Prognose Wirtschaft 2019: Marktanalyse von drei Szenarien
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Prognose für die Wirtschaft 2019: drei mögliche Szenarien 

Eine Marktanalyse der vergangenen Jahre zeigt: Märkte bergen Überraschungen. Daher orientieren sich erfolgreiche Anleger an Wahrscheinlichkeiten, sind flexibel und ziehen verschiedene Marktszenarien in Betracht. Bekannte Szenarien in der Konjunktur sind das optimistische «Bullen-Szenario», das mittlere Szenario und das pessimistische «Bären-Szenario». Drei Prognosen für die Wirtschaft im Jahr 2019:

Marktanalyse 2019 – Was wir von Konjunktur erwarten können

1. Prognose für die Wirtschaft: das optimistische Bullenszenario

Der Börsencrash vom vergangenen Dezember entpuppt sich als «Flash Crash», als Kurseinbruch der Finanzmärkte. Nichtsdestotrotz blieb die erwartete Rezession aus, sowohl in den USA als auch in Europa und China. Dies erfordert im Bullenszenario im Laufe des neuen Jahres einen Kursanstieg bei Aktien, deren Risikoprämien zu hoch erscheinen. Kapital hingegen bleibt günstig und weiterhin verfügbar. Auch die Konsumgüterinflation und die Leitzinsen verharren auf vergleichsweise tiefem Niveau. Gleichzeitig wird die Fiskalpolitik weltweit expansiver.

Die USA investiert mehr Staatsausgaben für Sicherheit, Infrastruktur und Bildung. Auch in Europa fördern der wirtschaftspolitische Populismus, die Europawahlen im Mai und die Verlangsamung des wirtschaftlichen Schwungrads höhere Ausgaben und tieferen Steuern. China wiederum setzt auf eine systematische Stimulierung der Wirtschaft, um das Land vor Handelskonflikten zu schützen. Massnahmen wie das Vorantreiben der «Made in China 2025»-Strategie, die weitere Liberalisierung der Privatwirtschaft und das Ankurbeln des privaten Konsums durch Senkung von Steuern und Abgaben tragen Früchte. Chinas Konjunktur- und Börsenindikatoren zeigen sich erstaunlich robust. Auch andere Schwellenländer erholen sich vom geldpolitischen Dollar-Schock des Vorjahres. Mit fiskalischer und geldpolitischer Unterstützung kann die Weltwirtschaft auch dieses Jahr expandieren. 

Das Jahr überrascht mit zweistelligen Renditen auf globalen Aktien.

Burkhard Varnholt

In diesem Umfeld erholen sich auch die Energiepreise. Das Vertrauen von Konsumenten, Unternehmen, Anlegern und Medien wächst. Vorauslaufende Konjunkturindikatoren hellen sich wieder auf, und die hohen Risikoprämien und Dividenden von Aktien ziehen erneut renditesuchendes Kapital von institutionellen und privaten Anlegern an. Das Jahr überrascht mit zweistelligen Renditen auf globalen Aktien und beschert Anleihen tiefe, einstellige Renditen.

2. Prognose für die Wirtschaft: das mittlere Szenario

Wirklich einschneidende Zäsuren bleiben im mittleren Szenario für 2019 aus. Denn statt Steuersenkungen steigen die Staatsausgaben für Infrastruktur, Sicherheit und Bildung als politischer Kompromiss. Der amerikanisch-chinesische Handelskrieg endet mit einem «Deal», welcher negative Reaktionen von Börsen und Industrielobby nach sich zieht. Die wachsende Rivalität der USA mit aussenpolitisch selbstbewussteren Regionalmächten bestimmt das Klima. Es kommt zu starken Marktrotationen zwischen Sektoren, Regionen und Einzelunternehmen. Besonders Schwellenländer und sogenannte «nationale Champions» dürften davon profitieren.

Wirtschaftspolitisch versuchen neben China und Russland nun auch langjährige Bündnispartner der USA vermehrt nationale Eigenverantwortung zu übernehmen: So werden die Möglichkeiten der USA, Einfluss auf sämtliche globale Dollar-Überweisungen vorzunehmen, als latentes Souveränitätsrisiko wahrgenommen. China treibt den Umbau seiner Gesellschaft voran. Weniger «Made in China», mehr «Invented in China» lautet das Motto. «Nachhaltigkeit» wird als politische Notwendigkeit verfolgt. Erfolgreiche Privatunternehmen, vor allem börsenkotierte, avancieren zu neuen «nationalen Champions».

