Investieren in Obligationen trotz tiefer Zinsen – ja oder nein?

Trotz tiefer Zinsen in Obligationen investieren?

Mitte März erhöhte die US-Notenbank Fed ihren Leitzins zum dritten Mal um 0,25 Punkte. Weitere Zinserhöhungen sollen folgen. Was bedeutet das für Obligationen-Anleger?

Trotz eines leichten Zinsanstiegs bei Festzinsprodukten hat sich der Anleihenmarkt längst nicht normalisiert. Im Gegenteil: Die Zinsen sind weiterhin tief. So bewegen sich beispielsweise Schweizer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren teilweise immer noch im Bereich der Negativzinsen.

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken seit der Finanzkrise 2008 wirkt sich somit nach wie vor auf die Zinsen von Obligationen aus. Dies, obwohl die US-Notenbank Fed an einer Normalisierung ihrer Zinspolitik arbeitet und nach der Finanzkrise den Zinssatz dreimal angehoben hat. Doch schreitet diese Normalisierung nur langsam voran.

Obligationen haben an Wert eingebüsst

Für Obligationen-Anleger hat die derzeitige Entwicklung neben den tiefen Zinsen eine zusätzliche negative Komponente: Weil die Zinssätze moderat steigen, sinkt der Wert der in den Portfolios gehaltenen Produkte. Unter dem Strich resultiert für manchen Anleger deshalb ein Verlust.

Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Frage, wie Anleger, die in Obligationen investieren wollen, reagieren sollen. Denn steigen die Zinsen weiterhin an, lohnt es sich nicht, in heute ausgegebene Anleihen zu investieren. Doch ist die Zinswende tatsächlich erreicht? Wie nachhaltig ist sie? Oder ist es unter Umständen doch sinnvoll, heute in Anleihen zu investieren?

Rendite 10-jähriger Staatsanleihen – Abweichung von Fair Values der Credit Suisse

Renditen von Referenzanleihen klar angemessen bewertet, nun auch in EUR

Quelle: Credit Suisse

Zinsen sind von Entscheiden der Notenbanken abhängig

In der Juli-Sitzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinspolitik zunächst beibehalten, ein Vermerk auf eine Lockerung im Zusammenhang mit ihrem Wertschriftenkaufprogramm (APP) wird aber in naher Zukunft erwartet. Die Kommunikation hinsichtlich des nächsten Schrittes der Zentralbank wird extrem wichtig sein.

Nach den insbesondere bei italienischen Anleihen starken Renditebewegungen könnte EZB-Präsident Mario Draghi versucht sein, die Märkte auf ein sehr graduelles Zurückfahren der lockeren Geldpolitik («Tapering») vorzubereiten. Eine entsprechende formelle Ankündigung könnte anlässlich der Sitzungen im September oder Oktober erfolgen. Es ist zu erwarten, dass die Renditen von EUR-Anleihen im Fall einer schrittweisen Normalisierung langsam steigen werden.

Die Entwicklung der Renditen wird im längerfristigen Trend demgegenüber stark von den Inflationsprognosen der EZB und den tatsächlichen Konjunkturdaten abhängen. Überraschend starke Zahlen dürften allerdings einen markanten Anstieg der Renditen von für das APP infrage kommenden Anleihen auslösen (und umgekehrt).

Aktives statt passives Monitoring bei Anleihen

Angesichts dieser Situation dürfte sich manch ein Anleger nach der berühmten Kristallkugel sehnen. Leider gibt es diese nicht. Obligationen bieten aber gute Möglichkeiten, beispielsweise zur Diversifikation des Portfolios. Anleger müssen aber die besondere Zinssituation beachten und entsprechend reagieren.

Definitiv vorbei sind die Zeiten, in denen Anleger Obligationen langfristig kauften und bis zum Ende der Laufzeit hielten. Bei niedrigen bis im Extremfall negativen Zinsen ist es wenig erstrebenswert, nur mit den regelmässigen Zinsausschüttungen Rendite erzielen zu wollen. Stattdessen ist aktives Monitoring auch bei den Anleihen zwingend nötig geworden.

Je nach Papier kann es sinnvoll sein, eine Anleihe vorzeitig zu verkaufen, um in ein anderes Produkt mit einem höheren Zinssatz zu investieren. Rendite kann unter Umständen aber auch erzielt werden, indem eine Obligation zum richtigen Zeitpunkt veräussert wird: nämlich dann, wenn an den Aktienmärkten grosse Nervosität vorherrscht und Investoren in sicherere Produkte wie Obligationen ausweichen oder wenn die Erwartungen steigen, dass die Geldpolitik gelockert wird. Eine höhere Nachfrage wirkt sich positiv auf den Wert der Festzinsprodukte aus.

Alternativen zu Staatsanleihen

Neben dem aktiven Monitoring lohnt sich ein Blick auf Alternativen am Anleihenmarkt. Beispielsweise werfen Unternehmensanleihen höhere Zinsen ab als Staatsanleihen, wobei die Höhe des Zinssatzes von der Kreditwürdigkeit des Unternehmens abhängig ist. Je weniger kreditwürdig eine Firma ist, desto mehr Zins wird gezahlt. Eine Möglichkeit sind auch Wandelanleihen. Diese werden nach Ablauf der Laufzeit in der Regel in Aktien des Unternehmens umgewandelt. Sie kombinieren die Vorteile von Aktien und Obligationen in einem Produkt.