Leerstand: Leerstandsquote steigt erneut stark
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So viele leere Wohnungen wie noch nie. Trotzdem wird weiter gebaut.

Noch nie gab es in der Schweiz so viele leer stehende Wohnungen wie heute. Der Leerstand betrifft vor allem Mietwohnungen. Doch auch die Leerstandsquote von Wohneigentum hat zugenommen. Dies hat jedoch andere Gründe.

Leerstand erreicht neuen Rekordwert

Auch im laufenden Jahr steigt die Zahl an leer stehenden Wohnungen kräftig an. Die Zunahme um 8020 Wohnungen ist gar so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Dies zeigt der Immobilienmonitor der Credit Suisse für das dritte Quartal 2018. Insgesamt hat sich der Leerstand in den letzten neun Jahren mehr als verdoppelt. Per 1. Juni dieses Jahres lag er bei 72’294 Wohneinheiten – ein absoluter Höchststand. Damit steigt die Leerstandsquote auf hohe 1,62 Prozent.

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Stärkster Anstieg beim Leerstand seit 1997

Leerwohnungsziffer (linke Skala) und Wachstum der Leerwohnungen
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Leerstandsquote von Wohneigentum steigt ebenfalls

82,6 Prozent der leer stehenden Objekte sind Mietwohnungen. Deren Leerstandsquote ist entsprechend besonders stark gestiegen: von 2,24 auf 2,51 Prozent innert Jahresfrist. Grund dafür ist die anhaltende Überproduktion. Trotz rückläufiger Zuwanderung werden mehr Mietwohnungen gebaut.

Auch die Leerstandsquote von Wohneigentum steigt, wenngleich deutlich moderater. Kaum verändert hat sich der Leerstand von Einfamilienhäusern (von 0,41 auf 0,43 Prozent). Etwas stärker fällt der Anstieg bei den Eigentumswohnungen aus (von 0,87 auf 0,94 Prozent). Das entspricht einer Zunahme um rund 1000 leer stehende Wohnungen. Diese Zahl überrascht. Denn im Gegensatz zur regen Bautätigkeit bei den Mietwohnungen wird weniger Wohneigentum gebaut. Sowohl Baubewilligungen als auch Baugesuche nehmen ab.

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Rückläufige Bautätigkeit bei Wohneigentum

Anzahl Wohneinheiten, gleitende 12-Monats-Summe
Quelle: Baublatt, Credit Suisse

Nachfrage nach Eigentumswohnungen sinkt

Die Zunahme der Leerstände bei den Eigentumswohnungen lässt sich mit einem deutlichen Nachfragerückgang in gewissen Regionen erklären. Ursache dafür ist das hohe Preisniveau. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Finanzierung hoch. Nicht alle, die sich Wohneigentum wünschen, können sich eine Eigentumswohnung leisten.

Keine Trendwende beim Leerstand in Sicht

Die Leerstände dürften im kommenden Jahr schweizweit weiter ansteigen, allerdings etwas geringer. Dafür sprechen die starke Konjunktur sowie die Stabilisierung der Zuwanderung und der Baubewilligungen. Eine Trendwende ist jedoch noch nicht in Sicht. Die Projektpipeline bleibt prall gefüllt und das wirtschaftliche Umfeld stützt die Nachfrage nach Immobilienanlagen weiterhin. Mit der jüngsten Aufwertung des Schweizer Frankens ist zudem eine baldige Abkehr der Schweizerischen Nationalbank von ihren Negativzinsen, die indirekt die Bautätigkeit ankurbeln, unwahrscheinlicher geworden.

Mehr darüber, was diese Ausgangslage für Wohnungskäufer, Investoren und Mieter bedeutet, erfahren Sie im aktuellen Immobilienmonitor der Credit Suisse.