Schöner leben nach der Rente
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NZZ Serie: Kapital oder Rente?

Soll man von der Pensionskasse eine lebenslange Rente oder das Kapital beziehen? Für viele Beschäftigte ist dieser Entscheid der folgenreichste des Lebens. Er sollte deshalb gut überlegt sein.

Es ist eine Wahl von grosser Tragweite, die vor dem Abschluss der Erwerbsarbeit ansteht. Sich frühzeitig, gründlich und emotionslos darauf vorzubereiten, lohnt sich in jedem Fall. Denn einmal gefällt, kann die Weichenstellung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Von kurzfristigen aktuellen Ereignissen wie etwa dem Brexit oder der Euro-Krise sollte man sich nicht beeinflussen lassen. Als Folge solcher Turbulenzen sind zuletzt viele angehende Pensionäre risikoscheu geworden und haben sich für die sichere Rente entschieden. Oft voreilig.

Drei Wege zum Ziel

  • Grundsätzlich stehen zum Zeitpunkt der Pensionierung drei Wege für die Verwendung des angehäuften Alterskapitals offen.
    Die Umwandlung des gesamten Kapitals in eine lebenslange Rente. Dafür entscheidet sich zurzeit jeder dritte Senior. 
  • Den – oft goldenen – Mittelweg: Bezug eines Teils des Kapitals und Bezug einer lebenslangen kleineren Rente. Fast die Hälfte der angehenden Pensionäre wählt diese Lösung. 
  • Den Weg der Profis und der Finanzmarktkundigen: den Bezug des ganzen Kapitals und die Sicherstellung der Rente durch Kapitalverzehr und eine individuelle Anlagestrategie.
    Alle drei Wege haben Vor- und Nachteile. Ein Kolumbus-Ei gibt es nicht.

Für die Pensionskassenrente spricht hauptsächlich ein Argument: Man hat sie im Sack. Sie wird dem Pensionär zuverlässig Monat für Monat ausbezahlt. Bis zu seinem Tod. Dafür muss sie zu 100% als Einkommen versteuert werden und wird als Nominalwert von der Inflation ausgehöhlt. Innerhalb von 20 Jahren sinkt die Kaufkraft einer Rente sogar bei einer bescheidenen Teuerungsrate von 2% um glatt einen Drittel. Die wenigsten Pensionskassen bezahlen nämlich einen regelmässigen Teuerungsausgleich.

Schliesslich erhält im Todesfall der hinterbliebene Lebenspartner nur eine deutlich tiefere Rente, Nachkommen und weitere Angehörige meist überhaupt nichts. Der Extremfall: Stirbt ein Rentnerehepaar kurz nach der Pensionierung, bleibt das gesamte angesparte Guthaben in der Pensionskasse zurück.

Wer das Alterskapital hingegen teilweise oder ganz bezieht, muss dafür zunächst die Kapitalbezugssteuer bezahlen, einmalig, getrennt vom übrigen Einkommen und zu einem reduzierten Satz. Dieser fällt von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich aus. Je höher zudem das ausbezahlte Kapital, desto höher die prozentuale Steuerbelastung. Bei einem Kapitalbezug von 500 000 Fr. zahlen Verheiratete je nach Kanton zwischen 28 000 und 64 000 Fr. Steuern, bei einem Bezug von einer Million zwischen 59 000 und 161 000 Fr. Happige Unterschiede also, die den einen oder andern über einen Wohnortswechsel nachdenken lassen. Nicht nur nachdenken, sondern gleich handeln muss man, falls die Möglichkeit besteht, das Kapital gestaffelt zu beziehen. So lassen sich in den obigen Beispielen zwischen 5000 und 77 000 Fr. Steuern sparen.

Der versteuerte Betrag fällt dann vollständig ins Privatvermögen. Er kann nach Belieben vermehrt, verzehrt, verschenkt oder vererbt werden. Aber aufgepasst: Der Kapitalbezüger muss sich nun selber um die Verwaltung des Vorsorgevermögens kümmern. Doch wer sich dafür entscheidet, sein Pensionskassenkapital selber zu verwalten, muss keine wundersame Anlageleistung erbringen.

Kapitalbezug anmelden

Aus einem Kapital von einer halben Million nach Steuern lässt sich mittels Kapitalverzehr und einer Nettojahresrendite von bloss etwas mehr als einem Prozent während 20 Jahren ein Betrag von monatlich 2000 Fr. generieren. Das ist ähnlich viel wie bei einer PK-Rente. Soll das Kapital während 25 Jahren die gleiche jährliche Rentenleistung erbringen, bedarf es einer Nettorendite von etwas weniger als 4%. Eine Rendite also, die mit einer relativ risikoarmen langfristigen Anlagestrategie erreicht werden kann.

Im Falle eines Kapitalbezugs verlangen die Pensionskassen eine vorzeitige Anmeldung von bis zu drei Jahren. Angehende Pensionäre sollten also rechtzeitig abklären, welche Anmeldefrist für sie gilt. Sonst ist der Zug abgefahren. Wer sich für die Rente entscheidet, muss dagegen nichts unternehmen.