Für KMU war der Frankenschock besonders einschneidend
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Für KMU war der Frankenschock besonders einschneidend

Die Stimmung bei KMU ist meist nicht von politischen Ereignissen abhängig. Bei der Aufhebung des Euro-Mindestkurses war das anders. Die anschliessende Frankenstärke macht kleinen und mittleren Unternehmen am längsten zu schaffen.

Politische Entscheide beeinflussen die Einschätzung der Geschäftslage durch kleine und mittlere Industriebetriebe unmittelbar kaum. Vom Frankenschock des Jahres 2015 erholten sich diese KMU hingegen weniger schnell als grosse Industrieunternehmen.

Störungen bei Wechselkursen und Konjunkturen schwächen KMU sonst eher

Die Geschäftslage von Schweizer Industriebetrieben, gemessen am Indikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), wird von politischen und währungspolitischen Entscheiden beeinflusst (vgl. Abb. 1). Die Einschätzung der Geschäftslage schwankt dabei deutlich stärker infolge konjunktureller und wechselkursbedingter Störungen als infolge politischer Entscheide.

Nach politischen Ereignissen zeigt sich nur bei grossen Unternehmen eine Reaktion: So trübte sich deren Einschätzung nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI), der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III (USR III) und der Annahme des Brexit-Referendums jeweils ein. Diese Eintrübungen waren aber nicht besonders ausgeprägt, und sie könnten durchaus auch anderen Faktoren zuzuschreiben sein. Zudem veränderte sich die Einschätzung mittelgrosser und kleiner Unternehmen (KMU) praktisch gar nicht.

Politische Entscheide beeinflussen Stimmung bei KMU kaum

Abb. 1: Politische Entscheide beeinflussen Stimmung bei KMU kaum

KOF-Geschäftslagenindikator Industrie: Saldi in Prozentpunkten.
Quelle: KOF, Credit Suisse

Frankenschock traf Kleine härter als Grosse – erst jetzt erholen sich KMU

Ganz anders sieht es insbesondere bei einem spezifischen geldpolitischen Entscheid aus: Der Geschäftslageindikator reagierte selten so deutlich wie im Februar 2015, nachdem die Schweizerische Nationalbank ihren Euro-Mindestkurs aufgehoben hatte. Der Einbruch der beurteilten Geschäftslage fiel in allen Grössenklassen etwa ähnlich stark aus (vgl. Abb. 2).

Bei der Erholung vom Frankenschock lassen sich dagegen erhebliche Unterschiede feststellen. Grosse Industriebetriebe beurteilten die Geschäftslage bereits Mitte 2016 wieder fast so gut wie vor Aufhebung der Untergrenze des Wechselkurses. Kleine Unternehmen bekundeten noch deutlich länger Mühe. Die Gründe für diese divergierende Entwicklung sind naheliegend: Grössere Betriebe verfügen häufiger über Produktionsstandorte im Ausland und konnten dadurch via Auslagerung den Währungsschock leichter abfedern als kleine. Hinzu kommt, dass viele kleine Industriebetriebe Zulieferer grösserer Unternehmen sind. Bei Letzteren gehörte auch die Auslagerung von Lieferantenbeziehungen zu den Massnahmen gegen die Frankenstärke.

Seit März 2017 hat sich die Lage jedoch auch bei kleinen Industriebetrieben spürbar aufgehellt. Die generell anziehende Weltkonjunktur scheint mehr und mehr auch bei Schweizer Industrie-KMU anzukommen.

Erholung vom CHF-Schock dauerte bei KMU länger

Abb. 2: Erholung vom CHF-Schock dauerte bei KMU länger

KOF-Geschäftslagenindikator Industrie: Saldi in Prozentpunkten.
Quelle: KOF, Credit Suisse

Chemisch-pharmazeutische Industrie

Im Vorjahresvergleich nahmen die Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den ersten vier Monaten 2017 zwar kräftig zu (Pharma: +7.9%; Chemie: +1.7%), ein Grossteil dieses Wachstums dürfte aber einem Basiseffekt zu verdanken sein.

Im Trend entwickelten sich die Exporte seitwärts. Die Geschäftslage wird von Pharma- und Chemieunternehmen dennoch unvermindert besser eingeschätzt als von anderen Industriebranchen. Es ist daher nach wie vor zu erwarten, dass die Branche die Umsätze im laufenden Jahr abermals wird steigern können.

Exportdynamik flacht Anfang 2017 ab

Abb. 3: Exportdynamik flacht Anfang 2017 ab

Exporte: Trend, Index Januar 2014 = 100; Veränderung zum Vorjahr in %.
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM)

Der Maschinenbau ist die Sparte der MEM-Industrie, die sich bisher am besten von der Frankenstärke erholt hat. Zwar liegen seine Umsätze noch klar unter dem Niveau von 2014, als der minimale Wechselkurs noch bestand. Seit dem 2. Halbjahr 2016 wachsen sie aber wieder, nicht zuletzt dank Nachfrageimpulsen aus dem Ausland.

