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Können Bullen fliegen? Börsen sind auf Rekordkurs.

Bullen können nicht fliegen, das weiss jedes Kind. Oder eben doch? 2009 hob der Aktien-Bullenmarkt ab und seitdem fliegt und fliegt er – aber wie lange noch? Das fragen sich sowohl Anleger wie auch die Chefs der weltgrössten Notenbanken.

Längste Aktienhausse der Geschichte

Es gibt gute Gründe dafür, dass die aktuelle Aktienhausse die bisher längste der Geschichte werden dürfte. Je nach Berechnung wäre es dann wahrscheinlich im kommenden Sommer so weit. Kann man aus Vergleichen mit der Hausse von 1987 bis 2000 Schlüsse ziehen? Das wäre irreführend.

Denn Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche. Meist sterben sie an einer Rezession oder an Inflation. Auch der bislang älteste Bullenmarkt ging im Millenniumsjahr an der Euphorie der «Dotcom-Blase» und an einer Rezession zugrunde. Dazu findet man heute wenig Parallelen.

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Bullenmarkt ist auf steilem Kurs

Dunkle Flächen = Bullenmärkte; helle Flächen = Bärenmärkte (Rückgang um mindestens 20 Prozent). Konjunkturzyklen: Höhepunkte (H) und Tiefpunkte (T) gemäss National Bureau of Economic Research

Quelle: yardeni.com, Standard & Poor’s

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Anleger an der Börse sind verunsichert

Anleger sind derzeit ungewöhnlich verunsichert – auch wenn die Fakten weder für eine Rezession noch für eine Inflationswende sprechen. Man kann die aktuelle Stimmung sehr gut am Ausschlag des globalen Credit Suisse Risikoaversionsindex ablesen.

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Anleger sind derzeit extrem risikoavers

Quelle: Credit Suisse

Treiber hinter der Aktienhausse

Haussen beziehen ihre Energie meist aus zwei Quellen: erstens aus dem Gewinnwachstum, zweitens aus einer sprichwörtlichen «Mauer der Skepsis». Hierbei handelt es sich um eine Metapher für Kapital, das Anlagen sucht, sich aber skeptisch zurückhält. Diese Reserviertheit liefert Liquidität und sorgt für steigende Bewertungen.

Zur Orientierung: Seit 2009 wuchsen die Unternehmensgewinne im S&P 500 um 370 Prozent, dieses Jahr allein um 26 Prozent. Auch im SMI konnten sie sich mehr als verdoppeln. Kein Wunder, dass auch die meisten Aktienmärkte sich seitdem mehr als verdoppelt haben. Und obwohl die Gewinndynamik unverändert intakt ist, agieren Investoren nicht annähernd so euphorisch wie im Jahr 2000.

Auch die Inflation wird weltweit vom Druck des Wettbewerbs tief gehalten. Sie verbirgt sich zumeist in Produzentenpreisen und springt nur selten auf Konsumenten über. Unsere Geldpolitik ist seit Jahren ein starker Anker für Stabilität. Die Fiskalpolitik unterstützt das Wachstum – vor allem in den USA und in China. Global fördert und fordert der Technologiezyklus zahlreiche Unternehmensinvestitionen. Wir erleben einen soliden, positiven Konjunkturzyklus.

Einige Kennzahlen zur aktuellen Aktienhausse

Hohe Unternehmensumsätze in Zeiten des Bullenmarkts

Im letzten Quartal erreichten die Unternehmensumsätze weltweit neue Höchststände. Es ist wenig überraschend, dass viele Börsen ihre frühsommerliche Schwäche überwinden.

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Umsätze pro Aktie waren nie höher

Quelle: Yardeni.com, Standard & Poor’s

Unternehmensgewinne in Rekordhöhe

Was dem Umsatz hilft, hilft auch dem Gewinn. In den USA kommt noch die Steuerreform hinzu. Aber auch in der Schweiz, der EU und in Asien versteuern Unternehmen gegenwärtig Rekordgewinne.

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Unternehmensgewinne sind höher denn je

Quelle: Thomson Reuters, I/B/E/S

Schwellenländer dämpfen den Höhenflug des Bullenmarkts

Was würde es bedeuten, wenn das rekordverdächtige Gewinnwachstum sich verlangsamte? Grundsätzlich wäre das sogar gut, denn Bullenmärkte funktionieren ähnlich wie ein Marathon: Langsam ist oft nachhaltiger. Moderates Gewinnwachstum würde sich in moderaten Kurssteigerungen spiegeln. Dies ist in etwa das Szenario, das auch in den langfristigen Kapitalmarktannahmen zu erwarten ist.

Anders sieht es in den Schwellenländern aus: Obwohl die Unternehmensgewinne in Schwellenländern stark wachsen, ihre Unternehmen gesund, ihre Leistungsbilanzen positiv und ihre Verschuldung mehrheitlich tief ist, führten handelspolitische Spannungen und die Probleme in Argentinien und der Türkei zu allgemeinen Kapitalabflüssen.

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Schwellenländermärkte schneiden an der Börse schlecht ab

Quelle: Thomson Reuters

Mittlerweile erinnert die Situation an die Schwellenländerkrise Ende der 90er-Jahre. 1998 stellte Russland seinen Schuldendienst ein. Der Konkurs des Hedge-Fonds LTCM schlug globale Wellen. In Indonesien musste Präsident Suharto nach 32 Amtsjahren abdanken und Südkorea, Malaysia sowie Thailand erlebten schwere Rezessionen. Der aktuelle Kapitalexodus hat vergleichbare Dimensionen wie damals. Heute jedoch befinden sich die Schwellenländer in einer wesentlich stärkeren Verfassung. Nicht zu vergessen: Damals hatten sich die Werte der meisten Schwellenländerbörsen nach nur 18 Monaten wieder verdoppelt.