Vorsorge für Angestellte
Artikel

In der Vorsorge gilt: Zuwarten ist keine gute Strategie

«Ab wann sollte man Geld für die Rente einzahlen?» «Wie kann man am besten Geld für die Rente sparen?» «Wie weit ist eine individuelle Vorsorge möglich?» Eine massgeschneiderte Pensionierungsplanung liefert die Antworten. Prof. Dr. Sabina Gallati vom Inselspital Bern liess sich vom Finanzplaner Davide Coppola beraten. Von ihren gegenseitigen Erfahrungen erzählen die beiden in diesem Interview.

Frau Gallati, wann haben Sie angefangen, sich bewusst mit Ihrer Vorsorge auseinanderzusetzen?

Grundsätzlich bin ich eine Person, die sich nicht gern mit Geld auseinandersetzt. Obwohl mein Vater und mein Bruder Wirtschafter sind, empfinde ich das Thema als langweilig. Es gab jedoch zwei Ereignisse, die mich an das Thema führten: zum einen die Scheidung meiner ersten Ehe. Ich musste damals die Hälfte meiner Pension an meinen Exmann auszahlen, was ein Loch in Sachen Vorsorge riss. Meine beiden Kinder, welche ich finanziert habe, waren damals noch in Ausbildung, was bei mir Existenzängste auslöste. Zum anderen ein sehr trauriges Ereignis, als der Partner meiner Tochter verstarb. Die beiden hatten nichts für die Situation Todesfall geregelt, und meine Tochter mahnte mich, dies zu tun. Als Folge habe ich einen Ehe- und Erbvertrag aufsetzen lassen.

Herr Coppola, sind es meist Ereignisse, welche die Auseinandersetzung mit Vorsorge anstossen?

Oft ja. In diesem Fall wurde vor der umfassenden Finanzplanung, trotz wenig Interesse am Thema Finanzen, durch die Ereignisse bereits einiges vorgespurt. Das ist insofern gefährlich, weil Vorsorge eine Einbahnstrasse ist und gewisse Dinge irgendwann mal aufgrund der gesetzlichen Regelungen nicht mehr verändert werden können. In unserem 3-Säulen-System hat jede Säule ihre Gesetze, die jedoch miteinander verknüpft sind, und das kann von einem Finanzplaner koordiniert werden. Ein anderes Beispiel sind die Steuern. Wer sich lange nicht um Vorsorge kümmert, kann steuerlich nicht mehr das Optimum herausholen.

Frau Gallati, wie haben Sie sich vor der professionellen Begleitung durch Davide Coppola in Bezug auf Ihre Vorsorge eingeschätzt?

Ich war der Meinung, dass ich mit dem Erbvertrag einigermassen gut aufgestellt bin und das Wichtigste geregelt ist. Ich wusste, dass es wahrscheinlich noch das eine oder andere an die Hand zu nehmen gilt, war mir aber nicht bewusst, wie umfassend und komplex die Materie Vorsorge ist. So hatte ich beispielsweise keinen Vorsorgeauftrag und auch keine Patientenverfügung. Mir hat es sehr geholfen, dass Herr Coppola das Thema Vorsorge ganzheitlich mit mir aufgearbeitet hat. Alles ist in meinem persönlichen Finanzplan abgebildet, und ich werde durch die Pensionierung professionell begleitet und gecoacht. So habe ich Sicherheit und kann ohne Sorgen in die Zukunft blicken.

Herr Coppola, was war oder ist bei der Kundin Sabina Gallati speziell zu beachten?