Im 1. Quartal 2017 verzeichneten die Umsätze im Maschinenbau ein Plus von 5.5% gegenüber dem Vorjahr, während sie in der Metallindustrie und der Elektrotechnik noch rückläufig waren (–3.9% bzw.– 3.1%). Angesichts der positiven Konjunkturaussichten für die wichtigsten Absatzmärkte kann damit gerechnet werden, dass sich das Umsatzwachstum im Maschinenbau im weiteren Jahresverlauf fortsetzen wird.

Umsätze erholen sich in erster Linie im Maschinenbau

Umsätze erholen sich in erster Linie im Maschinenbau

Umsatz, 4-Quartals-Durchschnitt, Index: 1. Quartal 2014 = 100.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Uhrenindustrie

Nach dem Einbruch von 2016 (–9.9% ggü. Vorjahr) lagen die Uhrenexporte in den ersten vier Monaten 2017 arbeitstagbereinigt noch 2.5% unter dem Vorjahresniveau. Auch die Entwicklung der Kapazitätsauslastung und der Arbeitslosigkeit weist auf eine Stabilisierung hin, die aktuelle Geschäftslage beurteilen die Uhrenfirmen jedoch weiterhin überwiegend als schlecht.

Zur Beruhigung trug insbesondere die Trendwende auf dem chinesischen Markt bei. Auch die Exporte nach Grossbritannien nahmen im bisherigen Jahresverlauf stark zu. In den meisten anderen Märkten bleibt die Lage aber angespannt, weshalb für 2017 insgesamt kein namhaftes Wachstum der Uhrenexporte zu erwarten ist.

Uhrenexporte nach China nehmen wieder zu

Uhrenexporte nach China nehmen wieder zu

Nominale Exporte, arbeitstagbereinigt, Veränderung zum Vorjahr in %; Anteil in %.
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Detailhandel

Dank des sehr milden Wetters im Februar und März 2017 hat sich die bis dato harzige Erholung nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Detailhandel im 1. Quartal kurzfristig beschleunigt. Am meisten konnten die Segmente Do-it-yourself und Bekleidung/Schuhe vom Wetterglück profitieren, obwohl letzteres Segment immer noch nominale Umsatzrückgänge hinnehmen musste (–2.1% im 1. Quartal 2017 ggü. Vorjahr).

Derweil stagnierte die Food-Sparte, sie wird aber voraussichtlich im Jahresverlauf wieder leicht wachsen können. Trotz solider Konjunktur bleibt die Lage im Non-Food-Segment aufgrund der strukturellen Verschiebung in den (teils) ausländischen Onlinehandel angespannt.

Harzige Erholung im Detailhandel nach Ende des Euro-Mindestkurses

Harzige Erholung im Detailhandel nach Ende des Euro-Mindestkurses

Detailhandelspreisindex, 12-Monats-Durchschnitt; Normale Umsätze, Veränderung ggü. Vorjahresquartal, in %.
Quelle: GfK, Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Tourismus

Eine zu weiten Teilen schneearme Wintersaison verzögert die Erholung der KMU im Schweizer Gastgewerbe, die Mitte 2016 eingesetzt hat. Nach einem positiven Herbst (+1.9% Sept. – Okt. 2016 ggü. Vorjahr) verharrten die Logiernächte zwischen November 2016 und Februar 2017 auf dem Vorjahresniveau.

Trotz Erholungstendenz beurteilt die Mehrheit der Hoteliers die Geschäftslage noch als negativ. Dabei sticht insbesondere die Einschätzung der kleinen Betriebe ins Auge, wo sich die Stimmung seit drei Jahren konstant verschlechtert. Aufgrund der Konjunktur und der verbesserten Wechselkurse ist für 2017 ein leichtes Plus der Übernachtungszahlen zu erwarten.

Kleine Hotels werden immer pessimistischer

Kleine Hotels werden immer pessimistischer

Beherbergung: Beurteilung der aktuellen Geschäftslage nach Betriebsgrösse, Saldo «gut/schlecht» in Prozentpunkten*.
Quelle: KOF ETH, Credit Suisse, *4-Quartals-Durchschnitt

Energieversorgung

Obwohl die Schweizer Stromnachfrage praktisch stabil blieb sank die inländische Produktion 2016 um über 6%. Folglich resultierte der erste Stromimportüberschuss seit 2011. Zum Produktionsrückgang trugen unter anderem ausserordentliche AKW-Stillstände (Beznau I, Leibstadt) sowie zeitweise unterdurchschnittliche Wasserstände bei.

Belastend wirkten sich zudem die Stromgrosshandelspreise aus, die im Jahresverlauf 2016 rekordtiefe Niveaus erreichten. Seit dem Herbst 2016 steigen die Grosshandelspreise jedoch wieder, dies nicht zuletzt infolge von Ausfällen bei schweizerischen und französischen Atomkraftwerken.

Trendwende bei den Stromgrosshandelspreisen

Trendwende bei den Stromgrosshandelspreisen

Spotmarktpreise für Grundlaststrom in EUR/MWh, 12-Monats-Durchschnitt.
Quelle: European Energy Exchange, Gestore Mercati Energetici, Credit Suisse