Sinkende Renten
Artikel

Sinkende Umwandlungssätze reduzieren die Renten spürbar

Im Alter gibt es weniger Geld, weil die Pensionskassen aufgrund des demografischen Wandels und des Niedrigzinsumfelds nicht mehr genügend Ertrag erwirtschaften. Trotz Reformen sinken die Renten weiter und die private Vorsorge wird immer wichtiger.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) schlägt Alarm. Viele, die jetzt in Pension gehen, müssen sich mit einer geringeren Rente als früher zufrieden geben. In den letzten sieben Jahren haben zehn der grössten Schweizer Pensionskassen ihre Umwandlungssätze für den überobligatorischen Teil des Alterskapitals der 2. Säule um durchschnittlich mehr als zehn Prozent gesenkt; in einzelnen Fällen sogar um bis zu 20 Prozent. Und dieser Trend ist noch nicht abgeschlossen. Renteneinbussen für die künftigen Rentnerinnen und Rentner sind die Folge.

Überobligatorische Leistungen mit hohen Einbussen

Besonders für alle, die überobligatorische Leistungen erhalten, werden die Einbussen empfindlich sein. Für den SGB ist die Sache klar: Das ist «Rentenklau». So sagte es die Gewerkschaft dieses Jahr auf einer Medienkonferenz. Dort präsentierte sie die Ergebnisse ihrer Untersuchung zu den Rentenversprechen der grössten Schweizer Pensionskassen und kam zu dem Ergebnis, dass zurückbuchstabiert werden müsse, wenn es um künftige Rentenleistungen geht. Wie hoch die Pension aus der 2. Säule ist, legt vor allem der Umwandlungssatz fest. Dieser bestimmt, wie viel Prozent des angesparten Alterskapitals jedes Jahr als Rentenleistung ausbezahlt wird. Dabei gilt: Je höher der Umwandlungssatz, desto höher sind die Renten.

Massiv weniger Rente

Im Vergleich zum BVG-Obligatorium mit einem Umwandlungssatz von 6,8 % wird im überobligatorischen Teil bereits mit 5,7 % und weniger gerechnet. Für Versicherte bedeutet diese Differenz eine Renteneinbusse von rund CHF 2 Mia. pro Jahr.

Quelle: Sendung «ECO» vom 22.2.2016, SRF

Massiv weniger Rente

Tieferer Umwandlungssatz

Obligatorisch versichert ist nur der Jahreslohn zwischen 21'330 und 85'320 Franken. Das daraus angesparte Kapital wird zu dem gesetzlich festgelegten Umwandlungssatz von aktuell 6.8 Prozent als Rente ausgezahlt. Für Alterskapital im Überobligatorium können die Pensionskassen den Umwandlungssatz selber festlegen, und der fällt oft deutlich niedriger aus als jener für das Obligatorium. Ein Beispiel: Wer ein angespartes Alterskapital von 700'000 Franken in der 2. Säule hat, erhält bei einem Umwandlungssatz von 6.2 Prozent monatlich eine Rente von 3'617 Franken ausbezahlt. Nehmen wir an, der Umwandlungssatz sinkt auf 4.8 Prozent, sind es nur noch 2'800 Franken. Das entspricht einer Reduktion der Rentenleistungen um 23 Prozent.

Beeindruckende Differenzen

Mit welcher monatlichen Rente kann man rechnen, wenn CHF 700’000 Alterskapital in der 2. Säule mit unterschiedlichem Umwandlungssatz (UWS) ausbezahlt werden (in CHF)?

Quelle: Credit Suisse

Beeindruckende Differenzen

Steigende Lebenserwartung, sinkende Kapitalerträge

Senkungen der Umwandlungssätze sind notwendig geworden, weil das System der 2. Säule in Schieflage geraten ist. Die Lebenserwartung steigt, und die Erträge auf dem Kapitalmarkt sind seit Jahren im Sinkflug. Die Pensionskassen müssten einen Kapitalertrag von jährlich fünf Prozent erzielen, um mit den höheren Umwandlungssätzen nachhaltig zu wirtschaften, doch den erreichen sie in der Regel nicht mehr. Die Chancen, dass sich das in naher Zukunft ändert, sehen aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage nicht gut aus. Weitere Reduktionen des Umwandlungssatzes sind zu erwarten.

Entwicklung Umwandlungssatz seit 2002

Umwandlungssatz, Männer mit Pensionsalter 65, in Prozent
Quelle: Swisscanto

Entwicklung Umwandlungssatz seit 2002