Niedrigere Löhne und Teilzeitarbeit hindern Frauen am Einzahlen in die Säule 3a
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Frauen würden mehr in die Säule 3a einzahlen – wenn sie könnten

Geringeres Einkommen und mehr Teilzeitbeschäftigung sind die Hauptursachen, weshalb Frauen seltener in die Säule 3a einzahlen als Männer. Eine aktuelle Studie der Credit Suisse zeigt: Unter gleichen Bedingungen würden Frauen leicht mehr in ihre private Vorsorge investieren als Männer.

Nur rund jede zweite erwerbstätige Frau in der Schweiz investiert regelmässig in die dritte Säule. Mit 58 % zahlen Männer deutlich öfter in die gebundene Vorsorge ein (Stand 2015). Die Ökonomen der Credit Suisse sind den Ursachen für dieses unterschiedliche Einzahlungsverhalten nachgegangen. Berücksichtigt wurden neben dem Geschlecht unter anderem Alter, Einkommen und Familiensituation. Das Ergebnis ihrer aktuellen Studie: Unter sonst gleichen Bedingungen – zum Beispiel gleiches Alter, gleiches Einkommensniveau und ähnliche Familiensituation – zahlen Frauen etwas häufiger in die Säule 3a ein als Männer.

Weniger Einkommen, weniger Vorsorge

Der entscheidende Faktor für die regelmässigen 3a-Einzahlungen ist das Gehalt. So ergab die Studie, dass die Chance, in die dritte Säule einzuzahlen, bei den einkommensstärksten Personen über siebenmal höher ist als bei Erwerbstätigen mit dem tiefsten Einkommen. Auch die Höhe der Beiträge nimmt mit dem Einkommen zu. Das bringt insbesondere Frauen in eine prekäre Situation. Denn: Aufgrund von Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsunterbrüchen  stehen ihnen häufig weniger finanzielle Mittel für die private Altersvorsorge zur Verfügung als Männern. 

Paare und Eltern zahlen regelmässiger in die Säule 3a ein als kinderlose Singles

Das Einzahlungsverhalten bei der dritten Säule hängt häufig von der persönlichen Lebens- und Familiensituation ab. Um diesen Zusammenhang näher zu beleuchten, versuchten die Autoren der Studie, typische Profile von erwerbstätigen Frauen – also jenen, die grundsätzlich in die dritte Säule einzahlen können – zu identifizieren. Gemäss dieser Analyse lassen sich die erwerbstätigen Schweizerinnen  grob in acht Gruppen einteilen, die sich wiederum in vier Hauptgruppen zusammenfassen lassen. Es wird das 3a-Einzahlungsverhalten von jungen, ledigen Frauen, von alleinstehenden (meist alleinerziehenden) Frauenvon Familienfrauen sowie von Frauen in Doppelverdienerpaaren ohne Kinder  verglichen. Dabei zeigt sich, dass Personen in einer Partnerschaft und/oder mit Kindern oft regelmässiger in die dritte Säule einzahlen als kinderlose SinglesMütter in Doppelverdienerhaushalten  investieren meistens häufiger in die private Vorsorge als Doppelverdienerinnen ohne Kinder – dies trotz tendenziell tieferem Beschäftigungsgrad und Einkommen. Familien zahlen zwar regelmässiger in die Säule 3a ein, die jährlichen Durchschnittsbeiträge fallen aber bei Alleinerziehenden und Einverdienerpaaren mit Kindern rund CHF 900 bis 1000 tiefer aus als bei Alleinstehenden ohne Kinder. 

Allen voran junge Frauen und DINKS könnten mehr für ihre Altersvorsorge tun

Junge, ledige Frauen  machen über ein Drittel der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz aus. Trotz eines relativ hohen Durchschnittseinkommens von – je nach Gruppe – CHF 51'000 bzw. CHF 76'000 zahlen nur rund 33 % bzw. 45 % dieser Frauen regelmässig in die private Vorsorge ein. 
Auch Frauen aus Doppelverdienerpaaren ohne Kinder, sogenannte DINKS («double income no kids»), hätten in vielen Fällen gute finanzielle Voraussetzungen, für ihr Alter vorzusorgen. Dennoch zahlen nur rund 60 % regelmässig in die dritte Säule ein. 

