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Kapital oder Rente? Die richtige Strategie für den Bezug der Pensionskassengelder

Das Pensionskassenguthaben stellt am Ende des Erwerbslebens oft das grösste Vermögen dar. Entsprechend wichtig ist bei der Pensionierung die Frage, ob dieses als Kapital oder in Form einer Altersrente bezogen werden soll. Welche Rolle Umwandlungssatz und Region spielen. 

Der Umwandlungssatz bestimmt die Höhe der Rente aus der Pensionskasse

Bei Bezug des Altersguthabens aus der zweiten Säule in Form einer Rente wird diese mit dem Umwandlungssatz berechnet. Bei einem Umwandlungssatz von 6,0 Prozent beläuft sich die jährliche Altersrente auf 6,0 Prozent des angesparten Altersguthabens. Beträgt das Alterskapital zum Beispiel 100’000 Schweizer Franken, ergibt sich eine Rente von 6’000 Schweizer Franken pro Jahr.

Angesichts der Realität von tiefen Zinsen und fortschreitender Alterung haben die Pensionskassen die Umwandlungssätze im überobligatorischen Bereich in den letzten Jahren schrittweise gesenkt. Gemäss der Pensionskassenumfrage der Credit Suisse rechnen die Pensionskassen für 2017 bis 2022 im Mittel mit einem Umwandlungssatz von 5,5 Prozent. Der versicherungstechnisch korrekte Umwandlungssatz läge ungefähr bei 5,0 Prozent – der Trend zu sinkenden Umwandlungssätzen dürfte anhalten.

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Sinkende Umwandlungssätze mindern die resultierende Altersrente

Jährliches Bruttoeinkommen aus Rentenbezug (in Schweizer Franken) für unterschiedliche massgebende Altersguthaben sowie Umwandlungssätze

Quelle: Credit Suisse

Den Kapitalbezug aus der Pensionskasse richtig planen

Beim Kapitalbezug hingegen geht das Guthaben aus der Pensionskasse ins Privatvermögen des Bezügers über. Dieser kann frei über das bezogene Kapital verfügen. Allerdings sollte das Guthaben bis zum Ende der Rentendauer ausreichen. Daher ist es wichtig, zu berechnen, wie viel Kapital in welchem Zeitraum ausgegeben werden kann.

Je länger das Kapital ausreichen soll, desto weniger sollte jährlich ausgegeben werden. Wie viel das ist, hängt auch davon ab, welche Rendite auf dem bezogenen Kapital erzielt werden kann. Je nach Anlagestrategie respektive Risikobereitschaft ist diese unterschiedlich. Höhere Renditen sind in der Regel auch mit höheren Risiken verbunden.

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Kapitalverzehr bei tiefen Renditen und langem Zeithorizont entsprechend zügeln

Jährliches Bruttoeinkommen in Schweizer Franken für unterschiedliche Kapitalbezüge (nach Abzug der Kapitalbezugssteuern) bei unterschiedlicher Rentendauer (in Jahren) und Renditenannahmen.

Historische Performance-Angaben oder Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für die aktuelle oder die künftige Wertentwicklung.

Quelle: Credit Suisse

Je nach Region variiert die Steuerbelastung beim Bezug

Schliesslich spielen steuerliche Aspekte eine Rolle, denn Renten – egal ob Altersrenten aus der beruflichen Vorsorge oder aus der AHV – werden als Einkommen vollumfänglich besteuert. Auch ein Kapitalbezug muss versteuert werden, allerdings getrennt vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz. Bei einem vollständigen Kapitalbezug aus der Pensionskasse kann die Steuerbelastung deutlich reduziert werden. Es fallen dann zwar mehr Vermögenssteuern an. Diese werden aber in der Regel durch die Reduktion der Einkommenssteuern überkompensiert.

Die Steuerbelastung beim Kapitalbezug unterscheidet sich kantonal stark. Die Differenzen können von Gemeinde zu Gemeinde mehrere Tausend Franken betragen. So fallen im steuerlich attraktiven Wollerau SZ auf 100’000 Schweizer Franken Steuern in der Höhe von 1’938 Franken an, in Herisau AR sind es mit 7’875 Franken fast viermal so viel.

