Tiefe Zinsen: Was Privatanleger von Pensionskassen lernen können

Das Tiefzinsumfeld macht es Privatanlegern nicht einfach, ihr Geld rentabel anzulegen. Mögliche Anlagestrategien könnten sie sich jedoch von den Pensionskassen abschauen.

Sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger stellt das anhaltende Tiefzinsumfeld eine Herausforderung dar. Viele Schweizer Pensionskassen haben in Reaktion darauf ihre Anlagestrategie angepasst. Der Anteil von Obligationen in den Portfolios wurde zugunsten von Aktien, Immobilien und alternativen Anlagen reduziert.

Geld anlegen nur mit risikoarmen Produkten ist kaum noch rentabel

Im Rahmen ihrer neuen Pensionskassenstudie befragte die Credit Suisse Ende 2016 knapp 200 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen zu ihren grössten Herausforderungen. 93% der Umfrageteilnehmer sehen das anhaltende Tiefzinsumfeld als eines der drei wichtigsten Probleme der beruflichen Vorsorge an, mehr als die Hälfte bezeichneten es sogar als ihre grösste Herausforderung.

In einem Kontext, in dem risikoarme Finanzinstrumente wie Geldmarktanlagen oder Bundesobligationen inzwischen kaum oder gar negative nominale Renditen abwerfen, wurde es für Pensionskassen zunehmend schwierig, die zur nachhaltigen Finanzierung ihrer Leistungen nötigen Erträge ohne Inkaufnahme höherer Anlagerisiken zu erwirtschaften.

Aktien, Immobilien und alternative Anlagen gewinnen an Bedeutung

Entsprechend hat sich die Zusammensetzung des Anlagevermögens der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen in den letzten Jahren merklich verändert (vgl. Abb. 1). Obligationen stellten 2016 zwar nach wie vor die wichtigste Anlageklasse dar. Ihr Anteil war mit geschätzten 31% aber so tief wie zuletzt im Jahr 2000. Umgekehrt erreichte der durchschnittliche Anteil an Aktien in den Pensionskassenportfolios letztes Jahr mit 30% seinen Höchstwert seit der Jahrtausendwende. Allokationen bei Immobilien (19%) und alternativen Anlagen (9%) stiegen währenddessen auf Rekordwerte.

Gemäss dem Pensionskassen-Index der Credit Suisse setzte sich die Gewichtsverlagerung weg von Obligationen hin zu Aktien und Immobilien im ersten Quartal 2017 fort. Die beobachteten Verschiebungen in der Anlagestruktur lassen sich zwar zum Teil mit Kursentwicklungen an den Finanzmärkten erklären, eine wichtige Rolle spielten aber vor allem auch aktive strategische Entscheide der Pensionskassen.

Pensionskassen setzen bei ihrer Anlagestrategie weniger auf Obligationen

Anteil der Anlageklassen in % der Gesamtbilanz von Schweizer Pensionskassen (ohne Aktiven aus Versicherungsverträgen), 2016; Veränderung des Anteils zwischen 2011 und 2016 in Prozentpunkten.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Pensionskassen legen im Tiefzinsumfeld Geld vermehrt im Ausland an

60% der befragten Einrichtungen haben in Reaktion auf das Tiefzinsumfeld Massnahmen auf der Anlageseite implementiert. Besonders viele Kassen erhöhten dabei den Anteil ausländischer Aktien (vgl. Abb. 2). Auch bei den Immobilien ist eine gewisse Diversifikation in ausländische Anlagen ersichtlich, wobei bei dieser Anlageklasse die Übergewichtung des Heimmarktes (der sogenannte Home Bias) weiterhin stark ausgeprägt bleibt.

Den Anteil an Schweizer Immobilien erhöhten die Pensionskassen vor allem mittels indirekter Anlagen. Innerhalb der alternativen Anlagen wurden insbesondere die Subkategorien Infrastruktur, Insurance Linked Securities, Private Equity und Senior Loans entweder neu eingeführt oder ausgebaut. Festzustellen ist jedoch, dass alternative Anlagen bei sehr vielen Pensionskassen nach wie vor kein Bestandteil der Anlagestrategie sind.

Renditedruck veranlasst Schweizer Pensionskassen das Geld anders anzulegen

Anteil der Vorsorgeeinrichtungen in %; nur Vorsorgeeinrichtungen, die aufgrund des Tiefzinsumfelds die Gewichte der Anlageklassen in ihrer Anlagestrategie verändert haben.
Quelle: Credit Suisse Pensionskassenumfrage 2016

Privatanleger können mit Fonds und ETFs den Anlagestrategien folgen...

Nicht nur für Pensionskassen, sondern auch für Privatanleger stellen die tiefen Zinsen eine Herausforderung dar. Aber inwiefern können Letztere aus dem Investitionsverhalten der Ersteren etwas lernen? Denn bekanntlich unterscheiden sich private Anleger in mehrerer Hinsicht von institutionellen Investoren wie Vorsorgeeinrichtungen.

So steht institutionellen Anlegern allein aufgrund der Höhe des verwalteten Vermögens – die durchschnittliche Schweizer Pensionskasse wies 2015 eine Bilanzsumme von rund CHF 440 Mio. auf – eine grössere Auswahl an Anlageinstrumenten zur Verfügung. Mit der Grösse gehen in der Regel auch Kostenvorteile einher. Über Fonds und ETFs haben dennoch auch Privatanleger die Möglichkeit, bereits mit kleinen Beträgen ihr Portfolio zu diversifizieren und in potenziell renditeträchtigere, für sie aber sonst schwer zugängliche Anlageklassen indirekt zu investieren.

Andersrum unterliegen Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im Gegensatz zu Privatinvestoren gesetzlichen Anlagerichtlinien, die unter anderem für gewisse Anlageklassen Höchstanteile vorsehen und somit die Investitionsmöglichkeiten einschränken. So darf bei Pensionskassen der Aktienanteil bei maximal 50% liegen; für Immobilien beträgt die Limite 30% und für alternative Anlagen 15%. Zwar dürfen diese Obergrenzen in begründeten Fällen überschritten werden, bisher machte aber nur eine Minderheit der Kassen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

... sowie in stark diversifizierte und alternative Anlagen investieren

Allen Unterschieden zum Trotz gibt es dennoch Investitionsgrundsätze, die sowohl für institutionelle als auch für private Anleger gelten. So geht es bei der Suche nach Renditequellen im aktuellen Tiefzinsumfeld – das trotz gradueller Normalisierung der globalen Geldpolitik noch eine Weile andauern dürfte – nicht nur um die Frage, ob Aktien zulasten von Obligationen weiter aufgebaut werden sollen. Vielmehr gilt es auch innerhalb jeder Anlagekategorie nach attraktiveren Möglichkeiten zu suchen.

Bei den Obligationen bedeutet dies zum Beispiel, Anlagen in tieferen Kreditqualitäten (z.B. Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen aus Schwellenländern) ebenfalls in Betracht zu ziehen. Bei Aktien bietet sich neben der Diversifikation nach Ländern auch eine Diversifikation nach Sektoren und Marktkapitalisierung an. Zudem sollte eine Diversifikation und Erweiterung des Anlagespektrums mittels alternativer Anlagen in jedem Fall ernsthaft geprüft werden.