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Investment Outlook: Diese 3 Anlagethemen beschäftigen uns 2019

Jedes Jahr ermittelt die Credit Suisse im Investment Outlook die zentralen Anlagethemen. 2019 sind dies die Zinsnormalisierung, die regionalen wirtschaftlichen Unterschiede und neue geopolitische Regime.

1. Zinsnormalisierung schürt Angst vor Inflation

In der aktuellen fortgeschrittenen Zyklusphase, in der keine Rezession unmittelbar bevorsteht und die Zentralbanken die Zinsen weiter normalisieren, stellen sich die Anleger zwangsläufig die Frage, wie sie investieren sollen. Die Anlageexperten der Credit Suisse richten Portfolios weiterhin bevorzugt tendenziell auf Wachstum aus. Dies bedeutet einen Schwerpunkt auf Vermögenswerte, die in den fortgeschritteneren Phasen früherer Expansionen stets überdurchschnittlich abgeschnitten haben.

Es ist derzeit nicht damit zu rechnen, dass die Inflation ihre seit 25 Jahren bestehende Spanne verlassen wird, weshalb das Ausmass einer etwaigen Baisse bei Anleihen begrenzt sein sollte. Insbesondere Unternehmensanleihen sind in Anbetracht der derzeit niedrigen Renditeniveaus vergleichsweise unattraktiv.

Aktien und Rohstoffe tendieren zu einer Outperformance

Aktien dagegen neigen in der späteren Phase der Expansion zu einer deutlichen Rally. Dabei bleiben Small Caps hinter Large Caps zurück, während zyklische Werte fast immer besser abschneiden als defensive. Auch bei Rohstoffen und vor allem Gold ist durchweg eine Verteuerung zu beobachten.

Die aussergewöhnliche Markt-Hausse in diesem Zyklus spricht intuitiv für eine Reduzierung des Marktrisikos durch Diversifizierung in unkorrelierte Ertragsquellen. Darüber hinaus deuten die Straffung der Geldpolitik und die höheren Bewertungen darauf hin, dass die Erträge künftig niedriger ausfallen werden als in der Vergangenheit.

reale-rendite-und-erwartete-inflation

Wie weit steigen die realen Renditen noch?

Reale Rendite und Inflationserwartungen, abgeleitet von 10-jährigen US Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS), gleitender 12-Monats-Durchschnitt, in %
Quelle: Bloomberg, Credit Suisse; Letzter Datenpunkt: 30. Oktober 2018

2. Regionale Divergenzen in der Geldpolitik

Unterschiede bei der relativen Stärke der Arbeitsmärkte und beim Wirtschaftswachstum zwischen den Ländern haben die Geldpolitik beeinflusst. Zunehmende Zinsdifferenzen und starke Währungsbewegungen waren die Folge. Dadurch wurden Mittelflüsse in die USA und eine Aufwertung des US-Dollars ausgelöst, während gleichzeitig Schwächen in den Schwellenländern mit grossen Ungleichgewichten, wie Argentinien und der Türkei, offenbar wurden. Als Folge ist noch mehr Kapital in US-Vermögenswerte geflossen, wodurch die Schwellenmärkte in einen Teufelskreis geraten sind.

Auch zwischen den Schwellenländern bestehen erhebliche Unterschiede. Sollte der Investitionszyklus in den Industrieländern weiter Fahrt aufnehmen, treten diese Divergenzen noch stärker zutage, da Länder mit Überschüssen von deutlich steigenden Importen der Industrieländer profitieren dürften. Es ist wichtig, nach grossen Divergenzen zwischen Fundamentaldaten und Marktkursen Ausschau zu halten, um so attraktive Anlagemöglichkeiten ausfindig zu machen. Das bedeutet, dass es sinnvoll sein kann, sich in Ländern mit Leistungsbilanzdefiziten zu engagieren und sich aus solchen mit Leistungsbilanzüberschüssen zurückzuziehen.

Finanzmarktprognosen / Performance 2019

Aktien* YTD-Performance 2018 07. November 2018
Erwarteter Gesamtertrag 2019
US-Aktien 6.78% 5.50%
Eurozonenaktien –4.21% 4.00%
Schweizer Aktien 0.14% 4.80%

Britische Aktien

–4.04% 5.00%
Japanische Aktien –6.31% 1.50%
Schwellenländeraktien –7.04% 8.30%
 
Renditen 10-j. Staatsanleihen Letzter Schlussstand 07. November 2018 Prognose Ende 2019
USA 3.24% 3.30%
Deutschland 0.45% 1.00%
Schweiz 0.02% 0.50%

* Performance und erwartete Erträge stellen den Gesamtertrag inklusive Dividenden dar. Die Märkte beziehen sich auf regionale und Länderindizes von MSCI in Lokalwährung.
Hinweis: Historische Performanceangaben und Finanzmarktszenarien sind keine zuverlässigen Indikatoren für aktuelle oder zukünftige Ergebnisse.
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Credit Suisse

3. Globalisierung der Wirtschaft hat Auswirkungen auf die Geopolitik

In den letzten 40 Jahren haben die Globalisierung und der freie Handel, die Deregulierung und der Fokus auf die Reduzierung der Rolle des Staates in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Konstellation ermöglichte drei Jahrzehnte mit einem starken globalen Wachstum.

Bei allen Vorteilen blieben allerdings unbeabsichtigte Konsequenzen nicht aus: Boom- und Bust-Zyklen, eine deutliche Schwächung der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer sowie zunehmende Ungleichheit. Das Thema Immigration bietet desillusionierten Wählern eine Projektionsfläche für ihren Zorn. All dies hat zum Aufstieg des Populismus geführt, der wahrscheinlich weiter an Dynamik gewinnen wird.

Handel und Inflation als Risiken

Welche Auswirkungen hat dies auf die Märkte? Abgesehen vom Handel ist die Inflation der grösste Risikofaktor. Die Anleger befinden sich mittlerweile im Glauben, dass die Inflation und somit auch die Anleihenrenditen nicht wesentlich steigen können. In Verbindung mit einer hohen Verschuldung und einer nicht nachhaltigen Fiskalpolitik ergibt sich daraus ein wesentliches Risiko.

Käme dieses Risiko zum Tragen, so würde sich die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien umkehren, was die Diversifikation in den Portfolios verringern würde und realen Vermögenswerten zugutekäme. Sicherlich steht kein realer Inflationsschock unmittelbar bevor, und ein solcher würde wohl nur bei einer gravierenden wirtschaftlichen Verlangsamung eintreten. Es ist aber dennoch sinnvoll, günstigen Inflationsschutz zu erwerben, falls verfügbar.