Wirtschaftsentwicklung von Vietnam und China im Blick
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Jüngste Wirtschaftsentwicklungen von Vietnam und China im Blick

Die Wirtschaftsentwicklung der beiden Nachbarn China und Vietnam könnte derzeit unterschiedlicher nicht sein. Vietnams Wirtschaft boomt, während sich China neuen Herausforderungen stellt. Was Anleger aus der Dynamik des Wirtschaftswachstums Asiens lernen können.

Wirtschaftswachstum in Asien am Bespiel von Vietnam und China

Börsen sind geprägt von wiederkehrenden Auf- und Abs. Exemplarisch spiegelt die Erfolgsgeschichte Vietnams, weshalb der Aufstieg Asiens ein zentrales Thema der heutigen Zeit bleibt. Vietnam steht erst am Beginn der Entfaltung seiner ökonomischen Möglichkeiten, doch die bisherigen sozioökonomischen Entwicklungen verdeutlichen das Potenzial seiner Wirtschaft. Im starken Kontrast dazu illustrieren Chinas jüngste Börsenverluste, wie das Land mit inneren und äusseren Konflikten ringt.

Vietnams Wirtschaft wächst stärker als diejenige ihrer Nachbarn

Mit ihrer durchschnittlichen Wirtschaftsleistung von umgerechnet 2’600 Schweizer Franken pro Jahr, ist Vietnam eine kleine Volkswirtschaft. Doch seit bereits 30 Jahren gehört das Land zu den fünf Volkswirtschaften weltweit, die am schnellsten wachsen. Die Rate übertrifft damit sogar klar diejenige der einkommensstärkeren Nachbarstaaten Malaysia, Thailand und Philippinen.

Vietnam weist ein ausserordentliches Wirtschaftswachstum auf

Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung asiatischer Länder

Letzter Datenpunkt: 2020
Quelle: Weltbank, The Economist

Wie Phönix aus der Asche hat sich Vietnam seit dem Ende des 20-jährigen Kriegstraumas aus extremer Armut befreit. Treiber dieses Wandels war unter anderem die Hoffnung auf ein besseres Leben: In der Turnschuh- und Textilindustrie herrschen schlechte Verhältnisse, was die Entwicklung von privatem Unternehmertum ankurbelte. Dass sich Vietnams Volkswirtschaft rasant entwickeln konnte, hat in erster Linie mit dem Boom ausländischer Investitionen zu tun.

Mittlerweile löste sich Vietnam vom alleinigen Fokus auf die Textilindustrie und setzte sich auch in den globalen Smartphone-Lieferketten als Weltmarktführer durch. Der Aussenhandel hat eine zentrale Bedeutung für das Land.

Vietnam strebt eine ambitionierte Wirtschaftsentwicklung an

So ermöglichten tiefe Löhne, ein dynamischer Privatsektor und die geografische Lage am südchinesischen Meer dieses Wachstum im Zusammenspiel mit der Bereitschaft zum Handel sowie der Offenheit für ausländische Direktinvestitionen. Letztere steigen jährlich – aber auch der Anspruch an hochwertige Produkte und Dienstleistungen wächst speziell im Industrie- und im Dienstleistungssektor. Damit nicht genug: Die Regierung sieht Vietnam im Jahr 2045 als «High-Income»-Land. Dieser ambitionierte Plan erfordert für die nächsten 24 Jahre ein jährliches Wirtschaftswachstum von mindestens 5 Prozent.

Zurzeit ist die Inflation tief, die Währung stabil, und die Staatsfinanzen gesund. Alle drei US-Rating-Agenturen – Moody’s, Fitch und S&P – haben 2021 den Ausblick ihres BB-Ratings für den Staat Vietnam auf «Positiv» erhöht. Auch die vietnamesische Börse scheint an das Potenzial der heimischen Wirtschaft zu glauben: Mit einem Plus von deutlich über 100 Prozent seit dem Tiefpunkt im März 2020 zählt sie zu den weltweit erfolgreichsten Börsen.

Innere und äussere Konflikte prägen Chinas Wirtschaftsentwicklung

Zum einen hat die Ein-Kind-Regel aus dem Jahr 1979 in naher Zukunft zufolge, dass ein wachsender Teil der chinesischen Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt austreten wird. Das resultiert in schrumpfenden Vorsorgeersparnissen und einem Leistungsbilanzdefizit. In Anbetracht dessen wird aus strategischen Gründen ein tiefer und breiter Kapitalmarkt angezielt. So überrascht es nicht, dass chinesische IPOs in den USA in den letzten Monaten abgestraft wurden.

Zum anderen sind Pekings Disziplinarmassnahmen für die Privatwirtschaft spürbar. Denn wie längst überfällig, haben die chinesischen Regulatoren dieses Jahr die Vorschriften zur Bilanztransparenz und Governance bei Börsengängen verschärft. Die Folge davon waren Verzögerungen bei mehr als drei Dutzend chinesischen IPOs.

Zusätzlich kam eine ganze Reihe von Unternehmen, mehrheitlich Technologiefirmen, ins Visier. Erneut werden dabei Motive des Anlegerschutzes mit solchen der Innen- und Sozialpolitik vermischt. Das und der überraschende Schutz von Daten und der Privatsphäre löst Skepsis bei den Anlegern aus. Es stellt sich die Frage, ob für Privatunternehmen strengere Massstäbe gelten als bei staatsnahen Unternehmen.

Nichtsdestotrotz sollten Anleger gemäss Credit Suisse in China investiert bleiben. Zwar mögen Chinas innere und äussere Konflikte von langfristiger Natur sein, die Wirtschaft entwickelt sich dennoch weiter. So verzeichnen zum Beispiel Unternehmen die an Chinas Klima-, Wasser- oder Energiewende teilhaben, seit Jahresbeginn teils spektakuläre Gewinne. Auch Chinas Währung und die Banken des Landes liefen dieses Jahr solide.

Was Anleger aus den jüngsten Wirtschaftsentwicklungen in Asien lernen können

1.    Grosse wirtschaftliche Entwicklungen kommen oft auf leisen Füssen daher.

2.    Die wirtschaftliche Entwicklung von Vietnam birgt viel Potenzial und noch ist die Börse des Landes eng und klein.

3.    China steht vor einer grossen Transformation: Sie möchten die Wirtschaft nachhaltiger gestalten und aus dem «Middle-Income» soll ein «High-Income»-Land werden.

4.    Vietnam sowie China werden weiterhin wachsen. Das Wachstum wird sich jedoch anders gestalten als in Vergangenheit

5.     Eine aktive und nachhaltige Anlagestrategie besonders in aufstrebenden, aber auch in weit entfernten Märkten ist passiven Anlagen in der Regel überlegen.

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