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Rohstoffe im Fokus

Rohstoffe begleiten uns im Alltag. Sie sind in Gegenständen wie Smartphones enthalten. Im Durchschnitt verbrauchen wir Schweizerinnen und Schweizer mehr als 600 Liter Benzin pro Jahr. Rohstoffe ermöglichen aber nicht nur unseren Lebensstil, sondern können auch als Finanzanlage einen Mehrwert generieren. Erfahren Sie hier, wie Rohstoffe im Portfolio richtig eingesetzt werden.

Rohstoffe als Finanzanlagen in der Antike

Aktien ermöglichen uns, direkt an der Entwicklung eines Unternehmens teilzuhaben. Beim Kauf von Obligationen leihen wir einem Unternehmen Kapital, um im Gegenzug von Zinserträgen zu profitieren. Wie aber kann in fossile Energieträger oder verschiedene Metallarten investiert werden?

Lange Zeit war der Rohstoffmarkt so ausgerichtet, dass zwischen zwei oder mehreren Parteien ein exklusiver Vertrag abgeschlossen wurde. Dies, um einen bestimmten Rohstoff zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft gegen einen im Voraus definierten Preis physisch zu liefern. Diese Vorgehensweise geht bis ins antike Griechenland zurück. Bereits damals wurden landwirtschaftliche Güter via Termingeschäften gehandelt. Produzenten sicherten sich gegen sinkende und Abnehmer gegen steigende Preise ab.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die erste offizielle Rohstoffbörse der Welt gegründet – das Chicago Board of Trade (CBOT). Produzenten und Abnehmer profitierten dabei von einer Regulierung des Handels, verbesserter Marktransparenz und höherer Liquidität. Dank den Rohstoff-Futures, die an der Börse gehandelt wurden, konnten schliesslich auch Finanzanleger Rohstoffe in ein Anlageportfolio aufnehmen, ohne sich um deren physische Lieferung oder Lagerung kümmern zu müssen.

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Liter Benzin verbrauchen wir Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich pro Jahr.

Besonderheiten des Rohstoffmarktes

Wieviel kostet ein Fass Öl? Der Preis, den Sie heute für eine physische Lieferung bezahlen müssten, ist der sogenannte Spot-Preis oder Kassa-Preis. Ist der Preis eines Termin-Kontraktes für eine Lieferung in der Zukunft tiefer als der aktuell gehandelte Spot-Preis, so sprechen wir von Backwardation. Diese Situation entsteht, wenn die Verfügbarkeitsprämie die Lager- und Finanzierungskosten übersteigt.

In der Praxis kommt dies in Zeiten von drohenden und tatsächlichen Lieferengpässen vor. Das heisst, der entsprechende Markt ist unterversorgt. Dabei sind die Abnehmer bereit, eine Prämie für die unmittelbare Lieferung zu bezahlen und die Futures-Kurve wird tendenziell steiler. In dieser Marktsituation profitiert ein Investor, indem er die Kontrakte für eine Lieferung in naher Zukunft in Kontrakte für eine Lieferung in ferner Zukunft rollt. Dies ist die sogenannte Rollrendite, die man dabei erzielt. Die Idee ist, von der Konvergenz vom tieferen Preis des Rohstoff-Kontraktes in Richtung Spot-Preis zu profitieren.

Umgekehrt sprechen wir von Contango, wenn der Preis eines Kontraktes für eine zukünftige Lieferung höher ist als der Spot-Preis. In diesem Fall ist der Rohstoffmarkt überversorgt. Die Lagerkosten sind in der Regel grösser als die Verfügbarkeitsprämie. Dies ist im Falle von Öl durchaus als Norm zu bezeichnen. Wenn der Investor in einer solchen Situation die ablaufenden Kontrakte in zukünftige Kontrakte rollt, entstehen Rollkosten, die sich negativ auf die Gesamtrendite auswirken. Die Berücksichtigung der Terminkurven-Struktur ist bei Rohstoffinvestitionen ein wichtiger Faktor.

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Rohstoffe als Anlagen

(nicht abschliessend)

Quelle: Credit Suisse

Anlegen in Rohstoffe bringt Mehrwert ins Portfolio

Verschiedene Untersuchungen haben aufgezeigt, dass die Beimischung von Rohstoffanlagen in bestehende Anleihen- und Aktienportfolios das Risiko-Rendite-Profil des Gesamtportfolios verbessern kann, da sich die Renditetreiber von den übrigen Anlageklassen differenzieren.

Ein naheliegendes Beispiel ist die Änderung in den Förder- resp. Produktionsmengen. Diese wirkt sich direkt auf die Rohstoffpreise aus, ohne den Aktien- oder Anleihenmarkt zu beeinflussen. Analog zu Aktien und Obligationen haben Zinsen und Währungen einen Einfluss auf die Rohstoffpreise beziehungsweise ihre Lagerkosten. So stellen die Realzinsen für Anleger sogenannte Opportunitätskosten dar und spielen in der Anlageentscheidung eine wichtige Rolle.

Die Rohstoffe weisen eine geringe oder gar negative Korrelation mit anderen Anlageklassen auf und können bis zu einem gewissen Grad zum Schutz vor Inflation eingesetzt werden. Es ist empfehlenswert, die Beimischung von breit diversifizierten Rohstoffanlagen in bestehenden Aktien- und Anleihenportfolios zu prüfen. Die teilweise hohe Volatilität einzelner Rohstoffe kann über unterschiedliche Rohstoffanlagen oder -indizes geglättet werden. Bei den Indizes gilt zu beachten, dass sowohl die Gewichtung der einzelnen Rohstoff-Positionen als auch der Rollmechanismus wichtige Komponenten zur Rendite-Erzielung darstellen.