Das Jahr endet mit einer soliden Performance für globale Aktien.

Burkhard Varnholt

Auch in Europa erklingt der Ruf nach nationaler Eigenverantwortung. Beim Brexit einigen sich Grossbritannien und die EU auf den zuletzt ausgehandelten Austrittsvertrag, was allseits positiv gewürdigt wird. Wirtschaftlich bleibt die EU noch stets die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, ohne an Widerstandsfähigkeit zu verlieren. Vor diesem Hintergrund relativieren sich die Sorgen um Brexit und Fiskaldefizite, Europas Süd-Nord-Kapitalflucht verlangsamt sich, die Renditen auf deutsche 10-Jahres-Bundesanleihen steigen gegen 1 Prozent, Eidgenossen-Renditen folgen auf 0,5 Prozent und der Eurokurs erreicht die Marke von 1.20 Schweizer Franken.

An den Finanzmärkten endet das Jahr mit einer soliden, einstelligen Performance für globale Aktien. Schwellenländer weisen regional die beste Performance auf, gefolgt von europäischen Aktien, bei denen die Schere zwischen Gewinn- und Kapitalmarktrendite am höchsten ist. Der Euro, das britische Pfund und die Währungen von Schwellenändern zählen ebenfalls zu den Gewinnern, während an den Bondmärkten die Performances im tiefen einstelligen Bereich notieren.

3. Prognose für die Wirtschaft: das pessimistische Bären Szenario

Fallende Aktienkurse untergraben im pessimistischen Szenario das Vertrauen in die Zukunft, wodurch die Investitionstätigkeit, der Konsum und der Welthandel leiden. Viele geopolitische Konflikte verschärfen sich und der Handelskrieg eskaliert. Marktzugangsbarrieren sowie Cyberattacken nehmen weltweit zu. Dies lähmt internationale Investitionen, schwächt die Konjunktur und sorgt für sinkende Rohstoffpreise. Die Kreditrisikoprämien steigen besonders im kapitalintensiven Energiesektor. Eine Verknappung der Kapitalverfügbarkeit führt zu Schwierigkeiten für Unternehmen mit begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten. Weil der Markt für hochverzinsliche Anleihen illiquide ist, reduzieren institutionelle Anleger vor allem liquide Aktienindex-Anlagen.

Politisch erlebt die EU einen chaotischen Brexit, verbunden mit Neuwahlen und allgemeiner Verunsicherung über die Zukunft Europas. Eine unzufriedene Stimmung des Volkes sowie die politisch geschwächte Regierungen in Deutschland und Frankreich sorgen für eine Talfahrt des Euro. Dessen Wert nähert sich dem des Schweizer Franken. Das zwingt die Schweizerische Nationalbank, ihre Bilanz weiter zu vergrössern und am Devisenmarkt zu intervenieren. In den USA findet derzeit ein unerbittlicher politischer Schlagabtausch statt. Funktionswechsel in hochrangigen Positionen sorgen für zusätzliche Instabilität. Zusammen mit dem wachsenden amerikanischen Haushaltsdefizit belasten diese Faktoren den Wert des US-Dollar. 

Langfristige Staatsanleihen und der Schweizer Franken zählen zu den Gewinnern.

Burkhard Varnholt

Angesichts der weltweit sich eintrübenden Konjunktur wird die Geldpolitik global gelockert. Jedes Land versucht, seine Währung abzuwerten. Neben dem Schweizer Franken werten sich vor allem die asiatischen Währungen dank ihren relativ guten Fundamentaldaten und den abnehmenden politischen Spannungen auf. Das Jahr endet mit einem Kursverlust bei Aktien, der gegen Jahresende jedoch von einer starken Aktienmarkterholung abgeschwächt wird. Langfristige Staatsanleihen, die Schweizer voran, und der Schweizer Franken zählen zu den Gewinnern.