Finanzmärkte: Investoren dürfen auf eine Erholung der Börse hoffen
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Erholung für Finanzmärkte? Acht gute Gründe. 

Das Coronavirus hat weltweit die Börsen infiziert und einen beispiellosen Finanzmarkt-Tsunami ausgelöst. Wer jetzt Stehvermögen beweist, wird aber morgen profitieren. Was für eine Erholung spricht und wie Investoren diese nutzen.

Börsen-Tsunami: Warum die Krise so komplex ist


Was gegenwärtig an den Finanzmärkten passiert, ist präzedenzlos. Es ist kein normaler Crash, es ist ein Tsunami der Angst. Anleger fragen sich natürlich: Wie tief fallen die Börsen noch? Und: Wann und in welcher Form darf man auf eine Erholung hoffen? In der aktuell unübersichtlichen Situation sind punktuelle Prognosen unsinnig.

Wie lange der wirtschaftliche Schock andauert und wie rasch sich die Wirtschaft erholen kann, wird stark vom Erfolg der fiskalischen Unterstützung für Unternehmen mit Liquiditätsengpässen abhängen. Laut Marktkonsens könnte das Wachstum im zweiten Quartal durchschnittlich um 4 bis 6 Prozent (p.a.) schrumpfen. Aufs Jahr geblickt dürften die Unternehmensgewinne durchaus um 15 bis 20 Prozent zurück gehen. Doch zwischen Durchschnitt und Einzelfall werden für manche Unternehmen Welten liegen. Deshalb wird Diversifikation auch in der Erholungsphase unabdingbar bleiben. Im Idealfall dürfen Anleger ab Sommer mit einer Erholung rechnen. Auf der positiven Seite ist es ebenfalls plausibel, dass die Restrukturierungsmassnahmen, die Unternehmen heute aufgrund des Schocks treffen, die Produktivität im Jahr 2021 stärken werden.

Zuversicht: Was für eine baldige Erholung der Finanzmärkte spricht

Anleger sollten trotz des aktuellen Börsen-Tsunamis nicht vergessen, dass es durchaus auch gute Gründe für eine Erholung der Konjunktur im Sommer gibt – sofern wir die Pandemie tatsächlich überwinden können:

1. Trotz des Börsenabsturzes ist der Finanzsektor heute weiterhin ein Anker der Stabilität – und wird bei der Überwindung der Rezession wahrscheinlich ein Teil der Lösung, nicht des Problems darstellen. Banken verfügen über rekordhohes Kapital und über viel Liquidität. Zudem haben sie ihre direkten Marktrisiken seit 2008 massiv reduziert und Kreditsicherheiten verbessert.

2. Die Geldpolitik besitzt, entgegen mancher Vermutung, auch in Zeiten von Negativzinsen ausreichend «Munition». Verglichen mit der Grösse ihrer Volkswirtschaft entsprechen die Bilanzen der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) maximal einem Drittel der relativen Bilanzgrösse der Schweizer Notenbank. Schon das zeigt, weshalb die Fed und die EZB noch über viel, theoretisch fast unbegrenzte Ressourcen verfügen. Auch, um als «ultima ratio» durch Käufe von Anleihen oder Aktien die Spirale der Angst zu durchbrechen.

3. Wir sehen, dass die aktuelle Fiskalpolitik bereit und gewillt ist, mit ihren Zentralbanken im Tandem zu fahren. So kann man die jüngste Ankündigung eines «Pandemie-Anleihenkaufprogramms» der EZB deuten, die bei Staaten und Unternehmen indirekt Anreize zur Emission von «Pandemie-Anleihen» setzen könnte.

4. In allen EU- Hauptstädten wird über staatliche Lohnfortzahlungen, Kreditgarantien für KMUs, Infrastrukturmassnahmen im Gesundheitswesen und der digitalen Wirtschaft bis hin zu «Helikoptergeld» diskutiert. «Whatever it takes»-Fiskalpakete sind überall in Vorbereitung.

5. Weil Privathaushalte vor der Krise in gesunder wirtschaftlicher Verfassung waren, könnte sich der private Konsum im Prinzip rasch erholen, wenn der Notstand aufgehoben und das Leben wieder normaler wird.

6. Der Fiskalpolitik sind nur politische, aber keine finanziellen Grenzen gesetzt. Aktuell können sich (fast) alle westlichen Staaten so gut wie gratis refinanzieren. Es ist plausibel, dass in Krisen wie dieser jeder Staat seine fiskalpolitischen Regeln zumindest temporär anpasst, um den Notstand zu überwinden.

7. Ein natürlicher Boden für Crashs wird durch extreme Unterbewertungen geschaffen. Mittlerweile sind die meisten Leitindizes in drei Wochen mehr als 25 Prozent unter ihren Höchstwert gefallen. Schon heute handeln viele Unternehmen deutlich unter dem Wert ihrer Anlagen. Value-Investoren mit Liquidität erhalten in diesem Ausverkauf eine reiche Auswahl. Sie werden früher oder später einen Boden schaffen.

8. An den Anleihenmärkten sind die langfristigen Zinsen laut Bloomberg in den letzten Tagen wieder von –1 Prozent auf –0.4 Prozent gestiegen. Denn die Ankündigungen riesiger Fiskalpakete erhöhen sofort die langfristigen Renditen.

Am Ende wird alles gut – auch an der Börse

Vergleicht man schliesslich alle grossen Crashs der Geschichte – 2008, 2001, 1987, 1974, 1949, 1929 – dann erkennt man fast ausnahmslos deutliche Erholungen in den folgenden sechs bis zwölf Monaten. Wer die Geschichte von Börsencrashs studiert, wird an Oscar Wildes Bonmot erinnert: «Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.»

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