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Die Weltwirtschaft läuft heiss

Die Weltwirtschaft läuft heiss. Das Wachstum ist so stark wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Besonders stark wächst die Wirtschaft in den Schwellenländern. Doch auch andere Länder profitieren. Und der Peak scheint noch nicht erreicht zu sein. 

Das aktuelle, globale Bruttoinlandsprodukt beträgt schätzungsweise 78 Billionen US-Dollar. Das sind rund plus 35 Prozent oder rund 20 Billionen US-Dollar mehr als vor zehn Jahren (58 Billionen US-Dollar, 2007), wozu die fünf grössten Volkswirtschaften der Welt über die Hälfte beisteuern:

USA: 18 Billionen US-Dollar
China: 11 Billionen US-Dollar
Japan: 5 Billionen US-Dollar
Deutschland: 3.5 Billionen US-Dollar
England: 2.6 Billionen US-Dollar

Am meisten zum Wachstum tragen unverändert die Schwellenländer bei. Mit 6.9 Prozent Wachstum schafft China einen Mehrwert von rund 750 Milliarden US-Dollar – mehr, beispielsweise, als allein das Schweizer Bruttoinlandsprodukt von circa 660 Milliarden US-Dollar. Aber auch im Rest der Welt läuft dieses Jahr die Wirtschaft heiss. Unsere globalen Wachstumsprognosen für 2017 und 2018 lauten zweimal plus 3.6 Prozent.

Weltwirtschaft wächst und wächst

In Summe beschreibt das den stärksten Weltwirtschaftsaufschwung seit über zwanzig Jahren. Er wird unterstützt durch deflationäre Entwicklungen in Technologie, Demographie und Globalisierung. Auch der Rückgang der Erdölpreise seit 2014 hat Konsumenten rund 1'500 Milliarden US-Dollar geschenkt. Allerdings werden die amerikanischen Benzinkosten wegen der jüngsten Hurrikan-Schäden im zweiten Halbjahr 2017 national ansteigen.

Unsere globalen Inflationsprognosen von 2.7 Prozent für 2017 und 2.6 Prozent für 2018 zeigen noch keine Anzeichen von Überhitzung. Positive Fristenstrukturkurven und fallende Renditen inflationsgeschützter Anleihen bestätigen dieses Bild weltweit.

Starkes Wachstum an den Finanzmärkten

Noch stärker hat sich das Klima an den Finanzmärkten erwärmt. Der MSCI All Country Index (in US-Dollar) erreichte kürzlich einen neuen, historischen Höchststand. Seit Jahresanfang liegt er 12.2 Prozent, seit seinem letztjährigen Tiefpunkt sogar 34 Prozent vorne (alle Zahlen in US-Dollar). Schwellenländer profitieren von der aktuellen Dollarschwäche. Hochliquide Banken unterstützen weltweit die Investitionstätigkeit.

Am heissesten laufen dieses Jahr Polen (WIG plus 46 Prozent), die Türkei (BIST plus 44 Prozent) und Griechenland (Athex Comp plus 42 Prozent), aber auch die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, China (MSCI China plus 39 Prozent). Der MSCI Emerging Markets notiert seit Jahresbeginn in US-Dollar bei plus 25 Prozent.

Der FTSEurofirst 100 liegt zwar in Euro nur bei plus 6 Prozent; allerdings, in US-Dollar gemessen, bei plus 19 Prozent. Euro-Anleger teilen zum ersten Mal seit langem die für Schweizer Anleger bekannte, leidige Erfahrung, dass zwischen der Wertentwicklung in Lokal- und Referenzwährung ein empfindlicher Unterschied liegen kann.

Prognosen für die Weltwirtschaft bleiben positiv

Schliesslich bildet der 36-prozentige Anstieg der Industriemetallpreise Ausdruck und Bestätigung einer boomenden Weltwirtschaft. Zwar halten manche dagegen, dass Kapazitätskürzungen in China – wo beispielsweise die Stahlpreise seit 2016 um 130 Prozent gestiegen sind – die globalen Metallpreise künstlich anheben. Jedoch bestätigt die Vervielfachung der Tages-Seefrachtraten von 11'000 US-Dollar auf 21'000 US-Dollar sowie des Baltic Dry-Index von 290 Punkte auf 1‘355 Punkte, dass Nachfrage und globaler Handel dieser Rohwaren florieren.

Natürlich erwärmen auch die Notenbanken das Finanzmarktklima. Globale Anleihen profitierten 2017, einmal mehr, von grosszügigen Zentralbankkäufen trotz rekordtiefer Zinsen (Citigroup World Bond-Index: plus 8.4 Prozent). Die Republik Österreich plant vor diesem Hintergrund die Emission einer 100-jährigen Anleihe in Euro. Erste Rendite-Indikationen liegen zwischen 1.8 Prozent und 1.9 Prozent jährlich für hundert Jahre.