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Den Ruhestand planen: die acht wichtigsten Begriffe zur Pensionierung

Ob Rentenvorbezug oder Rentenaufschub, ob Frühpensionierung oder Teilpensionierung, ob Vorsorgelücke oder Koordinationsabzug: Wer die wichtigsten Begriffe rund um die Pensionierung kennt, ist besser auf den Ruhestand vorbereitet – auch finanziell.

1. Rentenvorbezug AHV/BVG

Frauen gehen ordentlich mit 64 Jahren, Männer mit 65 Jahren in Pension. Beide können die AHV-Rente um ein oder zwei Jahre vorbeziehen, müssen dabei aber weiterhin Beiträge an die AHV leisten. Bei einem Vorbezug wird die Rente lebenslang gekürzt: um 6,8 % bei einem Jahr und 13,6 % bei zwei Jahren. Der Vorbezug ist mindestens drei Monate vor Fälligkeit bei der Ausgleichskasse schriftlich zu beantragen.

Die Altersleistung der Pensionskasse (BVG) kann theoretisch ab 58 Jahren bezogen werden. Jedes PK-Reglement legt jedoch selber das frühestmögliche Rentenalter fest.


2. Rentenaufschub AHV/BVG

Den Bezug der AHV-Rente kann man um bis zu fünf Jahre aufschieben. Dadurch erhöht sich die Rente lebenslang. Anzumelden ist ein Rentenaufschub spätestens bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters, seine Dauer muss nicht im Voraus festgelegt werden. Ein Jahr danach lässt sich die Rente jederzeit monatlich abrufen.

Auch ein Aufschub der BVG-Rente ist möglich. Wenn man weiterarbeitet, erhöht sich neben dem Umwandlungssatz auch das Altersguthaben und damit die Altersrente. Ein Aufschub ist jedoch abhängig vom Reglement der Pensionskasse: Zulassen kann sie die Pensionierung bis spätestens fünf Jahre nach Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters bzw. bis zur Vollendung des 70. Altersjahrs.

3. Vorsorgelücke

Die Vorsorgelücke bezeichnet den Unterschied zwischen dem Renteneinkommen und Vermögen nach der Pensionierung und dem für den Lebensstandard notwendigen Bedarf. Vorsorgelücken können sich unbemerkt auftun: beispielsweise wenn man während des Studiums oder nach dem Kinderkriegen einige Jahre nicht arbeitet. Auch wer sich frühzeitig pensionieren lässt, öffnet meist eine Vorsorgelücke.

Ein Einkauf in die Pensionskasse kann diese Lücke minimieren oder schliessen. Am besten bezieht man schon eine Vorsorgeberatung mit ein, bevor die Entscheidung fällt.

4. Frühpensionierung

Schon seit Langem ermöglichen Pensionskassen eine vorzeitige Pensionierung. Diese freiwillige Leistung muss von ihnen aber nicht mit den BVG-Minimalleistungen angeboten werden. Das gesetzliche Mindestalter für die vorzeitige Pensionierung beträgt 58 Jahre. Ausnahmen gibt es nur bei Betriebsrestrukturierungen oder in Berufen, die sich aus Sicherheitsgründen nur bis zu einem bestimmten Alter ausüben lassen.
Bei einer vorzeitigen Pensionierung muss man mit einer Kürzung der Altersrente rechnen (siehe Punkt 1). Denn je früher die Rente bezogen wird, desto kürzer ist die Beitrags- und Verzinsungsdauer und desto tiefer der Umwandlungssatz. Zudem müssen alle, die sich vorzeitig pensionieren lassen, bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters AHV- und IV-Beiträge einzahlen.

5. Ergänzungsleistungen EL

Ergänzungsleistungen (EL) zur 1. Säule (AHV) sind Bedarfsrenten. Sie sorgen für die Existenzsicherung von Personen, die AHV-/IV-Leistungen beziehen, mit diesen aber nicht das Existenzminimum erreichen. Das ist in der Verfassung garantiert. Die Beträge aus den EL werden aufgrund der individuellen Verhältnisse festgelegt und laufend an die sich ändernde Situation angepasst.

6. Koordinationsabzug

Der Koordinationsabzug ist jener Betrag, der vom Bruttolohn abgezogen wird, um den in der 2. Säule versicherten Lohn (koordinierten Lohn) zu berechnen. Der Abzug dient der Koordination zwischen der 1. und der 2. Säule und stellt sicher, dass Teile des Lohnes nicht doppelt versichert sind. Momentan beträgt der Koordinationsabzug CHF 24’885. Das sind 7/8 der maximalen jährlichen AHV-Rente. Wer beispielsweise ein Jahreseinkommen von CHF 80’000 bezieht, hat bei der Pensionskasse einen versicherten Lohn von CHF 55’115.

7. Umwandlungssatz

Darunter ist jener Prozentsatz zu verstehen, mit dem ein Kapital in eine Rente umgewandelt wird. Wie hoch der Umwandlungssatz für die obligatorische berufliche Vorsorge ist, wird im BVG festgelegt. Der Mindestumwandlungssatz beträgt zurzeit 6,8 %. Anders sieht es beim Umwandlungssatz des überobligatorischen Teils aus: Hier dürfen die Pensionskassen selbst bestimmen, wie hoch er ist. Viele Pensionskassen rechnen bereits mit Sätzen von unter 6 %, künftig dürfte der Umwandlungssatz sogar auf unter 5 % sinken. Einzelne Pensionskassen haben dies bereits bekanntgegeben.
Auch eine Frühpensionierung wirkt sich negativ auf den Umwandlungssatz aus, sowohl für das obligatorische wie für das überobligatorische Guthaben. In der Regel kürzen die Pensionskassen den Satz um rund 0,15 bis 0,2 % pro Jahr. Das heisst: Wer zwei Jahre früher aufhört zu arbeiten, kann für den obligatorischen Teil nur noch mit einem Umwandlungssatz von 6,4 bis 6,5 % rechnen.

8. Teilpensionierung

Schrittweise aus dem Arbeitsleben aussteigen ist prinzipiell möglich und wird von immer mehr Pensionskassen zugelassen. Dabei liegt die Altersspanne – je nach PK-Reglement – zwischen 58 und 65 oder 70 Jahren.
Reduziert man beispielsweise mit 60 Jahren sein volles Arbeitspensum auf 70 %, darf man 30 % des Pensionskassenguthabens beziehen und kann so die Einkommenseinbusse zum Teil ausgleichen.
In der Regel steht es einem frei, ob man sich das fällige Altersguthaben ausbezahlen lassen oder es als Rente beziehen will. Reduziert man sein Arbeitspensum in mehr als drei Schritten, sind aber noch mögliche steuerliche Stolpersteine zu beachten.