Chinas geplatzte Immobilienblase verunsichert Anlegerinnen und Anleger
Artikel

Soll man in China investieren? Die Auswirkungen der Immobilienblase.

Chinas geplatzte Immobilienblase bringt die örtliche Wirtschaft ins Wanken – das verunsichert zunehmend auch Anlegerinnen und Anleger. Welche Auswirkungen die Immobilienkrise hat und warum sich vor dem Hintergrund des Nationalkongresses der Kommunistischen Partei Stehvermögen bezahlt machen dürfte.

Die Immobilienblase in China

Jahrzehntelang galten Immobilien als Inbegriff des chinesischen Traums. Jeder, der es sich leisten konnte, erwarb eine eigene Wohnung. Angehörige der Mittelschicht kauften sogar noch eine zweite. So wuchs Chinas Hypothekenbelastung in den letzten Jahren zu einer der höchsten der Welt. Mehr als 70 Prozent der privaten Ersparnisse des Landes sind heute in Immobilien gebunden.

«Häuser sind zum Wohnen da, nicht zur Spekulation.»

Chinas Präsident Xi Jinping

So entstand eine spekulative Blase, die immer weiterwuchs. Noch kurz vor der Pandemie versuchte Chinas Präsident Xi Jinping, diese zu stoppen. «Häuser sind zum Wohnen da, nicht zur Spekulation», lautete der landesweite Warnruf. Doch diese Kampagne kam zu spät. Der Markt kletterte auf ungekannte Höhen. Bis COVID-19 und der Niedergang von Evergrande, Chinas grösstem und hoch verschuldetem Immobilienunternehmen, der Sorglosigkeit ein Ende setzten. Was bleibt, sind Geisterstädte, so weit das Auge reicht.

Die Folgen der Immobilienkrise auf Chinas Wirtschaft

Seither überrollt eine Welle von Konkursen, Kreditverlusten, wachsendem Unmut und versteckter Arbeitslosigkeit sichtbar das Land. Chinas Konsumentenvertrauen, die Nachfrage nach Bankkrediten und neue Immobilienprojekte sind kollabiert. Viele Menschen, die ihre Wohnungen bereits angezahlt haben, warten seit Monaten auf die Schlüsselübergabe. Das Cashflow-Management von Generalunternehmen ähnelt einem Kartenhaus: Ohne stetige Neuverkäufe fällt es in sich zusammen. China steckt in einer klassischen Liquiditätsfalle.

Immobilienblase in China führt zu Zusammenbruch von Konsumentenstimmung

1. Zusammenbruch des Konsumentenvertrauens als Folge der Immobilienblase

Quelle: Chinese National Bureau of Statistics, Macrobond, Longview Economics
Letzter Datenpunkt: 1.7.2022

Immobilienblase in China führt zu Zusammenbruch von Bauinvestitionen

2. Zusammenbruch der Bauinvestitionen als Folge der Immobilienblase

Quelle: Chinese National Bureau of Statistics, Longview Economics, Macrobond
Letzter Datenpunkt: 1.8.2022

Immobilienblase in China führt zu Zusammenbruch der Kreditnachfrage

3. Zusammenbruch der Kreditnachfrage als Folge der Immobilienblase

Quelle: People’s Bank of China, Macrobond, Longview Economics
Letzter Datenpunkt: 2. Q. 2022

Welche globalen Auswirkungen hat Chinas geplatzte Immobilienblase?

Die aktuelle chinesische Wirtschaftslage lässt Erinnerungen an die amerikanische Immobilienkrise aufleben. Letztere endete 2008 in einer globalen Finanzkrise, und zu Wertpapieren verbriefte US-Hypotheken rissen tiefe Löcher in die Portfolios internationaler Anlegerinnen und Anleger.

Die Gefahr von Auswirkungen auf internationale Anlagen droht in China nicht. Denn Chinas Hypotheken sind fast ausschliesslich im Besitz einheimischer Banken. Und weil diese dem Staat gehören, dürfte jener auch für die Verluste aufkommen. So vermeidet China die katastrophalen Bankenstürme, wie es sie in Europa und den USA gab.

Chinas Lohnkostenvorteile sind weitgehend abgeschöpft

Mit den wirtschaftlichen Problemen in China stellt sich aber auch die Frage nach der Zukunft der Globalisierung insgesamt. Denn unterdessen hat sich die Volkswirtschaft Chinas derjenigen der USA angeglichen, wie die globale Lohnarbitrage zeigt: Lagen die durchschnittlichen US-Stundenlöhne 1990 noch 50 Mal über den chinesischen, so ist diese Lohndifferenz mittlerweile deutlich geschrumpft auf Faktor 3.

Wenn man noch die gestiegenen Frachtkosten berücksichtigt, dann zeigt sich, dass der wirtschaftliche Vorteil von Chinas Exportmodell weitgehend abgeschöpft ist.

Chinas Wirtschaft verliert ihren strategischen Lohnkostenvorteil

Chinas strategischer Lohnkostenvorteil ist weitgehend verschwunden

Quelle: Credit Suisse, Bloomberg
Letzter Datenpunkt: 7.9.2022

Soll man in China investieren? Wissenswertes für Anleger.

Die aktuelle Wirtschaftslage in China verunsichert Anlegerinnen und Anleger zunehmend. Es lohnt sich, für Investitionsentscheide drei Einsichten im Hinterkopf zu behalten:

1. Der Krise geht ein jahrzehntelanger Wirtschaftsaufschwung voraus

Es wäre falsch, China wegen seiner Immobilienkrise abzuschreiben. China erlebt nach zwei Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufschwungs eine Krise, wie sie fast jedes europäische Land in der Nachkriegsgeschichte auch erlebt hat. Dass Chinas harsche Regulierung des Technologiesektors und seiner in den USA kotierten Unternehmen mit eben diesen inländischen Herausforderungen zu tun haben, ist keine Überraschung.

2. Die Wirtschaftskrise in China ist vorübergehend

Krisen kommen und gehen. Was bleibt, ist Chinas kompetitive Wirtschaft, die schiere Grösse des Landes, dessen Bedeutung im aufstrebenden Asien und in der ganzen Welt. Chinas Wirtschaft ist ein wichtiger Teil der Weltwirtschaft; seine Börsen sind integraler Bestandteil einer globalen Diversifikation.

3. Chinas geplante Energiewende bietet Anlagechancen

Anlegerinnen und Anleger finden in China Unternehmensanleihen in Hartwährung ausserhalb des Immobilienmarkts mit überdurchschnittlichen Verfallsrenditen. Daneben erwartet die Credit Suisse von Chinas Zentralregierung nach dem Nationalkongress einen grossen Fiskalstimulus. Laut Brancheninsidern dürfte dieser Betrag in der Höhe von mehr als 5 Prozent der Wirtschaftsleistung ausfallen. Das wäre mehr als der COVID-19-Stimulus. Ein Grossteil dürfte in Chinas Energiewende fliessen, die strategische Priorität geniesst. Anlegerinnen und Anleger können von solchen Themen profitieren.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema?

Beratung vereinbaren
Wir helfen Ihnen gerne weiter. Rufen Sie uns unter der Telefonnummer 0844 844 001 an.