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Chinas Wirtschaft steht vor Herausforderungen. Doch sie sind zu meistern.

Trotz Handelskrieg dürfte das Anlagejahr 2019 für die Wirtschaft in China positiv verlaufen. Erfahren Sie, wie China diese Herausforderungen meistert und warum dort weiterhin Anlagechancen möglich sind.

Wirtschaft in China bestimmt den Welthandel

Der Begriff «Seidenstrasse», welcher die historische Handelsroute von China zum östlichen Mittelmeer beschreibt, erhält heute eine neue Dimension: Mit dem Programm «Belt and Road Initiative» rief die chinesische Regierung riesige Infrastrukturprojekte wie Strassen und Brücken und den Ausbau von Eisenbahnlinien, sowie Schiff- und Luftfahrt ins Leben. Die vor knapp sechs Jahren gestarteten Projekte bilden die Grundlage des strategischen Warenverkehrs des 21. Jahrhunderts.

Die Erfahrung zeigt: Investitionen in moderne Infrastruktur fördern die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wie kaum eine andere Investition. Experten gehen deshalb davon aus, dass die «Belt and Road Initiative» das chinesische Bruttoinlandsprodukt, aber auch jenes der involvierten Staaten, in den nächsten fünf Jahren um zusätzliche vier Prozent erhöhen wird. Das entspricht gut 240 Milliarden US-Dollar.

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Die Belt and Road Initiative vernetzt Chinas Wirtschaft mit der Welt.

Quelle: Geopolitical Intelligence Services, Debate: What China’s new Silk Road means for Europe, 27.11.2017 (lien)

Shenzhen ist Sinnbild für Chinas Wirtschaftswachstum

Die Millionenstadt Shenzhen steht stellvertretend für das Potenzial Chinas in Bezug auf Wachstum: War Shenzhen in den 70er Jahren noch ein Fischerdorf, ist daraus 50 Jahre später eine Grossstadt mit über zwölf Millionen Einwohnern und dem drittgrössten Frachthafen der Welt entstanden. Die Einführung der Sonderwirtschaftszone in den 80er Jahren hat viele ausländische Investoren angezogen. Mittlerweile werden in der Metropole neun von zehn der weltweiten Elektronikkomponenten produziert.

Um das Hightech-getriebene Wachstum langfristig zu unterstützen und die Konkurrenzfähigkeit anderer Branchen zu erhöhen, wurde vor vier Jahren das Programm «Made in China 2025» ins Leben gerufen. Ziel ist es, ausgewählte Wirtschaftszweige zu fördern, wie zum Beispiel Biotech, künstliche Intelligenz und erneuerbare Energien. Dabei soll der Aufbau von einheimischem Wissen über gezielte Steuerprivilegien und Subventionen gefördert werden. Unternehmen sollen sich bezüglich Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation weiterentwickeln: Weg vom arbeitsintensiven Niedriglohnmodell in Richtung technologiegesteuerte Arbeitsformen.

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Wirtschaft in China boomt dank dem massiven Ausbau der Infrastruktur.

Sieben der zehn umschlagsstärksten Häfen der Welt im Jahr 2016 liegen auf chinesischem Boden. Spitzenreiter ist mit Abstand Shenzhen.

Volumen in Millionen TEU im Jahr 2016.
Quelle: Visual Capitalist, «Visualizing the World’s Busiest Ports”, Stand: 2016.

Erwartungen an Chinas Wirtschaft könnten übertroffen werden

Dieses Jahr dürfte sich die Situation für Aktienanleger in Schwellenländern verbessern. Einerseits haben sich trotz einer Wachstumsabkühlung die Bewertungen aufgrund der Korrektur nochmals vergünstigt. Andererseits gehen die Märkte trotz ersten Fortschritten in den Zolldiskussionen nicht von einer zeitnahen Lösung des Handelskonflikts aus. Das heisst, die Erwartungen sind tief und können übertroffen werden.

Sollte eine Lösung im Handelsstreit längerfristig ausbleiben, besitzt China genügend fiskalischen und monetären Spielraum, um das Wachstum anzukurbeln. Zudem wurden bereits spezifische Massnahmen zur gezielten Stärkung des Aktienmarktes eingeführt. So kündigte die Regierung die Schaffung spezieller Liquiditätseinrichtungen an, die die Marktliquidität für Festlandaktien in Lokalwährung, sogenannte A-Aktien, jederzeit stützen und temporär in gesunde Unternehmen mit Liquiditätsengpässen investieren können.

Chinas Wirtschaftswachstum hält an, wenngleich im geringeren Ausmass

Das langfristige Wachstum Chinas dürfte im globalen Vergleich überdurchschnittlich stark bleiben, wenn auch auf einem tieferen Niveau als in den vergangenen Jahren. Das diesjährige erwartete Wachstum ist mit 6,2 Prozent zwar so tief wie vor 30 Jahren, jedoch noch immer mehr als doppelt so hoch wie jenes der USA und weit über dem weltweiten BIP-Wachstum von 3,0 Prozent. Auch die günstigen Bewertungen am Aktienmarkt legen die Vermutung nahe, dass der Zeitpunkt für einen Einstieg respektive einen Nachkauf bestehender Positionen im chinesischen Aktienmarkt günstig ist.