Studie: BVG-Reformvorschläge und ihre Auswirkungen auf künftige Renten
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BVG-Reformvorschläge: So wirken sie sich auf unsere Renten aus

Die Renten der kommenden Generationen werden markant sinken, wenn nichts unternommen wird, so eine aktuelle Studie der Credit Suisse. Die Sozialpartner diskutieren derzeit mögliche Reformen. Die Studie liefert eine Einschätzung der Vorschläge im Überblick und berechnet die monetäre Wirkung einzelner Lösungen.

Das Schweizer Vorsorgesystem muss reformiert werden, dessen sind sich alle bewusst. Die Ökonomen der Credit Suisse berechnen in ihrer neuen Studie die konkreten Auswirkungen, die ein Status quo auf die künftigen Rentner hat.
Sie präsentieren aber auch Lösungsansätze: Reformvorschläge, die das Problem entschärfen können, jedoch zumeist politischen Entscheiden unterliegen. Die Vorschläge wurden von den Ökonomen der Credit Suisse jeweils auf ihre finanziellen Auswirkungen hin untersucht. 

Private Vorsorge wird wichtiger

Eines sei indes vorweggenommen: Ungeachtet aller politischen Massnahmen gewinnt die private Vorsorge stetig an Bedeutung.

Reformvorschläge

Erhöhung des Rentenalters

Diese Rechnung ist einfach: Wer länger spart, hat am Ende ein höheres Rentenguthaben. Viele Länder haben das Rentenalter an die gestiegene Lebenserwartung angepasst oder werden dies in den kommenden Jahren tun. So streben die meisten europäischen Länder ein Pensionsalter von 67 oder 68 Jahren an, während der Schweizer Bundesrat zurzeit nur die Harmonisierung des Rentenalters bei 65 Jahren für Frauen und Männer im Auge hat. Und dies, obwohl die Schweizer eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung haben.

Die Schweizer gehen im Vergleich mit anderen europäischen Ländern früh in Rente

Trotz höherer Lebenserwartung gehen Schweizer im europäischen Vergleich früh in Rente

Voraussichtliches Rentenalter im Jahr 2050*

* Norwegen und Schweden haben das Rentenalter abgeschafft; der Alterskorridor bewegt sich zwischen 62 und 75 Jahren in Norwegen und zwischen 61 und 67 Jahren in Schweden (der Referenzwert für eine 100%-Rente liegt bei 67 bzw. 65 Jahren).

Quelle: F.A.Z. (2016), basierend auf Finnish Centre for Pensions, Credit Suisse

Aktuelle BVG-Reformvorschläge in der Übersicht

Im Fokus der Reformen stehen vier Massnahmen:

  1. Reduktion des Mindestumwandlungssatzes
  2. Erhöhung der Beitragssätze
  3. Reduktion des Koordinationsabzugs
  4. Kompensationsmassnahmen für Übergangsgeneration

Eine Reduktion des Mindestumwandlungssatzes ist überfällig, darin sind sich alle Beteiligten einig. Er basiert auf der Annahme einer Lebenserwartung, die 1985 realistisch war. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese jedoch massiv erhöht und wird wohl weiter steigen. Die Erhöhung der Beitragssätze wie auch die Reduktion des Koordinationsabzugs sind Massnahmen, die die BVG-Renten ebenfalls für die meisten Versicherten erhöhen würden. Für die Rentner der Übergangsgeneration, die als Erstes von den Reformen betroffen sind, sehen die Sozialpartner Kompensationsmassnahmen vor. Bei der Finanzierung dieser Kompensationen gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Die effizienteste Massnahme findet sich nicht im Reformpaket

Eine baldige, schrittweise Erhöhung des Rentenalters gehört zu den nachhaltigsten Ansätzen bei der Sicherung der Altersvorsorge. Sie findet sich jedoch bei keinem der Sozialpartner auf der Agenda.