Inflation: Welche Faktoren beeinflussen die Preissteigerung?
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Tiefe Inflation trotz expansiver Geldpolitik. Blick auf die wichtigsten Faktoren und Erwartungen.

Eine expansive Geldpolitik und fiskalpolitische Massnahmen führten jüngst zur Erholung der Wirtschaft. Eine substanzielle Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung der Inflation bleibt aber bestehen. Doch welche Faktoren sind entscheidend? Erfahren Sie, welche Anlagen dahingehend einen möglichen Schutz vor Preissteigerungen bieten.

Welche Faktoren beeinflussen die Inflation?

Die Inflation bezeichnet die Teuerung respektive die Preissteigerungen innerhalb einer Währungsregion. Treiber einer Inflation sind eine stärkere Nachfrage auf der Konsumentenseite oder aber, wenn die Produktion von Waren und Dienstleistungen teurer wird, weil etwa die Preise für Rohstoffe oder die Löhne steigen.

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass eine expansive Geldpolitik die Inflation ankurbelt. In den letzten zwölf Jahren hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) über 600 Milliarden Schweizer Franken gedruckt. Dennoch ist die Inflation ausser in Japan nirgendwo tiefer als in der Schweiz. Diese Beobachtung suggeriert, dass der Zusammenhang zwischen expansiver Geldpolitik und Inflation nur indirekter Natur ist. Welche Faktoren beeinflussen stattdessen die Preisniveaus?

Weltweite Inflationsrate und Trend

Quelle: Refinitiv, Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: April 2021

Die historische Performance ist kein zuverlässiger Indikator für die gegenwärtige oder die zukünftige Entwicklung.

Drei globale Trends halten die Preissteigerung stabil:

  1. Der demografische Wandel: Die Baby-Boomer-Generation stellte ab den 1980er-Jahren so viele Arbeitnehmer, dass es tendenziell weniger Arbeitsstellen als Arbeiter zur Verfügung gab. Zusätzlich ermöglichten es die Öffnung Chinas und der Fall des Eisernen Vorhangs mehr als einer Milliarde Menschen, am globalen Arbeitsmarkt zu partizipieren. Das Lohnniveau hatte somit kaum eine Chance, sich nennenswert zu erhöhen.
  2. Die zunehmende Globalisierung: Die Zunahme des weltweiten Handels vergrössert die Verfügbarkeit und die Konkurrenz der Güter und Dienstleistungen.
  3. Der technologische Fortschritt: Dieser hat jüngst erst an Fahrt gewonnen und wird sich in Zukunft noch weiter beschleunigen.

Weltweit deutlich stärkerer Einsatz expansiver Geldpolitik: 2008 vs. 2021

Zentralbanken und Regierungen haben zur Stützung der Wirtschaft dem Markt viel Liquidität zur Verfügung gestellt und Unterstützungspakete sondergleichen geschnürt. Betrug der Anteil der Unterstützungen 2008 in den USA 3,5 Prozent der damaligen Wirtschaftsleistung, wurde letztes Jahr knapp das Zehnfache an Unterstützung bereitgestellt, was einem Drittel des geschätzten US-Bruttoinlandprodukts von 2021 entspricht.

Globale Stimulus-Pakete Stand April 2021

Quelle: McKinsey & Company, Statista.com, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 1. April 2021

Während diese Stimuli zwar in den Haushalten angekommen sind, wurde davon ein grosser Teil als Ersparnisse zurückbehalten, getrieben durch die fehlenden Konsummöglichkeiten während der diversen Lockdowns. Dies hat dazu geführt, dass weltweit im Jahr 2020 die Haushalte im Schnitt deutlich mehr Ersparnisse anhäuften als im Schnitt in den Jahren zwischen 2000 und 2019.

Einerseits festigen diese Rücklagen die Widerstandsfähigkeit der Haushalte gegen eine weitere Krise, andererseits scheiden sich die Geister daran, in welchem Ausmass die Inflation durch den zukünftigen Konsum aufgrund dieser Ersparnisse getrieben wird.

Globale Haushaltsersparnisse im Vergleich

Quelle: OECD, Refinitiv, FT, Credit Suisse

An expansiver Geldpolitik wird weiterhin festgehalten

In Bezug auf die aktuelle Wirtschaftslage hält der Offenmarktausschuss (FOMC) an seiner expansiven Geldpolitik fest, bis die Wirtschaftserholung weiter fortgeschritten ist. Die Experten der Credit Suisse erwarten ein weiteres Erstarken der wirtschaftlichen Erholung, der Beschäftigungslage und der Inflation.

Die fortschreitenden Impfkampagnen werden die wirtschaftliche Aktivität ankurbeln und folglich die Angebotsseite, die unter pandemiebedingten Engpässen leidet, einem Stresstest unterziehen. Eine substanzielle Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung der Inflation im weiteren Jahresverlauf bleibt bestehen, wobei die Aufwärtsrisiken überwiegen.

Rohstoffanlagen bieten möglichen Schutz vor Preissteigerungen

2021 ist für die Schweiz eine Inflation von 0,3 Prozent (von –0,7 Prozent 2020) zu erwarten. Für Anleger bieten derweil Investitionen in Rohstoffe einen möglichen Schutz vor Preissteigerungen. Trotz allem sollte die Anlageklasse auf mittlere Sicht attraktive Renditen generieren. Rohstoffe sollten unter dem Strich davon profitieren, dass sich die Volkswirtschaften auch dank einer akkommodierenden Geld- und Haushaltspolitik weiterhin von ihren pandemiebedingten Rezessionen erholen. Darüber dürften Rohstoffe auch gegen überraschend hohe Inflationswerte schützen, wobei sich insbesondere Gold in der Vergangenheit hervorgetan hat.

Die Einschätzung des Fixed-Income-Markts bleibt ebenfalls unverändert: Staatsanleihen bleiben unattraktiv, und weder High-Yield- noch Investment-Grade-Anleihen weisen besonders ansprechende Spreads auf. Im Gegensatz dazu bieten Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern einen interessanten Renditevorteil. Mit Blick auf die Währungen werden zyklische Währungen sowie jene von rohstoffreichen Ländern bevorzugt.

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