Die Kundin befindet sich in einem Angestelltenverhältnis und ist in zweiter Ehe verheiratet, wobei beide Ehepartner aus erster Ehe je zwei Kinder haben. Das macht zum einen die Regelungen im Todesfall, also wer was erbt, und zum anderen die Verfügungen in Bezug auf die 2. Säule, also die Pensionskasse, zentral. Bei Frau Gallati ist, wie bei vielen im Angestelltenverhältnis, der grösste Teil der Vorsorge in der Pensionskasse. Optimierungspotenzial im Bereich der Steuern muss eruiert werden, um so die Steuerlast nachhaltig zu reduzieren. Steuern sparen heisst auch Steuern planen: Erst wenn verschiedene Bereiche und Massnahmen zeitlich aufeinander abgestimmt werden, ist die Steuereinsparung optimal.

Steuern sparen heisst auch Steuern planen!

Davide Coppola 

Frau Gallati, der grösste Teil Ihrer Vorsorge ist in der Pensionskasse, und in wiederkehrenden Wellen vernehmen wir, dass es den Pensionskassen schlecht geht. Was löst das bei Ihnen aus?

Eher ein ungutes Gefühl. Früher dachte ich, mein Geld sei in der Pensionskasse sicher. Nun kommen immer wieder die Schlagzeilen zu Unterdeckungen, zu Anpassungen bei Umwandlungssätzen etc. Das hat mich natürlich beschäftigt. Umso mehr, weil ich keine Fachfrau auf dem Gebiet Finanzen bin, war ich sehr dankbar, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, die mir wieder ein gutes Gefühl gibt.

Herr Coppola, was ist Ihr Rat: Pensionskassengelder rausnehmen oder nicht?

Grundsätzlich gibt es nicht die eine Lösung. Das ist stets sehr individuell. Ob bei der Pensionierung die Rente, das Kapital oder ein Teil des Kapitals aus der Pensionskasse bezogen werden soll, ist eine der häufigsten und wichtigsten Fragen bei der finanziellen Vorbereitung der Pensionierung. Der Entscheid ist von grosser Bedeutung: Die beiden Bezugsformen unterscheiden sich grundlegend und das Vermögen in der 2. Säule ist für viele Rentner die wichtigste Einnahmequelle im Alter. Kommt hinzu, dass der einmal gefällte Entscheid nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Als Grundlage für eine solche Entscheidung dient ein Finanzplan, in dem eine individuelle und umfassende Analyse gemacht wird mit Einbezug der Steuern und des Erbrechts.

Frau Gallati, was beschäftigt Sie heute in Sachen Vorsorge?

Ich überlege mir derzeit, ob ich unseren Kindern einen Teil an Vorerbe geben soll. Heute können sie die finanziellen Mittel brauchen, und auch Davide Coppola unterstützt, dass es schöner ist, den Kindern mit warmen Händen zu geben. Natürlich gilt es nun aber abzuwägen, wie hoch dieser Teil sein soll, damit ich im Alter noch ausreichend versorgt bin. So tue ich mich derzeit sehr schwer mit der Erstellung meines Budgets. Für die Gesamtfinanzplanung und gerade für die Vorsorge muss ich ein Budget meiner Einnahmen und Ausgaben erstellen. Das klingt zunächst einfach, wenn man sich dann aber hinsetzt und versucht, vor allem die Ausgaben genau zu notieren, ist das einiges schwieriger, als man denkt. Zum Glück wurde mir aber von Herrn Coppola bestätigt, dass selbst die Finanzplaner Mühe haben, ein akkurates Budget für sich zu erstellen.

Herr Coppola, was ist der grösste Fehler in Bezug auf Vorsorge?

Frühzeitige Abklärungen lohnen sich, weil gewisse Massnahmen bereits fünf bis zehn Jahre vor der Pensionierung in die Wege geleitet werden müssen. Nicht selten beschäftigen sich Arbeitnehmer erst ein halbes Jahr vor der Pensionierung erstmals mit dem Thema. Eine zu späte Planung hat finanzielle Auswirkungen, weil viele Optimierungsmöglichkeiten bereits frühzeitig eingeleitet werden müssen. Ein strukturiertes Vorgehen ist wichtig. Ereignisse und Entscheidungen sollten nach ihrer Wichtigkeit geordnet und beurteilt werden.