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Parallelen in der Geschichte des S&P 500 sind ein gutes Omen

Nimmt man den Goldpreis als Referenz für den S&P 500 zeigen sich interessante Parallelen zwischen dem grossen Crash von 1929 und der Dotcom-Krise im Jahr 2000. Was wir aus der Geschichte lernen können, was dies für die Zukunft bedeutet. Eine Analyse.

Internationale Finanzmarktentwicklungen werden wegen der schwankenden Wechselkurse oft durch eine «Nominalillusion» verfälscht. Beispielsweise liegt der S&P 500 Index zwar dieses Jahr in US-Dollar rund 21 Prozent im Plus. Aber, gemessen in Schweizer Franken, bleiben davon nur noch +17 Prozent und, gemessen in Euro, sogar nur noch +11 Prozent übrig.

Was, also, gilt? Das Problem der Nominalillusion ist so alt wie flexible Wechselkurse. In vielen Aktienstatistiken werden Kursentwicklungen deshalb in Lokalwährung und in US-Dollar aufgeführt. Aber ist der US-Dollar für internationale Investoren der richtige gemeinsame Nenner? Aus Schweizer Perspektive hat er im letzten Jahrzehnt immerhin 20 Prozent und in den letzten fünfzig Jahren 80 Prozent an Wert verloren. Solche Zahlen ernüchtern.

Goldpreis statt US-Dollar als Referenz

Ein Lösungsansatz, um Aktienmarktentwicklungen vom Einfluss flexibler Wechselkurse zu bereinigen, besteht in der Umrechnung in Goldpreise. Denn bis zur Abschaffung des mit dem Bretton-Woods-Abkommen festgelegten Goldstandards im Jahr 1973 waren Wechselkurse international fix und die US-Notenbank garantierte allen Teilnehmerländern, US-Dollar gegen Gold zu einem festen Kurs von 35 US-Dollar pro Feinunze zu tauschen. Erst mit dem Ende dieses internationalen Standards schufen flexible Wechselkurse eine oft babylonische Verwirrung.

Kalkuliert man also Aktienindizes in Goldpreisen, so erhält man gewissermassen eine international und historisch vergleichbare Recheneinheit. Diese Analyse wurde kürzlich von John Authers in der Financial Times publiziert. Interessanterweise durchschritten aus dieser Optik amerikanische Aktien ihren Wendepunkt erst 2011 (und nicht, wie oft zitiert, 2009), also nachdem das AAARating amerikanischer Staatsanleihen fiel und die Eurokrise durch Mario Draghis Worte «whatever it takes» beendet wurde.

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Damals und heute. Entwicklung des S&P 500 in Goldpreisen nach der grossen Depression 1929 und seit dem Dotcom-Crash 2000

Veränderung der Menge an Gold, die der S&P 500 kaufen kann
Quelle: Bloomberg, Financial Times

Geldpolitik führte zu zweiter Börsenkrise

Die Parallelität der zwei Aktienmarktentwicklungen ist verblüffend. So, wie der US-Börsencrash 1929 von einer zweiten Rezession 1937 gefolgt wurde, folgte auf den Dotcom-Crash von 2000, acht Jahre später, die Kreditkrise von 2008.

Alles Zufall? Obwohl die historischen Hintergründe sich offenbar unterscheiden, existieren subtile Gemeinsamkeiten. Nach 1929 – wie auch nach 2000 – leitete eine zunächst expansive und danach (zu) restriktive Geldpolitik acht Jahre später eine zweite Börsenkrise ein – also 1937 beziehungsweise 2008. Hiernach folgten in der ersten Geschichte 30 Jahre expansive Geldpolitik und steigende Aktienmärkte.

Analyse des S&P 500 offenbart gutes Omen

Im chronologischen Vergleich würden US-Aktienmärkte heute ungefähr dem Jahr 1945 entsprechen. Damals wie heute notierten die US-Kapitalmarktrenditen bei 2.5 Prozent. Entgegen anderslautender Rhetorik verharrten sie dank akkommodierender Geldpolitik noch weitere zwanzig Jahre, bis circa 1967, auf tiefen Niveaus. Während dieser langen Tiefzinsphase versechsfachte sich der S&P-500 Index, der Dow Jones Index konnte sich gar verzehnfachen.

Reimt sich die Geschichte? Falls ja, so wäre das ein gutes Omen für die nächsten zwanzig Jahre.