Erwerbstätigkeit beeinflusst Vorsorgeaufbau markant

Die Lebenssituation und das Einkommen von Frauen beeinflussen nicht nur die dritte Säule. Auch AHV- und BVG-Rente hängen massgeblich davon ab. Welche gravierenden Folgen ein Erwerbsunterbruch und eine Teilzeitbeschäftigung auf die Entwicklung des Alterskapitals haben, zeigen folgende beiden Szenarien:

Entwicklung Säule 3a und Pensionskassenvermögen ohne Erwerbsunterbruch

Szenario A: Vermögensentwicklung ohne Erwerbsunterbruch

Vermögensentwicklung in der 2. und 3. Säule bei einer Lohnentwicklung von CHF 70’000 bis 100'000, jährliche Einzahlung von CHF 6'826 in die Säule 3a, Durchschnittszins/Rendite von 2 % p.a.

Quelle: Credit Suisse, 2019

Macht zum Beispiel eine 30-jährige, weibliche Lehrperson mit einer Lohnentwicklung im Karriereverlauf von CHF 70'000 bis 100'000 eine 6-jährige Familienpause und arbeitet anschliessend während 8 Jahren im 60%-Pensum, schmälert dies ihr Altersguthaben markant. Das in der Pensionskasse angesparte Vermögen reduziert sich um rund CHF 95'000, dasjenige in der Säule 3a um rund CHF 80'000 gegenüber dem Szenario ohne Erwerbsunterbruch. Dies unter der Voraussetzung, dass in allen Jahren der Erwerbstätigkeit jeweils der aktuelle 3a-Maximalbetrag einbezahlt wurde. 

Auswirkungen von Erwerbsunterbruch und Teilzeitarbeit auf Säule 3a und Pensionskasse

Szenario B: Erwerbspause und Teilzeitarbeit bremsen Aufbau des Altersguthabens markant

Vermögensentwicklung in der 2. und 3. Säule bei einer Lohnentwicklung von CHF 70’000 bis 100'000, 6-jährige Erwerbspause gefolgt von 8-jähriger 60%-Tätigkeit, jährliche Einzahlung von CHF 6'826 in die Säule 3a (ausser während Erwerbsunterbruch), Durchschnittszins/Rendite von 2 % p.a. Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Quelle: Credit Suisse, 2019

Je geringer das Einkommen, desto grösser die Einbusse beim Alterseinkommen

Eine Erwerbspause sowie ein mehrjähriges 60%-Pensum reduzieren das Alterseinkommen aus 1. und 2. Säule je nach Gehalt um 11 bis 14 %. Dabei gilt: Je geringer das Einkommen, desto grösser die Differenz. 

Erwerbspause und Teilzeitpensum reduzieren Alterseinkommen

Erwerbspause und Teilzeitpensum reduzieren Alterseinkommen

Eine 6-jährige Erwerbspause gefolgt von 8-jähriger 60%-Tätigkeit  wirkt sich je nach Erwerbseinkommen unterschiedlich auf das Alterseinkommen aus: Während sich die Renten aus 1. und 2. Säule einer Verkaufs- und einer Lehrkraft um je 14 % reduzieren, sinken sie bei der besser verdienenden Juristin nur um 11 %.

Quelle: Credit Suisse, 2019

Private Vorsorge kann helfen, Sparlücken zu kompensieren

Die Studie zeigt: Familienfrauen sind sich der Bedeutung der Altersvorsorge durchaus bewusst. Sie haben verstanden, dass private Vorsorge immer wichtiger wird. Erwerbspausen und Teilzeitpensen reduzieren jedoch oft ihre Möglichkeiten, ein ausreichendes Altersguthaben aufzubauen. Selbst wenn die Maximalbeträge in die Säule 3a eingezahlt wurden, vergrössern sich aufgrund der Familiensituation die Vorsorgelücken also die Differenz zu den als Rentenrichtwert geltenden 80 % des letzten Einkommens. 

Anders bei jungen, kinderlosen Frauen: Sie hätten in vielen Fällen vermutlich die finanziellen Mittel, zumindest eine kleinere regelmässige Einzahlung in die private Vorsorge zu leisten und könnten – angesichts des langfristigen Anlagehorizonts – sowohl vom Zinseszinseffekt als auch insbesondere von Wertschriftenlösungen  profitieren. Wertschriften sind aufgrund der niedrigen Zinsen ebenso für alle anderen Gruppen eine interessante Option, um die Renditechancen zu erhöhen. Auch den gut situierten DINKS und Frauen, die selbstständig in einer Personengesellschaft organisiert sind, wäre es möglich, durch konsequenteres 3a-Sparen etwaige Vorsorgelücken in der 2. Säule zu schliessen und darüber hinaus noch Steuern zu sparen

 

Studie: «Mind the Gap: Teilzeit, Auszeit, Vorsorgelücke»

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