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Das globale Vermögen wächst. China und Indien profitieren am meisten.

Das globale Vermögen ist im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent gestiegen. Dies zeigt der Global Wealth Report der Credit Suisse. Doch nicht überall hat der Wohlstand gleichermassen zugenommen. Wichtige Erkenntnisse und Perspektiven für Anleger.

Vermögen ist laut Global Wealth Report weitergewachsen

In den vergangenen zwölf Monaten hat das globale Vermögen um 14 Billionen US-Dollar zugenommen und beläuft sich nun auf 317 Billionen US-Dollar. Die Wachstumsrate von 4,6 Prozent ist zwar etwas tiefer als im Vorjahr, doch immer noch höher als das durchschnittliche Wachstum seit der Finanzkrise 2008. Erfreulich ist, dass auch der Wohlstand pro Kopf gestiegen ist. Denn der Vermögenszuwachs lag über dem Wachstum der Bevölkerung. Pro erwachsene Person beläuft sich das Vermögen im Schnitt auf 63’100 US-Dollar – ein Plus von 3,2 Prozent.

Am meisten stieg der Wohlstand wiederum in den USA. Dahinter konnte sich China auf dem zweiten Platz etablieren. Das Reich der Mitte überholte Japan beim totalen Vermögen, bei der Anzahl Millionäre und bei der Anzahl ultrareicher Personen. Allerdings ist der Wohlstand ungleichmässig verteilt. Beim durchschnittlichen Vermögen pro Kopf hinkt China den Industrieländern hinterher.

Veränderungen im gesamten Privatvermögen nach Regionen von 2017 bis 2018

  Gesamt-vermögen Veränderung
des Gesamt-vermögens
Vermögen pro Erwachsener Veränderung des Vermö­gens pro Erwachsener
  2018 2017–2018 2017–2018 2018 2017–2018
  USD Mrd.  USD Mrd. % USD %
Afrika 2,553 108 4,4 4,138 1,5

Asien-Pazifik

56,715

929

1,7

48,119

0,0

China

51,874

2,266

4,6

47,810

4,0

Europa

85,402

4,432

5,5

144,903

5,4

Indien

5,972

151

2,6

7,024

0,7

Lateinamerika

8,055

-415

-4,9

18,605

-6,5

Nordamerika

106,513

6,486

6,5

391,690

5,5

Welt

317,084

13,958

4,6

63,100

3,2

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

Wohlstand ist ungleich verteilt – China holt auf

Seit der Jahrtausendwende ist das globale Vermögen stark gestiegen, von 117 Billionen US-Dollar auf den heutigen Stand von 317 Billionen US-Dollar. Einzig aufgrund der Finanzkrise 2008 gab es einen signifikanten Einbruch. Dieser ist aber längst wettgemacht.

Interessant ist die Veränderung der Vermögensverteilung: 92 Prozent des Wohlstands verbuchten im Jahr 2000 Nordamerika, Europa und die Region Asien-Pazifik (ohne China und Indien) für sich. Bis heute reduzierte sich deren Anteil auf 78 Prozent. Das ist immer noch ein hoher Prozentsatz. Doch insbesondere China konnte aufholen. Dessen Anteil wuchs in der gleichen Zeitspanne von 3,1 auf 16,4 Prozent. Und der Anteil aller Schwellenländer am globalen Vermögen stieg von 10 auf 24 Prozent.

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Wachstum des globalen Vermögens, wechselkursbereinigt

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

Anteil der Schwellenländer am globalen Vermögen steigt weiter

Diese Entwicklung dürfte weitergehen. Das zeigt die Prognose des Global Wealth Report. Bis 2023 dürfte der Anteil Chinas am globalen Wohlstand auf 19 Prozent ansteigen. Erwartet wird in den nächsten fünf Jahren ein Zuwachs von 23 Billionen US Dollar. Das wäre ein Anstieg des chinesischen Vermögens um 44 Prozent.

Ein ähnliches Szenario erwarten die Ökonomen der Credit Suisse von den Schwellenländern insgesamt. Zwar hat sich deren Wachstumsrate in den vergangenen fünf Jahren verlangsamt, doch dürfte die Wirtschaft in diesen Ländern wieder in Schwung kommen. Die prognostizierte Wachstumsrate von jährlich 7 Prozent liegt klar über jener von 4 Prozent für entwickelte Länder. Damit würde ihr Anteil am globalen Wohlstand auf 27 Prozent im Jahr 2023 steigen.

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Vermögen der Schwellenländer in % des globalen Vermögens

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

In China und Indien wird der Wohlstand besonders stark zunehmen

Profitieren werden vor allem Länder aus dem mittleren Einkommenssegment. Es wird erwartet, dass diese ein Drittel des Zuwachses am globalen Vermögen für sich verbuchen können. In den nächsten fünf Jahren dürfte ihr Anteil am weltweiten Wohlstand um 2 Prozent auf 23 Prozent zunehmen. Haupttreiber ist China.

Unter den Ländern mit niedrigem bzw. niedrigem bis mittlerem Einkommen sticht Indien dagegen hervor. Gemäss Prognosen soll der indische Wohlstand in den nächsten fünf Jahren um 47 Prozent ansteigen – ein Plus von 2,7 Billionen US-Dollar. Das Wachstum in Lateinamerika dürfte jedoch aufgrund der Krisen in Brasilien und Argentinien weiter gebremst ausfallen.

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Anteil am globalen Vermögen und am Vermögenswachstum nach Ländergruppen

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2018

Globales Vermögen von 399 Billionen US-Dollar im Jahr 2023

Insgesamt soll in den nächsten fünf Jahren das weltweite Vermögen gemäss Global Wealth Report um durchschnittlich 4,7 Prozent pro Jahr steigen. Das käme einem Extra von 82 Billion US-Dollar bis im Jahr 2023 gleich. Bemerkenswerterweise dürften reale Vermögenswerte das Wachstum der Finanzmärkte um durchschnittlich jährlich 1 Prozent übertreffen. Prozentual noch stärker steigen allerdings die Haushaltsschulden. Erwartet wird in den nächsten fünf Jahren ein Anstieg um 41 Prozent auf 14 Prozent des Bruttovermögens.