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Drohnenfieber: Die Schweiz hebt ab

Die Schweiz ist im Drohnenfieber. Die smarten Flugobjekte gewinnen weltweit immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung. So werden Drohnen in der Schweiz bereits in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Wieso die Innovation des Supertrends Technologie freie Fahrt hat.

Erster Drohnen-Innovatoren-Tag in der Schweiz

Im Juni dieses Jahres fand der erste Schweizer Drohnen-Innovatoren-Tag in Zürich statt. Die Konferenz wurde durch das World Economic Forum in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich organisiert. ETH-Präsident Lino Guzzella rechnete vor, dass die über 50 auf Drohnen spezialisierten Unternehmen in der Schweiz bis 2050 theoretisch mehr als 150’000 neue Jobs schaffen könnten.

Chris Anderson, früherer Chefredaktor des Technologie-Magazins WIRED, bezeichnete die Schweiz als das «Silicon Valley der Robotics- und Drohnen-Technologie». Die Schweiz spielt neben Japan und Israel eine wichtige Rolle im Supertrend Technologie und dem dafür rasch wachsenden Markt. Dessen Umsatz dürfte laut Branchenstudien in den nächsten drei Jahren weltweit auf umgerechnet über 100 Milliarden Schweizer Franken wachsen.


Drohnen werden in der Schweiz in verschiedenen Branchen eingesetzt

Neben kommerziellen Anwendungen in Infrastruktur, Landwirtschaft und Sport existiert eine Vielzahl anderer Einsatzbereiche für die Drohnen. So setzte die Schweizer Entwicklungshilfe, mit Unterstützung der Weltbank, jüngst Massstäbe bei der Entwicklung hochpräziser drohnen-unterstützter Landkarten. Mit deren Hilfe wird beispielsweise in Tansania eine nachhaltige Stadtentwicklung gezielt gefördert. Bei diesem weltweit grössten Luftvermessungsprojekt mit Konsumenten-Drohnen kommen ausschliesslich «E-Bees», die Drohnen des Schweizer Herstellers SenseFly, zum Einsatz.

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Die grössten Märkte für den Einsatz kommerzieller Drohnen

Wert von drohnenangetriebenen Lösungen für Industrien 2015 (Milliarden US-Dollar)

Quelle: PWC, WEF

Drohnen haben disruptiven Einfluss

Drohnen könnten so disruptiv wirken wie die Einführung des GPS vor zwanzig Jahren. Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens gewähren Drohnen jedem von uns Zugang zum Luftraum – und das zu fallenden Kosten. Das schafft neue, bislang unverfügbare Möglichkeiten der Wertschöpfung. Gesteigerte Ernteerträge zum Beispiel, die sich mit geringerem Einsatz von Pestiziden in der grossflächigen Landwirtschaft erzielen lassen. Weiter könnten sich neue Möglichkeiten im Materialtransport auf Baustellen und in der Paketlogistik bilden. Dabei erweitern Fortschritte in der Batterieentwicklung, der Miniaturisierung von Sensoren und der Rechenleistung das Einsatzspektrum der Drohnen räumlich und zeitlich.

Zweitens werden autonome Drohnen in Zukunft wahrscheinlich in städtischen Ballungsräumen im Nahverkehrstransport zum Einsatz kommen. Was in Dubai bereits erfolgreich getestet wird, dürfte vor allem in Megastädten mit hoher Verkehrsdichte wie etwa São Paulo erstmals eingesetzt werden.

Drohnen in der Schweiz aus wirtschaftlicher Perspektive

Drittens wächst nicht nur der zivile Einsatz von Drohnen. Das US-Pentagon hat im vergangenen Jahr mehr als 50 unterschiedliche Drohnentypen für Aufklärung und taktische Einsätze im Wert von über drei Milliarden US-Dollar beschafft. Und das ist erst der Anfang. Der Einsatz unbemannter Fluggeräte zu militärischen Zwecken wird gewiss auch in der Diskussion über die Erneuerung der Schweizer Luftwaffe eine Rolle spielen. Das wirft nicht zuletzt ethische Fragen auf. Zu Recht werden klare Regeln für den Gebrauch von Drohnen in der Schweiz eingefordert. Im zivilen Bereich geht es vor allem um die Sicherheit im Luftraum und um sinnvolle Einsätze im Dienst der Menschen.

Für den Wirtschaftsstandort Schweiz ist die Drohnenentwicklung weit mehr als nur ein wissenschaftliches Leuchtturmprojekt. Es geht um die aktive Gestaltung von Schlüsseltechnologien und -märkten des 21. Jahrhunderts. Drohnen, Robotik und nachhaltige Entwicklung sind verschiedene Aspekte einer facettenreichen neuen Welt. Den Investoren stehen viele Türen zu diesen und verwandten Themen offen.