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Digitalisierung und demografischer Wandel treiben Wachstum an

Die Digitalisierung schreitet voran, der demografische Wandel ebenfalls. Dies wird in den nächsten Jahren den Geschäftsgang etlicher Branchen beeinflussen. Am stärksten dürften die Informationstechnologie (IT) und gesundheitsnahe Branchen profitieren.

Durch welche Branchen wird das Wachstum der Schweizer Wirtschaft künftig gestützt? Hinweise liefert die sogenannte Chancen-Risiken-Bewertung. In dieses Modell fliessen neben Branchenstatistiken auch Analysteneinschätzungen zum Einfluss von gesellschaftlichen, technologischen und politischen Trends ein. So erlaubt es eine Aussage über das mittelfristige Wachstumspotenzial der wichtigsten Wirtschaftszweige unter Berücksichtigung bestehender und möglicher Risiken.

Die grössten Chancen, aber auch Risiken bestehen derzeit beim IT-Sektor sowie bei den gesundheitsnahen Branchen. Der Detailhandel und die Metallindustrie dürften hingegen unter Druck bleiben.

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IT-Branche mit den besten mittelfristigen Aussichten

Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: synthetischer Indikator, Gesamtwirtschaft = 0
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Digitalisierung ist gleichzeitig Chance und Risiko

Zu den wichtigsten Trends gehört die fortschreitende Digitalisierung. Von dieser sind praktisch alle Sektoren betroffen, wobei es sowohl Gewinner als auch Verlierer gibt.

Zu den grössten Profiteuren der Digitalisierung zählt in erster Linie die IT-Branche selbst: Die zunehmende Ansammlung grosser Datenmengen («Big Data»), die steigende Nutzung von Cloud-Lösungen und andere Ausprägungen der Digitalisierung treiben die Nachfrage nach Server- und Datenzentren sowie den entsprechenden Beratungsdienstleistungen (Data Analytics, Cyber Security usw.) an. Dies ist denn auch einer der Hauptgründe, warum der IT-Branche bezüglich Chancen und Risiken ein stark überdurchschnittliches Wachstumspotenzial attestiert wird.

Gesundheitsnahe Branchen profitieren vom demografischen Wandel

Auch der demografische Wandel und dabei insbesondere die fortschreitende Alterung der Bevölkerung stellen einen wichtigen branchenübergreifenden Einflussfaktor dar. In erster Linie davon betroffen ist das Gesundheits- und Heimwesen, das künftig unter anderem wegen des Anstiegs der Anzahl Pflegebedürftiger ein solides Nachfragewachstum verzeichnen dürfte.

Auch für die Pharmaindustrie und die Medizintechnik fällt die Bewertung der Chancen und Risiken angesichts der erwarteten demografischen Entwicklung überdurchschnittlich aus.

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Detailhandel und Metallindustrie unter Druck

Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: synthetischer Indikator, Gesamtwirtschaft = 0
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Aktuelle Konjunkturlage der Schweizer Branchen

Der folgende «Branchenmonitor» gibt Ihnen einen kurzen Überblick über den aktuellen Geschäftsgang und die konjunkturellen Perspektiven für die kommenden Monate in sechs ausgewählten, wichtigen Schweizer Wirtschaftszweigen.

Chemisch-pharmazeutische Industrie

Nachdem die chemisch-pharmazeutischen Exporte im 1. Quartal 2017 gegenüber 2016 vor allem aufgrund eines Basiseffekts zulegten (Chemie: +6,6 %; Pharma: +14,9 %), reduzierten sich die Wachstumsraten im 2. Quartal deutlich (Chemie:
–1,3 %; Pharma: +0,7 %).

Zwar bewertet die Branche die Geschäftslage gemäss Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) nach wie vor mehrheitlich als befriedigend bis gut. Angesichts der eher azyklischen Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten dürfte die Branche jedoch auch in den kommenden Monaten weniger stark vom Aufschwung profitieren als andere Industriezweige.

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Exporte stagnierten im 2. Quartal 2017

Exporte: Trend, Index Juli 2014 = 100; Veränderung zum Vorjahr in %
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM)

Gestützt durch die solide globale Konjunktur, setzt sich die Erholung der MEM-Industrie fort. Den deutlichsten Aufwärtstrend verzeichnet der exportorientierte Maschinenbau. In den ersten sieben Monaten 2017 nahmen die Schweizer Maschinenexporte um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr zu, wobei die drei grössten Absatzmärkte Deutschland, USA und China alle positiv zum Wachstum beitrugen.

