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«Unser Hauptfokus im Bereich Investment Strategy & Research gilt guten Anlagen»

Die Mitarbeitenden des Bereichs Investment Strategy & Research sind wichtige Experten der Credit Suisse, welche die «House View» der Credit Suisse bzw. die Sicht der Bank im Hinblick auf wichtige Wirtschafts- und Finanzmarktthemen erarbeiten. Was umfasst dieser Bereich? Wie profitieren Anleger vom Know-how? Die Leiterin, Nannette Hechler-Fayd’herbe, gibt im Interview einen Einblick.

Die Abteilung Investment Strategy & Research der Credit Suisse ist global vernetzt. Knapp die Hälfte der ca. 150 Beschäftigten arbeitet in Zürich, der Rest vor allem in den USA, in London und Asien. Das Team setzt sich aus Research-Spezialisten und Finanzmarkt-Strategen zusammen. Nannette Hechler-Fayd’herbe leitet das globale Team von Zürich aus.

Wieso ist eine «Investment Strategy & Research»-Abteilung wichtig für eine Bank?

Nannette Hechler-Fayd’herbe*: Ein gutes Research und eine gute Finanzmarktstrategie sind ein starker Differenzierungsfaktor. Die von uns publizierten Informationen zeigen die Weltanschauung unserer Bank. Sie sind nicht nur als Wegweiser für unsere Anlagelösungen wichtig, sondern steigern auch das Vertrauen unserer Kunden.

Bei der Credit Suisse wurden das Research und der Bereich Investment Strategy 2013 unter die Verantwortung des Chief Investment Officer gebracht. Welche Auswirkungen hatte dies?

Das unterscheidet uns grundlegend von vielen Research-Abteilungen anderer Banken. Wir haben seither eine mit unserem Anlagegeschäft komplett integrierte Arbeitsweise. Sie können sich das Investment Strategy & Research so vorstellen wie die Blutbahnen der Anlagetätigkeit: Wir versorgen alles mit Informationen, was zum Anlagegeschäft der Bank gehört. Somit beeinflussen wir massgeblich Performance wie auch Produkte. Früher dagegen lag der Fokus hauptsächlich auf der Reputation, das Research veröffentlichte Publikationen und erstellte Prognosen.

Und heute?

Die Publikationen bleiben ein wichtiges Kommunikationsmittel. Unser Hauptfokus gilt heute aber eindeutig guten Anlagen. Wir befinden uns in einem stetigen Denkprozess, um geeignete Anlageempfehlungen für Mandate und Anlageideen für Anleger zu definieren. Darüber hinaus werden diese auch als Grundlage für die Anlageprodukte der Credit Suisse wie Fonds und strukturierte Produkte verwendet.

Wie setzt sich Ihr Team im Research der Credit Suisse zusammen?

Die meisten Mitarbeitenden im Bereich Investment Strategy & Research sind Akademiker mit unterschiedlicher Spezialisierung. Darunter befinden sich Finanzmarktspezialisten, Ökonomen und ehemalige Fondsmanager, aber auch Physiker oder Pharmaspezialisten. Darüber hinaus arbeiten wir mit externen Spezialisten zusammen, beispielsweise Historikern, politischen Analysten oder Psychologen im Rahmen der verhaltensorientierten Finanztheorie.

Psychologen? Geht es im Research nicht hauptsächlich um nüchterne Zahlen?

Nicht nur – Finanzmärkte sind stark stimmungsgeprägt, es besteht eine regelrechte Finanzmarktpsychologie.

Was motiviert Sie persönlich, im Bereich Investment Strategy & Research zu arbeiten?

Ich arbeite gern an Anlagelösungen, die gleichzeitig helfen, einige der grossen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer heutigen Zeit zu meistern, wie z. B. die Finanzierung alternder Gesellschaften, der Zugang zu erschwinglichem Wohneigentum und vieles mehr. Nach der Finanzkrise hat die Gesellschaft Banken oft ablehnend betrachtet. Ich möchte dazu beitragen, ihr wieder einen Zugang zu zeigen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Von 7.00 bis 9.00 Uhr arbeite ich meistens inhaltlich an Analysen und Publikationen. Es ist mir wichtig, selber Inhalte zu liefern. Danach folgen viel Koordination und Teamarbeit. Daneben bin ich oft beratend an Kundenmeetings anwesend oder präsentiere unsere Sicht an Kundenanlässen. Eine intensive Reisetätigkeit gehört auch dazu.

Nach der Finanzkrise hat die Gesellschaft Banken oft ablehnend betrachtet. Ich möchte dazu beitragen, ihr wieder einen Zugang zu zeigen.

Leiterin Global Investment Strategy & Research

Wie profitieren private Anleger von der Expertise des Bereichs Investment Strategy & Research?

Unsere Kunden profitieren von der Expertise mit den Anlagelösungen der Bank, die darauf aufbauen. Vermögensverwaltungsmandate sind die direkteste Form, um die von uns vorgeschlagene Strategie umzusetzen. Ob wir einen guten Job gemacht haben, zeigt sich dann in der Performance. Über unsere Publikationen informieren wir ausserdem unsere Kunden zu den Finanzmärkten, sodass sie bei ihren Anlageentscheiden immer auf eine Empfehlung ihrer Bank zählen können.

Welcher Art sind die Empfehlungen der Abteilung Investment Strategy & Research?

Unsere Empfehlungen reichen von Anlageallokationen bis hin zu individuellen Aktien- und Anleiheempfehlungen. Prognosen zu den Finanzmärkten sind ein weiterer Teil unserer Empfehlungen.

Wer entscheidet, was umgesetzt wird?

Das Anlagekomitee hat die Entscheidungshoheit über das, was letztlich umgesetzt wird. Alle zwei Wochen wird die Anlagestrategie von uns überprüft, und dem Anlagekomitee werden Vorschläge zur Evaluation unterbreitet. Makroökonomen und Finanzmarktanalysten geben ihre Einschätzung, die in einen Anlagevorschlag mündet. Am Schluss gibt es ein Voting im Anlagekomitee.