Artikel

Börse in China: Folgt bald die Morgendämmerung?

Chinas Wirtschaft hat 2018 einen starken Ausverkauf chinesischer Aktien erlebt. Doch ein asiatisches Sprichwort erinnert, dass wenn die Nacht am dunkelsten ist, auch der Morgen bereits am nächsten ist. Dürfen wir an der Börse in China auf eine Morgendämmerung hoffen?

Chinas Wirtschaft steht vor vier Herausforderungen

Betrachten wir Chinas vier wichtigste wirtschaftspolitische Herausforderungen und Massnahmen, die von führenden Regierungsvertretern konzertiert angekündigt wurden, um Chinas Wirtschaft und die Kapitalmärkte des Landes nachhaltig zu entwickeln.

Demnach lauten die vier drängendsten wirtschaftspolitischen Herausforderungen wie folgt:

  1. Restrukturierung der Schulden von Kommunen und Staatsbetrieben 
  2. Reduktion der Exportabhängigkeit – weg von «Made in China», hin zu «Invented in China» 
  3. Stärkung der chinesischen Kapitalmärkte, um die Finanzierung der eigenen Wirtschaft zu gewährleisten 
  4. Sicherstellung einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz

Prognosen für die Börse in China stehen gut

Diese Herausforderungen sind weder neu, noch spezifisch für das Reich der Mitte. Doch es gibt gute Gründe anzunehmen, dass China sie erfolgreich meistern wird.

Denn: 

  1. Solange ein Land in eigener Währung finanziert ist, kann es mit einer Mischung aus Fiskal- und Geldpolitik jedes Schuldenproblem lösen. 
  2. China konnte in letzter Zeit erfolgreich einen Grossteil des Schattenbank-Sektors schliessen und seine notleidenden Kredite restrukturieren. 
  3. Es wurden zahlreiche Schritte unternommen, um die Finanzmärkte des Landes besser zu regulieren und nachhaltig zu entwickeln. 
  4. Forschung und Entwicklung sowie Patentschutz und Bildung werden in China auf verschiedenen Ebenen gezielt gefördert. Die Wirtschaftsstrategie «Invented in China» zeigt Früchte, wie auch der jüngste Anstieg der Profitabilität des produzierenden Sektors in China illustriert.
chinas-wirtschaft-zeigt-steigende-profitabilität

Chinas Profitabilität und Produktivität steigen

Quelle: Credit Suisse

Chinas Regierung sieht wirtschaftspolitische Massnahmen vor

Werfen wir noch einen Blick auf die Vielzahl der von der Regierung angekündigten Massnahmen. Sie alle erklären, warum eine Morgendämmerung an der Börse in China in der Luft liegen könnte. Es bewegt sich einiges in Peking – und somit tun sich auch zahlreiche neue Chancen für Käufer chinesischer Aktien auf:

  • Chinas Regierung plant Massnahmen, die eine nachhaltige Erholung der chinesischen Privatwirtschaft und des Aktienmarktes unterstützen. Zudem sollen zusätzliche Massnahmen die Stärkung von Eigentumsrechten sowie den Schutz intellektuellen Eigentums umfassen. Darüber hinaus strebt die Regierung eine einfachere Durchsetzung privatrechtlicher Ansprüche vor unabhängigen Gerichten an, um Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig auf einen Spitzenplatz zu bringen.
  • Banken können in Zukunft Anlagefonds für Privatanleger strukturieren und vertreiben, die direkt in chinesische Aktien oder Obligationen investieren. Zudem müsste durch Vorsorgefonds und Pensionskassenlösungen die Liquidität der chinesischen Kapitalmärkte bald deutlich zunehmen. Angesichts hoher Liquidität und tiefer Marktbewertungen dürfte es für Unternehmen interessant sein, neu Aktienrückkäufe durchführen zu können.
  • Eine in Diskussion stehende Steuerreform würde im Falle der Umsetzung ab Januar 2019 unter anderem Steuerfreibeträge für Privathaushalte erhöhen, ebenso wie Abzüge für Erziehung und Bildung, Hypothekenzinsen und Krankenkassenbeiträge. Die Massnahmen könnten die chinesische Wirtschaftsleistung um bis zu 1 Prozent steigern, indem sie den privaten Konsum erheblich stimulieren. Auch für Unternehmen sind Steuererleichterungen vorgesehen und zwar insbesondere solche, die nachhaltigeres Wachstum fördern.
  • Da die Sorgen um verpfändete chinesische Aktien die Börsen in China doch belasten, kündigte die Regierung schliesslich die Schaffung spezieller Liquiditätsfazilitäten an, die jederzeit die Marktliquidität stützen und temporär in gesunde Unternehmen investieren können.