Die Maschinenbauer schätzen ihre Geschäftslage zurzeit so positiv ein wie seit 2011 nicht mehr. Vom besseren Geschäftsgang im Maschinenbau dürften zunehmend auch Zulieferer aus der Metallindustrie profitieren.

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Nachfrage zieht insbesondere im Maschinenbau an

Anteil der befragten Unternehmen, die eine ungenügende Nachfrage beklagen
Quelle: Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Credit Suisse

Uhrenindustrie

Die Uhrenindustrie hat die Talsohle durchschritten, von einer breit abgestützten Erholung kann aber noch keine Rede sein. In den ersten sieben Monaten 2017 lagen die Uhrenexporte 0,7 % höher als im Vorjahr. Insbesondere die Ausfuhren nach China und Grossbritannien wiesen ein starkes Wachstum auf.

Hingegen lagen andere wichtige Märkte wie die USA, Japan, Deutschland, Frankreich oder die Vereinigten Arabischen Emirate noch deutlich im Minus. Entsprechend bleibt die Stimmung in der Branche – gemessen am KOF-Geschäftslagenindikator – mehrheitlich gedrückt. Für die kommenden Monate sind die Erwartungen der befragten Uhrenfirmen verhalten optimistisch.

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Talsohle durchschritten, Stimmung bleibt aber gedämpft

Anteil der befragten Unternehmen, Salden in Prozentpunkten
Quelle: Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Credit Suisse

Detailhandel

Zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren stiegen die Umsätze im Detailhandel wieder (2. Quartal 2017: +0,7 % gegenüber 2. Quartal 2016). Das Wachstum wurde grösstenteils im Juni erzielt. Es ist deshalb in erster Linie den vorteilhaften Witterungsbedingungen zuzuschreiben, die unter anderem den Segmenten Bekleidung, Do-it-yourself und Freizeit zwischenzeitlich Schub verliehen.

Die momentane Wachstumsdynamik der Non-Food-Sparte dürfte aufgrund dieses Sondereffekts kein Gradmesser für die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf sein. Die Food-Detaillisten konnten ihre Umsätze im 2. Quartal trotz des anhaltenden Preisdrucks leicht steigern.

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Heisser Juni beendet zweijährigen Krebsgang

Detailhandelspreise und nominale Umsätze, Veränderung ggü. Vorjahresquartal, in %
Quelle: GfK, Credit Suisse

Tourismus

Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im 1. Halbjahr 2017 ein starkes Wachstum der Logiernächte von 2,9 % gegenüber dem Vorjahr. Zwei Drittel dieses Wachstums sind Gästen aus der Schweiz, Indien, den USA und China zuzuschreiben.

Die traditionellen alpinen Tourismusdestinationen haben stärker vom Wachstum profitiert als die Städte. Zudem dürfte der gestoppte Preiszerfall der Hotellerie zusätzlich Luft verschaffen. Insgesamt beurteilen die von der Konjunkturforschungsstelle der ETH befragten Betriebe ihre Geschäftslage erstmals seit Jahren wieder mehrheitlich positiv.

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Preiszerfall in der Hotellerie gestoppt

Logiernächte und Preise in der Schweizer Hotellerie, 12-Monats-Durchschnitt, Index 2010 = 100
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Informationstechnologie (IT)

Im IT-Sektor stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum. Gegenüber den Vorquartalen haben die vom Branchenverband Swico befragten Firmen ihre Erwartungen jedoch jüngst etwas zurückgeschraubt. Zwar vermuten alle Segmente für das laufende Quartal einen Umsatzanstieg, mit Ausnahme der Softwaresparte wird aber überall mit sinkenden Preisen und einer folglich tieferen Rentabilität gerechnet.

Das von den IT-Firmen am häufigsten genannte Problem bleibt die Rekrutierung und Bindung von Fachkräften. Auch die Digitalisierung und die Verlagerung in Richtung Cloud Computing sehen manche IT-Unternehmen als Herausforderung.

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Optimismus der IT-Branche lässt leicht nach

Stimmungsindex: > 100 = Verbesserung, < 100 = Verschlechterung ggü. Vorquartal
Quelle: Swico, Credit Suisse