Abschaffung Eigenmietwert: Eigenmietwert abschaffen ist umstritten.
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Eigenmietwert abschaffen. Wann und wie das gelingen könnte.

Parlamentarier möchten den Eigenmietwert abschaffen, doch gibt es viel Gegenwind. Erfahren Sie, wann frühestens mit einer Abschaffung des Eigenmietwerts gerechnet werden darf, wie realistisch ein Systemwechsel ist und welche Hürden es zu überwinden gilt.

Parlamentarische Initiative zur Abschaffung des Eigenmietwerts

Die Abschaffung des Eigenmietwerts wird rege diskutiert. Die Wirtschaftskommission des Ständerats startete 2017 eine parlamentarische Initiative und erarbeitete eine entsprechende Vorlage. 2019 erfolgte die Vernehmlassung. Im Anschluss wurde der Bundesrat um eine Empfehlung gebeten, dieser spielte den Ball aber wieder zurück an die Kommission. Noch ist daher unklar, ob und wann das fiktive Einkommen frühestens abgeschafft werden könnte. Das Seilziehen um die Abschaffung des Eigenmietwerts kann noch Monate bis Jahre dauern.

Zeitplan Abschaffung Eigenmietwert

Mögliche Abschaffung dauert deutlich länger als anfangs vermutet.

Einschätzung aufgrund verfügbarer Informationen

Quelle: Credit Suisse; letzter Datenpunkt: 02/2020

Abschaffung Eigenmietwert betrifft nur den Hauptwohnsitz

Die Vorlage zur Abschaffung des Eigenmietwerts sieht folgende Anpassungen bei der Besteuerung vor:

  • Der Eigenmietwert wird für selbstgenutztes Wohneigentum am Hauptwohnsitz abgeschafft.
  • Der Abzug für Unterhaltskosten, Versicherungsprämien und Verwaltungs-kosten wird gestrichen.
  • Der Abzug für Energiespar - und Umweltschutzmassnahmen sowie denk-malpflegerische Arbeiten wird auf Bundesebene abgeschafft. Auf Kantonsebene bleiben Abzüge möglich.
  • Ersterwerber profitieren von einem in der Höhe begrenzten und zeitlich befristeten Schuldzinsabzug.

Keine Anpassungen sind bei Zweitliegenschaften bzw. Ferienwohnungen vorgesehen. Für diese soll der Eigenmietwert weiterhin versteuert werden müssen. Auch Erträge von Renditeobjekten wären nach wie vor in den Steuern auszuweisen. Gleichzeitig blieben die Abzugsmöglichkeiten bei diesen Immobilien in vier der fünf vorgeschlagenen Varianten wie bis anhin bestehen.

Eigenmietwert abschaffen hat Folgen für den Schuldzinsabzug

Offen lässt die Vorlage, was im neuen System mit dem heutigen Abzug von Schuldzinsen geschieht. Bis anhin können Besitzer von Wohneigentum die Schuldzinsen ihrer Hypothek vom steuerbaren Einkommen abziehen. Die Kommission schlägt fünf verschiedene Varianten vor, die von der Beibehaltung bis zur vollständigen Streichung des Schuldzinsabzugs reichen.

Eine Ausnahme ist für Ersterwerber von selbstbewohntem Wohneigentum vorge-sehen: Sie sollen in jedem Fall weiterhin Schuldzinsen angeben dürfen. Derzeit wird vorgeschlagen, dass erstmalige Immobilienbesitzer in den ersten zehn Jahren bis maximal 10’000 Franken von den Steuern abziehen können, wobei der Abzug mit den Jahren linear sinkt.

Nicht alle möchten den Eigenmietwert abschaffen.

Die Abschaffung des Eigenmietwerts ist umstritten. Das zeigt die Vernehmlassung zum Vorentwurf der Vorlage. Während der Hauseigentümerverband (HEV) dem Systemwechsel grundsätzlich zustimmt, lehnt ihn der Mieterinnen - und Mieterverband klar ab. Besonders ins Gewicht fällt die Haltung der Finanzdirektorenkonferenz (FDK). Dieser Zusammenschluss der 26 kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren lehnt die Vorlage ab. Die Steuereinbussen seien zu hoch, erst recht angesichts der tiefen Hypothekenzinsen. Die heutige Praxis wird als gerecht erachtet, weshalb die FDK keinen Reformbedarf sieht.

Die Vernehmlassung zeigt: Um den Eigenmietwert abzuschaffen, muss die Wirtschaftskommission des Ständerats noch zahlreiche Hürden nehmen. Besonders umstritten sind die Ausgestaltung der Abzugsmöglichkeiten für Schuldzinsen, der Ersterwerberabzug und die weiteren Abzugsmöglichkeiten auf Kantonsebene – Punkte, die wiederum dem HEV wichtig sind.

Eigenmietwert abschaffen gelingt kaum ohne Referendum

Nach der Vernehmlassung hat die Kommission des Ständerats den Bundesrat gebeten, Stellung zum Vorentwurf zu beziehen. Dieser hat den Ball aber zurückgespielt. Denn normalerweise schaltet sich der Bundesrat erst ein, wenn ein Gesetzesentwurf im Parlament behandelt wird. Wie es mit der Abschaffung des Eigenmietwerts weitergeht, ist momentan unklar.

Die Chancen für einen Systemwechsel hängen stark davon ab, wie die endgültige Vorlage aussieht. Infolge COVID-19 und der damit gestiegenen Staatsverschuldung dürfte es schwierig werden, die Steuereinbussen bei einer Abschaffung des Eigenmietwerts im Parlament durchzubringen. Und selbst wenn im Parlament ein Konsens gefunden wird, ist die Abschaffung nicht in trockenen Tüchern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Referendum ergriffen wird und das Volk das letzte Wort erhält. Deshalb ist es wichtig, sowohl Eigentümer als auch Mieter vom Systemwechsel zu überzeugen.

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