Schöner leben nach der Rente
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NZZ Serie: Schöner leben nach der Rente

AHV, Pensionskasse und private Vorsorge: Die drei Säulen der Alterssicherung sollten möglichst keine Beitragslücken aufweisen. So lässt sich der bisherige Lebensstandard halten.

So wäre es gedacht: Wenn alle drei Säulen des schweizerischen Vorsorgesystems ohne Unterbrüche aufgebaut werden, ist man beim Rücktritt aus dem Erwerbsleben solide abgesichert. Die Realität sieht meist anders aus: Ein Grossteil der Vorsorgenehmer sieht sich mit Lücken konfrontiert. Oft bei allen drei Säulen.

Besonders wichtig ist es, die Lücke in der AHV zu schliessen. Die Höhe der Rente richtet sich hier nach Erwerbseinkommen und Beitragsdauer. Nur wer während der vollen Beitragsdauer von 44 Jahren (Männer) oder 43 Jahren (Frauen) einbezahlt hat, erhält eine Vollrente. Und die maximale Vollrente gibt es erst ab einem durchschnittlichen – inflationsbereinigten – Jahreseinkommen von etwa 85 000 Fr. Wer dieses so aufgewertete Einkommen nicht erreicht oder eine unvollständige Beitragsdauer aufweist, bekommt nur eine Teilrente.

Nachzahlen bis fünf Jahre

Um rentensenkende Beitragslücken zu vermeiden, ist es demnach unabdingbar, die AHV-Beiträge selbst dann zu bezahlen, wenn man zum Beispiel wegen Arbeitslosigkeit, eines Studiums oder einer Weltreise für eine gewisse Zeit nicht erwerbstätig ist. Die Kosten für diese Beiträge betragen im besten Fall nicht einmal 500 Fr. pro Jahr. Und nichterwerbstätige Ehepartner sind von der Beitragspflicht sogar befreit, sofern der erwerbstätige Ehegatte mindestens 964 Fr. pro Jahr an die AHV bezahlt. Ein fehlendes
Beitragsjahr andererseits führt zu einer Rentenkürzung um mindestens 2,3%. Und dies lebenslang.

Vorhandene Lücken können geschlossen werden, indem die fehlenden Beiträge nachbezahlt werden. Doch aufgepasst: Das ist nur möglich bei Lücken, die entstanden sind, während man in der Schweiz versichert war, und bei Lücken, die sich während der letzten fünf Jahre ergeben haben. Weiter zurück sind keine Nachzahlungen möglich.

Sehr häufig sind Vorsorgelücken auch in der Pensionskasse (PK). Wer eine längere Arbeitspause eingelegt hat, etwa um sich weiterzubilden, eine grössere Reise zu unternehmen oder um Kinder zu betreuen, der verursacht damit ein Loch in seiner PK. Gleiches gilt, wenn bei einer Lohnerhöhung keine Nachzahlungen geleistet wurden. Oft stehen dadurch Lücken von mehreren zehntausend Franken. Immerhin: Mittels Einkäufen können diese Lücken in der zweiten Säule relativ einfach geschlossen werden. Und es winkt erst noch ein respektabler Steuerbonus: Die Nachzahlungen lassen sich nämlich vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehen. In Zeiten von äusserst mageren Zinsen sowie hohen Aktien- und Immobilienbewertungen ist ein freiwilliger Einkauf in die PK auch aus Renditegründen sehr attraktiv.

Fleissige Sparerinnen: Fast jeder Zweite in der Schweiz hat ein Vorsorgekonto 3a eingerichtet. 

Bei der Säule 3a, dem steuerbegünstigten Vorsorgesparen für Erwerbstätige, entstehen Lücken dann, wenn man nicht jährlich den möglichen Höchstbetrag einbezahlt, der im Moment bei 6826 Fr. liegt. Auf den ersten Blick wird hier zwar recht fleissig freiwillig für das Alter gespart. Beinahe jeder zweite Schweizer verfügt nämlich über ein 3aKonto. Doch nur wenige haben die jeweils möglichen maximalen Beiträge einbezahlt. Insgesamt liegen deshalb auf sämtlichen 3aKonti erst rund 10 Mrd. Fr.

Die Zurückhaltung ist möglicherweise auch gross, weil gegenwärtig auch auf 3aGeldern nur noch sehr geringe Zinsen bezahlt werden. Als Alternative bieten die meisten Finanzinstitute 3aWertschriftenKonti mit unterschiedlich hohen Aktienanteilen an – mit entsprechend höherem Risiko. Einige haben inzwischen Produkte mit einem Aktienanteil von deutlich über 50% im Angebot. Mehrere Versicherungen bieten sogar 3aSparversicherungen an, die ausschliesslich in Aktien investieren.

Beratung ist Pflicht

Gerade beim Vorsorgesparen ergibt ein gewisser Anteil von Wertpapieren Sinn. Denn keine andere Anlageklasse generierte in der Vergangenheit über 15 und mehr Jahre höhere Renditen als Aktien. Das Bundesamt für Sozialversicherungen genehmigt eine Überschreitung der geltenden Limite von 50% Aktien aber nur, «wenn die Aufklärungs- und Beratungspflicht vollumfänglich erfüllt wird».