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Verschuldung steigt nicht mehr so stark wie zuletzt

Die Schweiz hat weltweit eine der höchsten Verschuldungsquoten von Privaten. Und sie nimmt stetig zu. Erfahren Sie, weshalb hohe Hypothekarschulden für ein Land problematisch sind und wohin der Trend in den nächsten Jahren gehen dürfte.

Verschuldung in der Schweiz ist besorgniserregend

Die Schweiz belegt bezüglich Verschuldung der Haushalte regelmässig den Spitzenplatz – zusammen mit Schweden, Norwegen, Kanada und Australien. Kein rühmlicher Verdienst. Denn er besagt, dass in kaum einem anderen Land die Bruttoverschuldung der Haushalte relativ zum Bruttoinlandprodukt (BIP) höher ist. Detaillierter betrachtet zeigt sich, dass in allen fünf Ländern die Hypothekarschulden mit einem Anteil von 75 bis 97 Prozent dafür verantwortlich sind.

Die hohe Verschuldung ist ein Grund zur Sorge. Sie macht eine Volkswirtschaft verletzlich für Verwerfungen an den Finanzmärkten wie beispielsweise Stress im Bankensystem oder ein starker Konsumeinbruch. Internationale Analysen zeigen: Oft folgen auf lange Phasen ungewöhnlich starker Kreditvergabe durch Banken grössere Krisen. Eine solche erlebte die Schweiz in den 90er-Jahren in Form einer Immobilien- und Bankenkrise.

Schulden machen lohnt sich in der Schweiz

Kredite sind ein zweischneidiges Schwert. Sie kurbeln die Wirtschaft an. Ab einem gewissen Verschuldungsgrad kippt der Vorteil aber ins Gegenteil. Mit einem Total von 146 Prozent des BIP hat die Hypothekarverschuldung in der Schweiz diese Schwelle bereits deutlich überschritten.

Dabei hat das starke Wachstum der Hypothekarverschuldung mit schweizerischen Eigenheiten zu tun: hohe Immobilienpreise, ein Steuersystem, das Anreize zur Verschuldung schafft, aber auch die grosse Bedeutung des Mietwohnungsmarkts, der zur Hälfte im Besitz von Privatpersonen ist.

Unsere Einschätzung zur Verschuldung in der Schweiz

Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse bei der Credit Suisse, über die Wirkung der Regulierungsmassnahmen und das aktuelle Wachstum der Verschuldungsquote

Wachstum der Hypothekarschulden hat sich beruhigt

Die Politik hat das Problem erkannt. Als der Markt für Wohneigentum zwischen 2010 und 2012 zu überhitzen drohte, verschärfte sie die Regulierung der kreditgebenden Banken. Letztere führten wiederum strengere Regeln bei der Kreditvergabe ein, sodass künftige Eigenheimbesitzer heute mehr Eigenmittel vorlegen und den Kredit schneller amortisieren müssen. Seither hat sich das jährliche Wachstum des Hypothekarvolumens von über 5 Prozent Anfang 2012 auf 2,57 Prozent per Ende 2017 halbiert und liegt damit weit unter dem langjährigen Mittel von 5,36 Prozent.

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Schwaches Wachstum des Hypothekarvolumens

Nominales Wachstum des Hypothekarvolumens von Privathaushalten
Quelle: Schweizerische Nationalbank, Credit Suisse

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

1 Billion Schweizer Franken Hypothekarschulden

Ende 2018 dürfte das Hypothekarvolumen in der Schweiz trotzdem die Marke von 1 Billion Schweizer Franken überschreiten. Darin eingerechnet sind neben den Hypothekarschulden von Privaten auch jene von Firmen, die allerdings nur ein Viertel aller ausstehenden Hypotheken ausmachen.

Nicht nur das Volumen ist besorgniserregend. Bedenklich ist auch, dass die Hypothekarverschuldung in der Schweiz gemessen am BIP seit 1975 stetig gewachsen ist. Seither ist die Verschuldungsquote von 47 auf 146 Prozent gestiegen. Ein Lichtblick dagegen ist das Trendwachstum. So liegt das Wachstum der Hypothekarschulden sowohl nominal aus auch real deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt.

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Hypothekarwachstum weit unter Trendwachstum

Reales Wachstum des Hypothekarvolumens (Private und Firmen) sowie Verschuldungsquote in % des BIP
Quelle: Credit Suisse, Schweizerische Nationalbank

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Verschuldungsquote steigt nur noch unterdurchschnittlich

Ob die hohe Verschuldungsquote zum Problem wird oder nicht, ist ungewiss. Im Unterschied zu anderen Ländern mit hoher Haushaltsverschuldung setzen Schweizer Hypothekarschuldner gerne auf Festhypotheken. So treffen sie Zinsrisiken weniger unmittelbar.

Zudem muss die Verschuldung in Relation zum BIP-Wachstum betrachtet werden. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung hat die Verschuldungsquote in den letzten Jahren stärker ansteigen lassen. Letztes Jahr konnte der Trend jedoch gebrochen werden. Die gute Konjunktur in Kombination mit steigenden Zinsen dürfte den Anstieg der Verschuldungsquote weiter bremsen.

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