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Ist der Börsencrash eine gesunde Korrektur oder das Ende der Hausse?

Börsencrash und Anstieg der Volatilität: Was geschieht aktuell an den Finanzmärkten? Wohin werden sich die Aktienkurse bewegen? Erfahren Sie, was das Börsengewitter auslöste und weshalb die Korrektur kein Grund zur Panik ist.

Trotz guter Wirtschaftslage korrigieren derzeit die Aktienmärkte weltweit. Was sind die Gründe und wie geht es weiter? «Vieles spricht für eine Marktkorrektur, die gesund ist», sagt Burkhard Varnholt, CIO Schweiz und stellvertretender Global CIO der Credit Suisse zum jüngsten Börsengewitter. Die aktuellen Verluste seien kein Wendepunkt, sondern ausgelöst durch Panikverkäufe nachziehender Anleger.

Dennoch wird der Börsencrash Folgen haben: «Die Börsenstimmung dürfte sich bald ändern. Viele Anleger haben auf die Korrektur gewartet», so Burkhard Varnholt. Nun sei diese eingetroffen und biete eine gute Kaufgelegenheit. Die Volatilität werde in den nächsten Wochen entsprechend hoch bleiben. Auch im langfristigen Vergleich zeigt sich: Die jüngste Korrektur ist kein Grund zur Panik. Langfristig erzielen Aktien und Anleihen Rendite.
 

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Mehrrenditen von Aktien und Anleihen seit 2000 entschädigen Anleger für das Risiko von Börsengewittern

Quelle: Bridgewater Associates

Angst vor Inflation führte zu Börsencrash

Doch was war überhaupt der Grund für den Börsencrash? Burkhard Varnholt sieht die Ursache beim Anstieg der US-10-Jahres-Renditen von 1,6 auf über 2,8 Prozent. «Steigende Zinsen deuten auf ein leichtes Anziehen der Inflation hin – insbesondere in den USA.» Vor Inflation fürchten sich viele Anleger. Dass das Börsengewitter sich allerdings derart heftig entlud, ist dem gleichgerichteten Verkaufen vieler automatischer Handelsprogramme geschuldet. Diese wirkten quasi als Brandbeschleuniger.

Zwar ist Inflation für Anleihen eindeutig negativ, für Aktien aber durchaus positiv – zumindest in einem moderaten Ausmass. Sie würde zu einer Umschichtung von Anleihen in Aktien führen. Besonders institutionelle Anleger kämen unter Zugzwang. Eine moderate Inflation dürfte den Aktienkursen deshalb frischen Rückenwind verleihen.

Inflation dürfte moderat bleiben

Aber wie real ist die Inflationsgefahr? Strukturell spricht vieles gegen Inflation. Digitalisierung, Globalisierung, Produktivitätsgewinne, Arbeitsmarktreserven und das Fehlen inflationsindexierter Löhne sind nur einige Faktoren.

Zyklisch ist allerdings ein vereinzelter Inflationsdruck unübersehbar, besonders in den USA. Wahrscheinlich bleibt dieser temporär und korrigiert sich selbstständig. «Eine nachhaltige Überschreitung des geldpolitischen Inflationszielkorridors von ca. zwei Prozent scheint unwahrscheinlich», betont Burkhard Varnholt.

Man kann nicht vorhersagen, was eine Aktie tun wird ... kurzfristig. Aber man kann vorhersagen, dass Unternehmen sich im Laufe der Zeit gut entwickeln werden.

Warren Buffett

Parallelen zu Börsencrash 1987

Historische Vergleiche sind meist konstruiert. Dennoch weist die aktuelle Situation Parallelen zum Börsencrash von 1987 auf. Damals wie heute war die Weltwirtschaft stark, die Börsen hatten bereit einen langanhaltenden Aufschwung erlebt. Sorgen um Inflation, Dollarschwäche und das US-Handelsbilanzdefizit erhöhten die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen.

Wie aus heiterem Himmel fiel dann am «schwarzen Montag», dem 19. Oktober 1987 die amerikanische Leitbörse. Die weltweiten Börsen folgten lawinenartig. Automatische Handelsprogramme wirkten – ähnliche wie diese Woche – als Brandbeschleuniger.

Aktienkurse steigen langfristig trotz Börsencrash

«Im Rückblick wissen wir, dass dieser rasche Ausverkauf eine seltene Kaufgelegenheit für nervenstarke Investoren schuf», so Burkhard Varnholt. «Selbst wer damals nur die Nerven behielt nicht zu verkaufen, sah den Dow Jones Index bereits am Ende des Jahres 1987 höher als zu Beginn des Jahres.»

Das zeigt: Ein robuster Anlageprozess schafft nachhaltig mehr Wert, als kurzfristigen Trends hinterherzulaufen. Oder wie Warren Buffet es auf den Punkt gebracht hat: «Price is what you pay, value is what you get.»

Andere Situation als bei Börsencrash 2008

Dies zumal wir aktuell weit entfernt sind von einem Umfeld, wie es 2008 vorherrschte. Die Finanzkrise damals wurde ausgelöst durch eine schwache Konjunktur, die amerikanische Hypothekenkrise und eine globale Bankenkrise. Heute jedoch ist die Weltwirtschaft robust. Der globale Konsum erscheint weiterhin stabil. Aktienbewertungen sind im Vergleich zu Anleihen moderat und absolut gesehen sogar vielerorts günstiger als vor einem Jahr.

Daher wird die höhere Volatilität vor allem neue Anlagemöglichkeiten schaffen. Die Aktienkurse werden sich erholen, Anleger werden «Schnäppchen jagen» und sich sodann an das asiatische Sprichwort erinnern: «Wenn die Nacht am dunkelsten ist, liegt der Morgen am nächsten.»