So konnte sich eine positive Wirtschaftsdynamik verstetigen, Arbeitslosigkeit und die Kapitalkosten für die Staaten sanken in der Folge. Und drittens ist die Währungsunion in Europa heute politisch unangefochten, ihre Ungleichgewichte geringer denn je und ihr Zustimmungswert in der Bevölkerung ist gross. Gut möglich, dass dies eines Tages auch wieder den Wert des Euros stärken wird.

aktienmaerkte in industrielaendern performen langfristig gut

Aktienmärkte in Industrieländern performen langfristig gut

Letzter Datenpunkt:2018

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Quelle: Internationaler Währungsfonds, Datastream, Credit Suisse

Tiefere Renditeerwartungen stellen Anleger vor Schwierigkeiten

Dennoch: Viele unterinvestierte Investoren bleiben skeptisch. Einerseits bestehen Sorgen, dass Staat und Privathaushalte zu viele Schulden akkumulierten. Zweitens gibt es die anhaltende Befürchtung, dass der Handelskrieg eine ungünstige Entwicklung angestossen habe, die kaum rückgängig gemacht werden könne. Hinzu kommt drittens die bange Frage, wo man denn heute noch investieren könne. Denn 2019 sanken die zukünftigen nominellen Renditeerwartungen nahezu überall auf der Welt und in allen Anlageklassen.

Für Schweizer Staatsanleihen erwarten wir im Verlauf der nächsten fünf Jahre eine Durchschnittsrendite von 0.9 Prozent pro Jahr, Schweizer Geldmarktrenditen bleiben sogar negativ. Diese tiefe Basis limitiert die Renditeerwartungen aller anderen Schweizer Anlagen. Überdurchschnittlich gut dürften sich in den nächsten fünf Jahren Anlagen in Private Equity und in Hedge-Fonds entwickeln. Wer hingegen im nächsten Jahr noch positive Renditen bei Anleihen sucht, wird auf solche aus Schwellenländern, auf Wandelanleihen oder auf hochverzinsliche Anleihen zurückgreifen müssen. 

durchschnittliche renditeerwartungen verschiedener anlageklassen
durchschnittliche renditeerwartungen verschiedener anlageklassen

Durchschnittliche Renditeerwartungen verschiedener Anlageklassen

Diese Prognosen sind keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung.

Auf den Aktienmärkten bieten sich auch 2020 Chancen

Aber auch wenn sinkende Zinsen, Inflation und Renditeerwartungen ins Auge stechen und ein Nullzinsumfeld mit moderatem Wachstum in Europa wohl eine neue Normalität darstellt, darf man nicht übersehen, dass – relativ betrachtet – die Risikoprämien von Aktien im Vergleich zu Anleihen selten höher waren als heute. Darin liegt eine beson­dere, historisch ungewöhnliche Chance für heutige Anleger. Diese Chance zu sehen und hervorzuheben, scheint mir vielversprechender als das Klagen über Negativzinsen. Darüber hinaus fällt der reale Rückgang der Renditeerwartungen natürlich geringer aus als der nominelle.

Das Fazit daraus: Auch für das kommende Jahr gilt, dass Vermögensverwaltung ein anspruchsvolles Handwerk bleibt. Aber die Anlageaussichten 2020 sind gut. Besonders für Anleger, die mit Disziplin und Umsicht auch gegen den Strom schwimmen können. 2020 könnte sich erneut die Binsenweisheit bestätigen, dass Nichtinvestieren in Zeiten tiefer Inflation letztlich ein grösseres Risiko darstellt, als diszipliniert zu investieren.

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