Private Debt: Kreditfinanzierung als Anlageklasse
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Mit Investitionen in Privatkreditmärkte der Volatilität trotzen

Das aktuelle volatile Marktumfeld setzt institutionelle Investoren unter Druck. Mit einem attraktiven Renditeprofil und berechenbaren Risiken scheinen Privatkreditmärkte eine willkommene Alternative zu sein. Welche Chancen bietet die Anlageklasse?

Während an privaten Kreditmärkten der Schwerpunkt der Kreditvergabe ursprünglich auf kleinen und mittleren Unternehmen lag, verzeichneten sie in jüngster Vergangenheit ein starkes Wachstum. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich die privaten Unternehmenskredite auf mehr als 800 Milliarden US-Dollar1 verdreifacht. Seit 2008 liegen die jährlichen Renditen mit durchschnittlich neun Prozent deutlich höher als diejenigen auf öffentlichen Märkten.

Private Debt in volatilen Zeiten nutzen

Im aktuell volatilen Marktumfeld bieten Privatkredite eine gute Alternative für Kreditnehmer und ihre Sponsoren sowie institutionelle Investoren. Angesichts des höheren Ausführungsrisikos – sprich eines möglichen Wertverlusts bei Handelsgeschäften durch Auftragsverzögerungen – auf den Märkten für breit angelegte Konsortialkredite wenden sich Kreditgeber zunehmend den Privatkreditmärkten zu. Denn diese bedeuten aufgrund der variablen Verzinsung ein geringeres Zinsrisiko und die Chance auf eine höhere Rendite.

Der Bedarf an sicheren Finanzierungen in turbulenten Zeiten wird weiter unterstrichen durch die Tatsache, dass etwa zwei Drittel des Kreditvolumens im ersten Quartal 2022 mit Mergers & Acquisitions (M&A) sowie Leveraged-Buy-Out-Aktivitäten verbunden waren. Hinzu kommt, dass die Anzahl von Zahlungsausfällen im letzten Jahr trotz der steigenden Inflation, der Engpässe in der Lieferkette sowie der hohen Zinsen gering blieb. In den kommenden Quartalen ist zwar eine Erhöhung der Ausfallrate zu erwarten, aber diese dürfte eher Unternehmen in zyklischen Branchen betreffen.

Die Entwicklung der privaten Kreditfinanzierung

Bereits während der Corona-Krise im Jahr 2020 konnte ein starker Anstieg der Nachfrage nach Privatkrediten von grösseren, qualitativ hochwertigen Kreditnehmern, welche Flexibilität und Sicherheit bei der Finanzierung suchten, beobachtet werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die privaten Kreditmärkte auch bei vielen institutionellen Anlegern mittlerweile eine feste Konstante in den Portfolios geworden sind.

Doch wieso hat sich der private Kreditmarkt in den letzten Jahren so stark entwickelt? Einerseits erwies sich die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 für den Markt der Konsortialkredite als eine Periode mit hoher Marktvolatilität. In der darauffolgenden Konjunkturerholung expandierte dieser Markt, da der Kapitalbedarf von grösseren Unternehmen ohne Investment-Grade-Rating gedeckt werden musste. Für kleinere Unternehmen stand eine solche Finanzierungsoption bei kapitalschwachen Banken jedoch nicht zur Verfügung. Folglich entwickelte sich der private Unternehmenskredit als alternative Finanzierungsquelle.

Grösse des institutionellen Leveraged-Loan-Markts

Grösse des institutionellen Leveraged-Loan-Markts

Quelle: Credit Suisse, S&P LCD
Letzter Datenpunkt: 31. Juli 2022

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Die mit diesen Entwicklungen voranschreitende Konvergenz der privaten und öffentlichen Schuldenmärkte nahm mit dem Einbruch der Energiepreise 2015 ihre Fortsetzung. Energieunternehmen sahen sich mit rückgängigem Investoreninteresse konfrontiert. Die zunehmende Schwierigkeit, erst- und zweitrangige Schuldtitel zu emittieren, veranlasste Kreditnehmer und ihre Sponsoren dazu, diese bei privaten Kreditgebern zu platzieren. Fortan hatten sich private Kredite insbesondere für zweitrangige und für Mezzanine-Finanzierungen etabliert.

Private Debt dürfte weiterhin attraktiv bleiben

Andererseits sind Privatkredite sowohl für Kreditgeber als auch für Investoren äusserst attraktiv. Verglichen mit Konsortialkrediten ermöglichen sie, Kapital zu binden und Mittel abzurufen, damit private Kreditgeber das Risiko über verschiedene Zyklen hinweg bewerten können. Dieses gebundene Kapital bietet Stabilität, da kein Kapitalabfluss stattfindet. Auch kann das Risiko in Zeiten der Marktvolatilität und in Zeiten kreditnehmerfreundlicher Märkte bepreist werden. Dies kann beispielsweise für Pensionskassen und Stiftungen, deren Kapitalbasis die Kapitalbindung verkraftet und die Illiquiditätsprämien anstreben, eine vielversprechende Chance sein.

Hinzu kommt, dass eine kleinere Kreditgebergruppe eine bessere Kontrolle und ein strafferes Verfahren beim Underwriting erlaubt. Auch ein besserer Zugang zur Due-Diligence-Prüfung sowie eine schnelle Geschäftsabwicklung sind gegeben. Darüber hinaus bieten Fonds für Direktkredite die Möglichkeit, durch die direkte Beziehung zwischen Kreditgebern und -nehmern attraktive Schlüsselkonditionen und Preise auszuhandeln.

In Anbetracht dieser Eigenschaften und der anhaltenden Nachfrage von Investoren nach verbesserten Renditechancen und stabilem, schnellem Kapital als Ergänzung zu den öffentlichen Märkten dürfte die Entwicklung hin zur Konvergenz der privaten und öffentlichen Schuldenmärkte von längerer Dauer sein und die Attraktivität der Anlageklasse Private Debt somit weiter steigern.

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