Strukturierte Produkte: besser als ihr Ruf
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Innovativ investieren – strukturierte Produkte eröffnen neue Optionen

Tiefe Zinsen und hohe Aktienbewertungen führen dazu, dass Anleger nach geeigneten Alternativen suchen. Strukturierte Produkte bieten variable Anlagemöglichkeiten, um auch im aktuellen Marktumfeld attraktive Renditechancen wahrnehmen zu können. Was Sie darüber wissen sollten.

Strukturierte Produkte haben sich in den letzten Jahren als Anlageinstrumente zunehmend etabliert. Gemäss Erhebung der Schweizerischen Nationalbank lagen im Oktober 2017 strukturierte Produkte im Gesamtwert von 200 Milliarden Franken in Kundendepots von Schweizer und Liechtensteinischen Banken. Dies entspricht rund 5 Prozent der insgesamt in der Schweiz verwalteten Vermögen.

Dabei werden diese in der Schweiz noch nicht sehr lange gehandelt. 1991 lancierte die erste Schweizer Bank ein strukturiertes Produkt. Der Ursprung ist allerdings deutlich älter. Erste vergleichbare Geschäfte lassen sich bis 1700 v. Chr. zurückverfolgen. Damals dienten Derivate landwirtschaftlichen Produzenten dazu, sich gegen fallende Preise abzusichern. Gleichzeitig konnten sich Käufer vor steigenden Preisen schützen. Im 19. Jahrhundert wurden solche Termingeschäfte mit der Einführung einheitlicher Standards für Händler salonfähig.

Investieren in strukturierte Produkte

Heutzutage werden strukturierte Produkte gerne als spekulativ verunglimpft – (meist) zu Unrecht. Entgegen der weitverbreiteten Meinung eignen sie sich nicht nur für Anleger, die hohe Risiken einzugehen bereit sind. Auch vorsichtige Anleger finden in der grossen Produktpalette geeignete Alternativen zu den klassischen Anlageprodukten. Je nach Art des strukturierten Produkts reicht die Spannbreite von der konservativen Anlage mit tiefem Verlustrisiko bis zu sehr risikoreichen Strategien, die im Erfolgsfall dafür hohe Renditen versprechen.

Durch den Einsatz von strukturierten Produkten kann das Risiko/Rendite-Verhältnis in einem Portfolio signifikant gesteigert werden. Anleger haben hier die Qual der Wahl: Einerseits gibt es auf dem Markt unzählige Derivate zur Auswahl. Andererseits können Anleger strukturierte Produkte selber ausgestalten und so perfekt an ihre Wünsche und Bedürfnisse anpassen, sei es bezüglich des Risikoprofils oder der eigenen Erwartungen an die Finanzmärkte.

Derivate Finanzprodukte sind innovativ

Selbst bei seitwärts tendierenden Märkten oder fallenden Börsenkursen können Anleger mit strukturierten Produkten Gewinne erzielen, je nachdem auf welches Szenario sie setzen. Weil die Wahl des Basiswerts viele Optionen offen lässt, kann auch in ansonsten schwer zugängliche Märkte investiert werden. Kaum eine andere Produktklasse eignet sich deshalb besser zur Diversifikation des Portfolios.

Viele Anleger setzen auf strukturierte Derivate (bspw. BRCs), um auch bei seitwärts tendierenden Märkten Erträge in Form eines festen Coupons zu realisieren. Ausserdem kann der Einbau eines Risikopuffers – meist konditionell – zusätzlichen Schutz bieten.

Umgekehrt kann bei grösserer Risikobereitschaft das Auszahlungsprofil so gestaltet werden, dass Investoren von einem Anstieg des Basiswerts überproportional profitieren können. Oftmals sind strukturierte Derivate auch mit tiefem Einsatz möglich, damit Anleger mit kleinem Budget ebenfalls diversifiziert investieren können.

Vorurteile gegenüber strukturierten Produkten halten sich

Trotz den oben beschriebenen Vorzügen sind strukturierte Produkte seit der Finanzkrise mit Vorurteilen behaftet: zu teuer, zu undurchsichtig, zu wenig Rendite. Dabei sind die Kosten in der Regel vergleichbar mit einer Investition in einen klassischen Anlagefonds. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet die angewandte Anlageformel. Somit ist der Anleger nicht den Entscheiden eines Fondsmanagers ausgeliefert. Eine im Auftrag des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP) durchgeführte Studie zeigte, dass sich strukturierte Produkte im Untersuchungszeitraum im Verhältnis zu den Kosten positiv entwickelten. Unter normalen Marktbedingungen generierten sie 5 bis 15 Prozent Rendite pro Jahr.

Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Wie bei allen Wertpapieren sind auch bei der Investition in derivative Finanzinstrumente Risiken vorhanden. Im schlimmsten Fall verliert der Anleger sein gesamtes investiertes Geld. Dies, falls das erwartete Szenario nicht eintrifft oder der Herausgeber des strukturierten Produkts Insolvenz beantragen muss. Vor dem Emittentenrisiko können sich Anleger lediglich bedingt schützen, indem sie Produkte von vertrauenswürdigen Finanzinstituten kaufen. Kapitalschutzzertifikate ermöglichen es zudem, das investierte Kapital gegen Marktrisiken abzusichern.
Richtig eingesetzt bieten strukturierte Finanzprodukte für jeden Anleger (oder jedes Risikoprofil) geeignete Lösungen, um die eigene Markterwartung effizient umzusetzen.