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Die Digitalisierung revolutioniert das Gesundheitswesen

Im weltweit strapazierten Gesundheitswesen bahnt sich eine technologische Revolution an. Sie wird aus demographischen, technologischen und finanziellen Motiven genährt. Fortschritte der Digitalisierung wie Gesundheits-Apps oder Telemedizin dürften die Gesundheitskosten langfristig senken.

Die Gesundheitskosten sind gemäss Bundesamt für Statistik in der Schweiz seit 1960 teuerungsbereinigt um rund 800 Prozent (absolut rund 3600 Prozent) gestiegen. Vergleicht man das mit einem teuerungsbereinigten Anstieg der Löhne um nur 16 Prozent über denselben Zeitraum, so ist das über Jahre gewachsene gesellschaftliche Konfliktpotenzial augenfällig. Selbst wenn die Gesundheitskosten pro Kopf angeschaut werden, liegt der Anstieg mit real 500 Prozent immer noch deutlich über der generellen Lohnsteigerung.

Relativ wiesen die Bereiche Verwaltung und Prävention mit 1300 Prozent die höchsten Kostensteigerungen auf, wobei diese nur 6,1 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausmachen. Absolut gesehen stiegen die Kosten am stärksten in den Bereichen stationäre und ambulante Behandlungen, wo sie aktuell neun beziehungsweise elfmal höher liegen als 1960. Es ist zu erwarten, dass diese Gesundheitsausgaben mit zunehmender Lebenserwartung, unter sonst gleichen Bedingungen, weiter überproportional steigen werden. Ähnliche Zahlen existieren für alle Industrieländer.

Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen

Neu ist, dass digitale Technologien in einer Vielzahl von Einsatzbereichen erhebliche Kostensenkungen bei gleichzeitigen Leistungssteigerungen in Prävention, Diagnose und Therapie ermöglichen. Die kommerzielle Verbreitung dieser neuen Möglichkeiten dürfte das Gesundheitswesen in naher Zukunft weltweit revolutionieren.

Diese Entwicklung dürfte alle Bereiche des Gesundheitswesens verändern. Das heisst konkret:

  • Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten, Therapien und Instrumenten
  • Bessere, günstige Behandlungen
  • Bessere und günstigere Systemabläufe
800 %

sind die Gesundheitskosten teuerungsbereinigt gestiegen

Gesundheitskosten könnten sinken

Mehr als die Hälfte aller Aktivitäten im Gesundheitsbereich könnten schon im nächsten Jahrzehnt günstiger und besser erbracht werden. Einige Beispiele:

Erstens wird der exponentielle Rückgang der Rechenleistungskosten, bekannt auch als Moores Gesetz, der uns an den Beginn selbstlernender Software und künstlicher Intelligenz gebracht hat, die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen und günstiger gestalten.

Zweitens sind die Kosten für die Entschlüsselung eines menschlichen Genoms massiv gesunken. Lagen sie im Jahr 2001 noch bei hundert Millionen Franken, so liegen sie heute noch bei hundert Franken. Hieraus eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten zur Leistungssteigerung in der Diagnostik, der Prävention, aber auch der Therapie vieler Krankheiten. Beispielsweise konnten so auf diese Weise die Response-Raten bei einigen Krebspatienten von circa 7 Prozent auf über 70 Prozent gesteigert werden.

Weniger Fehler dank Digitalisierung

Chirurgische Robotik, personalisierte Medizin, Biotechnologie, Medizintechnik und Implantate der nächsten Generation, die erst durch digitale Technologien möglich werden, versprechen erheblich günstigere und bessere Behandlungen. Ein Beispiel: Gemäss Schätzungen werden jedes Jahr Medikamente im Wert von über 300 Milliarden Franken aufgrund von ungenauer Verabreichung entsorgt.

Besonders bei Epidemien, Diabetes oder chronischen Schmerzsymptomen lassen sich durch einfache Implantate oder Sensoren Behandlungserfolge für Millionen Betroffene besser, einfacher und kosteneffizienter erbringen. Schliesslich kann moderne Technik das Fachpersonal entlasten und ermöglichen, dass sich Pflegekräfte wieder intensiver um ihre Patienten kümmern können. Technologien, welche die klinischen Entscheidungsfindungen und -abläufe unterstützen, bieten Möglichkeiten zur Reduktion von Diagnosefehlern und Abweichungen bei der Versorgung.

Das Gesundheitswesen dürfte in naher Zukunft weltweit revolutioniert werden

Burkhard Varnholt, CIO Swiss Universal Bank / Deputy Global CIO

Gesundheits-Apps und Telemedizin gewinnen an Bedeutung

Mit Telemedizindiensten können nicht nur geografische Barrieren überwunden werden. Gleichzeitig werden durch gesellschaftliche und gesetzliche Entwicklungen Rahmenbedingungen für den verantwortungsbewussten Umgang mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens schaffen. Beispielsweise hat sich der Umsatz telemedizinischer Gesundheits-Apps von Pulsmessern über Diabetes-Sensorik bis zur Lokalisierung von Grippeviren seit 2013 bis heute von einem Umsatz von 2.4 Milliarden Dollar auf circa 21 Milliarden Dollar fast verneunfacht. Viele dieser Apps verhindern Krankheiten und Kosten, bevor sie entstehen.

Die Revolution im Gesundheitswesen steht noch im Schatten des Bestehenden. Doch sie wird mit der schöpferischen Kraft des Besseren ins Scheinwerferlicht treten. Als Anleger sollte man schon heute in diese Entwicklung investieren.