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Investment Outlook: Welt folgt dem Straffungskurs der Fed

Die Inflation dürfte in den Industrieländern leicht ansteigen, während sie sich in den Schwellenmärkten stabil hält. Zusammen mit einer straffen Geldpolitik der Fed wirkt sich dies markant auf die Finanzmärkte aus. Das zeigt der Investment Outlook der Credit Suisse.

Inflation wird zum wichtigsten Treiber an den Finanzmärkten

Die Inflationsentwicklung in den wichtigen Volkswirtschaften, vor allem in den USA und der Eurozone, wird 2019 den wichtigsten Treiber der Finanzmärkte darstellen. Überraschend hohe Inflationsdaten sind für die Anleihen und Aktienmärkte ein grösseres Risiko als begrenzte Enttäuschungen beim Wirtschaftswachstum. Der Januar 2018 war ein gutes Beispiel: Die leicht über den Erwartungen liegende US-Lohninflation löste die grösste Korrektur der Aktienmärkte in diesem Jahr aus.

Die Kerninflation in den USA, der Eurozone und in mehreren anderen Industrieländern wird 2019 wahrscheinlich leicht anziehen, da sich die Kapazitätsengpässe verschärfen. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Arbeitslosenquoten in den USA und Europa bis Ende 2019 ihren 20-Jahres-Tiefs nähern. In Deutschland, Grossbritannien, der Schweiz, Kanada und Australien gibt es an den Arbeitsmärkten bereits Engpässe. Sogar die japanischen Löhne steigen mittlerweile, nachdem sie in den letzten zwei Jahrzehnten über weite Strecken gesunken sind. Sofern kein unvorhergesehener wirtschaftlicher Schock eintritt, nehmen die Engpässe an den Arbeitsmärkten zu und treiben die Löhne weiter nach oben.

Inflation dürfte weiter ansteigen 

Eine Inflation der Löhne bedeutet nicht unmittelbar eine Preisinflation. Die wichtigsten Treiber der Gesamtinflation sind andere Kosten, etwa der Zinsaufwand und die Inputkosten. Dies insbesondere bei Rohstoffen wie Öl. Sollte sich das Wachstum fortsetzen, steigt der Preis von Öl und anderen zyklischen Rohstoffen 2019 weiter. Auch die Zinskosten sollten leicht anziehen. Die Produktivitätskennzahlen in den USA und anderen Industrieländern dürften zwar steigen, was den Preisauftrieb aber nicht merklich dämpfen würde. Somit erscheint ein weiterer Inflationsanstieg wahrscheinlich.

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Inflation in den Industrieländern ist wieder auf Vorkrisenniveau

Konsumentenpreisinflation für zehn wichtige Industrieländer (Australien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada, Schweden, Schweiz, USA) und acht wichtige Schwellenländer (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Südafrika, Türkei)
Quartalsdaten, in %; Linie = Durchschnittswert, Schattierung = +/– eine Standardabweichung; Letzter Datenpunkt: 3.Q 2018

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Credit Suisse

Hohe Energiepreise treiben Inflation in Schwellenländern

Nach 2011 entwickelte sich die Inflation in den Schwellen- und Industrieländern unterschiedlich, weil das Wachstum in Ersteren robust blieb und in Letzteren nach der Eurokrise rückläufig war. In den Schwellenländern sank die Teuerungsrate dann infolge der niedrigeren Ölpreise und des schwächeren Wachstums in China.

In Zukunft könnte die Gesamtinflation in den Schwellenländern aufgrund höherer Energiepreise leicht anziehen, auch weil sich die Schwellenländerwährungen 2018 auf breiter Front abgeschwächt haben. Allerdings werden die Währungshüter der meisten Schwellenländer ihr Augenmerk auf eine Stabilisierung der Währung richten, was auch zu einer Stabilisierung der Inflation im Laufe des Jahres 2019 beitragen sollte.

Welt befindet sich in fortgeschrittenem Wirtschaftszyklus

Nannette Hechler-Fayd'herbe, Global Head of Investment Strategy & Research, spricht im Video über Inflation und gibt einen Outlook auf die Entwicklung der Finanzmärkte.

Industrie- und Schwellenländer folgen Straffungskurs der Fed

Ein anhaltendes Wachstum und eine leicht anziehende Inflation lassen in den meisten Industrie- und einigen Schwellenländern für 2019 eine geldpolitische Straffung erwarten. Für Ende 2019 ist mit einem Anstieg der Fed Funds Rate auf unter 3 Prozent zu rechnen. Das würde eine bis zwei weitere Zinserhöhungen im Jahr 2019 bedeuten, wodurch die reale Fed Funds Rate auf rund 1 Prozent steigen würde. Der «neutrale» Zinssatz wird nahe 3 Prozent geschätzt. Daher werden viele Marktteilnehmer Ende 2019 wahrscheinlich annehmen, dass die Straffung der US-Geldpolitik ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen voraussichtlich nicht vor Mitte 2019 anheben. Ihre Politik sollte daher entgegenkommend bleiben.

2018 mussten sich die Zentralbanken der Schwellenländer auf eine straffere Geldpolitik der Fed und einen stärkeren US-Dollar einstellen. Das Risiko besteht für sie darin, dass der US-Dollar weiter stark aufwerten könnte, während sich das globale Wachstum abschwächt. Das würde die geldpolitischen Entscheidungsträger vor eine sehr schwierige Aufgabe stellen. Selbst im viel günstigeren Fall eines soliden weltweiten Wachstums und Ausbleibens einer allgemeinen US-Dollar-Aufwertung werden die Leitzinsen der Schwellenländer eher steigen als fallen. Gut möglich, dass die meisten Leitzinssätze Ende 2019 rund um den Globus weit unter den Höchstwerten des vorherigen Zyklus liegen.

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Deutliche Straffung der Geldpolitik seit Anfang 2018

Anzahl der Zinserhöhungen respektive -senkungen der Zentralbanken weltweit in den letzten sechs Monaten, prozentualer Nettoanteil
Letzter Datenpunkt: Oktober 2018

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Credit Suisse