Ermitteln Sie mit dem Kapitalbezugsrechner der Credit Suisse, wie hoch die Steuern beim Bezug Ihres Vorsorgeguthabens ausfallen

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Je nach Steuerbelastung werden für Pensionäre neue Regionen attraktiver

Belastung durch Einkommenssteuern in Schweizer Franken, alleinstehender Rentner mit einem Bruttoeinkommen von 60’000 Franken, 2017

Quelle: TaxWare, Credit Suisse, Geostat

Kapital auszahlen lassen – ja oder nein? 

Unter Berücksichtigung der wichtigsten Faktoren, wie beispielsweise des Umwandlungssatzes oder der Steuerbelastung, kann nun eine finanzielle Gesamtbetrachtung erfolgen. Wie wirkt sich der Entscheid Kapital oder Rente auf die im Alter zur Verfügung stehenden Mittel aus?

Um diese Frage zu beantworten, hat die Credit Suisse für alle Gemeinden der Schweiz und für eine Vielzahl unterschiedlicher Szenarien das resultierende Nettoeinkommen nach Steuern berechnet. Die Szenarien wurden für zahlreiche Altersguthaben unter Berücksichtigung der von Gemeinde zu Gemeinde variierenden Belastung durch Kapitalbezugs-, Einkommens- und Vermögenssteuern berechnet. So ist in der Stadt Zürich ein reiner Rentenbezug zum Beispiel etwa bei einem Umwandlungssatz von 5,0 Prozent, einer Rentendauer von 25 Jahren und einer erwarteten Rendite von 2 Prozent finanziell gleich attraktiv wie ein reiner Kapitalbezug (siehe Grafik). Bei einem tieferen Umwandlungssatz, einer geringeren Rentendauer oder bei einer höheren Rendite auf dem bezogenen Kapital wird der Kapitalbezug attraktiver als die Rente. In Regionen mit höherer Steuerbelastung wird der Kapitalbezug früher attraktiv.

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Simulation des zur Verfügung stehenden Einkommens im Alter

Jährliches Nettoeinkommen in Schweizer Franken bei einem Altersguthaben von 1 Million Franken, das zu unterschiedlichen Anteilen als Rente bzw. Kapital bezogen wird; durchschnittliche Rendite = 2 Prozent pro Jahr, Rentendauer = 25 Jahre; alleinstehender Rentner, Stadt Zürich, 2017

Historische Performance-Angaben oder Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für die aktuelle oder die künftige Wertentwicklung.

* UWS = Umwandlungssatz

Quelle: TaxWare, Credit Suisse

Zahlreiche Einflüsse auf das Kapital aus der Pensionskasse 

Aufgrund der regionalen Differenzen in der Steuerbelastung hängt das im Alter zur Verfügung stehende Einkommen wesentlich vom Wohnort ab. Bei ein und derselben Bezugsstrategie resultiert je nach Wohnort eine Differenz im jährlichen Nettoeinkommen von nahezu 12’000 Schweizer Franken.

Es lohnt sich, den spezifischen Fall genau zu betrachten. Auch die Familiensituation, erbrechtliche Aspekte, Gesundheit und Wohnverhältnisse gilt es zu berücksichtigen.

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Regionale Differenzen im jährlichen Nettoeinkommen

Jährliches Nettoeinkommen in Schweizer Franken aus AHV-Rente, Rente aus beruflicher Vorsorge sowie Kapitaleinkommen bei Bezug des Altersguthabens von 1 Million Franken zu 80 Prozent / 20 Prozent als Rente/Kapital, Umwandlungssatz = 5,5 Prozent, durchschnittliche Rendite = 2 Prozent pro Jahr, Rentendauer = 25 Jahre, 2017

Historische Performance-Angaben oder Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für die aktuelle oder die künftige Wertentwicklung.

Quelle: TaxWare, Credit Suisse, Geostat