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Konjunktur Schweiz: Langsame Beschleunigung

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) scheint nur langsam zu wachsen. Doch die Schweizer Wirtschaft steht besser da, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Das zeigen unter anderem die anhaltende Erholung des Exports und das Wachstum der Binnenwirtschaft.

Das Wirtschaftswachstum ist derzeit nicht beeindruckend. Es gewinnt allerdings an Dynamik und ist zunehmend breiter abgestützt. Daher lässt sich ein Wachstum von 1.5% für 2017 und von 1.7% für 2018 prognostizieren.

BIP-Quartalsausweis ist besser, als er aussieht, ...

Das Wort «Enttäuschung» macht die Runde: Um nur 0.3% nahm Bruttoinlandprodukt (BIP) gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) im 1. Quartal 2017 gegenüber dem Vorquartal zu. Die Verfassung der Schweizer Wirtschaft ist jedoch besser, als sie auf den ersten Blick aussieht: Erstens wurde erneut mehr investiert sowie konsumiert und die Exporte nahmen zu.

Zweitens sind die Preise erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen, was auf eine zunehmende Preissetzungsmacht hinweist. Und drittens lastet ein negativer Beitrag der Komponente «Lager und statistische Abweichung» massiv auf dem BIP-Quartalsausweis (–1.7 Prozentpunkte). Diese Komponente ist stark durch den Handel mit Gold und Rohstoffen geprägt und lässt daher kaum Rückschlüsse auf die Dynamik der hiesigen Wirtschaft zu (vgl. folgende Abb.).

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Volatile Lagerkomponente

Reales Bruttoinlandprodukt ggü. Vorquartal in %, saisonbereinigt
Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Credit Suisse

... und die Exporterholung dürfte andauern, ...

Die Voraussetzungen für eine weitere Erholung der Exportwirtschaft sind gut. Einerseits sorgt die in den Abnehmerländern positive Wirtschaftsentwicklung für Rückenwind: Unser Exportbarometer, das diese Entwicklung misst, liegt weit über der Wachstumsschwelle (vgl. Abb. unten).

Andererseits geht von der Überbewertung des CHF gegenüber dem EUR immer weniger Gegenwind aus. Die Hoffnung, dass die Abwertung des EUR gestoppt wurde, erscheint als realistisch. Indessen hält sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Devisenmarktinterventionen tendenziell zurück, wenn der CHF als Folge besserer schweizerischer Wachstumserwartungen aufwertet. Sie bekämpft Aufwertungsdruck primär dann, wenn dieser Folge politischer Unsicherheiten ist. Letztere sollten in der Eurozone – deren wirtschaftliche Erholung voranschreitet – jedoch weiter abnehmen.

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Exportbarometer steht auf Wachstum

In Standardabweichungen
Quelle: Bloomberg, Datastream, PMIPremium. Credit Suisse

... während die Binnenwirtschaft langsam an Zugkraft gewinnt

Die Binnenwirtschaft bleibt solid, ihr Wachstum beschleunigt sich jedoch nur langsam. Die Konsumentenstimmung hellt sich wegen der schleppenden Verbesserung der Arbeitsmarktlage – der wichtigsten Determinante der Stimmungslage – nur zögerlich auf. Zudem sind die Zeiten steigender Kaufkraft dank sinkender Preise vorbei. Die Zuwanderung stützt zwar weiterhin das Konsumwachstum, der Wachstumsbeitrag wird aber kleiner.

Wenig Beschleunigung ist auch bei den Unternehmensinvestitionen zu erwarten: Die günstigen Finanzierungskonditionen und der stetige Zwang zur Rationalisierung sprechen zwar für eine stärkere Zunahme. Die nach wie vor schwierige Erlössituation begrenzt aber das Potenzial. Der Nettobetriebsüberschuss – eine Approximation der Gewinne – liegt immer noch auf dem tiefen Niveau von 2009.