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Bitcoin, Farinet und die zweifelhafte Chance von Parallelwährungen

Kann der Bitcoin wirklich andere Währungen ersetzen? Die Entwicklungen des alternativen Zahlungsmittels zeigen steil nach oben. Dennoch sollten Anleger vorsichtig damit sein in Bitcoin zu investieren.

Häufig fragen Anleger, ob aus Bitcoin eine echte Alternative zu traditionellen Währungen entstehen kann. Die Frage ist nicht neu, doch der globale Wirbel um Bitcoin eben schon. Seine jüngsten Preisavancen lassen schwindeln.

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Bitcoins kometenhafter Preisanstieg: Blase oder Währungsrevolution?

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Von IOU bis Farinet: Bitcoin ist nicht die erste alternative Währung

Parallelwährungen gab es schon immer. Auch heute gibt es zahlreiche, beispielsweise „IOU’s“ mit welchen in Griechenland oder auch in Kalifornien Staatsangestellte bezahlt werden. Im Kanton Wallis wurde kürzlich in Tourismuskreisen eine Parallelwährung, der „Farinet“, emittiert.

Joseph Samuel Farinet, im 19. Jahrhundert ein Schmuggler und Falschmünzer, war der Legende nach eine Art Robin Hood. Seine gefälschten 20-Rappen-Münzen genossen bei der bäuerlich-gewerblichen Bevölkerung im Unterwallis mehr Vertrauen als das Papiergeld der Kantonalbank, die wegen Fehlspekulationen in eine Krise geraten war. Die Walliser Farinets dürften wohl, damals wie heute, als verklärter Mythos über eine gerechtere Welt, eine Randerscheinung bleiben.

Bitcoin hat Farinet einiges voraus – und könnte trotzdem scheitern

Bitcoin ist eine globale Parallelwährung. Im Unterschied zu traditionellen Währungen wird sie durch keine souveräne Zentralbank geschöpft, sondern durch die Gesamtheit seiner Netzwerkteilnehmer. Sie existiert nur digital und nicht physisch.

„Blockchain“, ihre technologische Basis, ist stark, vielleicht sogar ein „digitaler Goldstandard“. Doch die mit ihr verbundene Legalitäts- und Legitimitätskontroverse wird Bitcoin wahrscheinlich scheitern lassen. Als Tummelplatz für Schwarz- und Fluchtgeld wirkt sie wie ein Anachronismus aus dem 20. Jahrhundert. Das macht sie zur idealen Zielscheibe für politische Sanktionen.

Weil Bitcoin durch keine Notenbank begeben wird, verfügt es auch über wenig Verbündete. Unter Bitcoin wäre eine Rettung des Finanzsystems, wie im Jahr 2008, wegen der fehlenden Transparenz unmöglich gewesen. Deshalb wird sich Bitcoin kaum als globale Anlagewährung etablieren können.

Last but not least untergräbt Bitcoin eine wesentliche Komponente staatlicher Souveränität: nämlich das Monopol, die nationale Währung zu bestimmen. Kurzum: Bitcoin ist kein Supertrend, sondern ein „Schönwettertrend“. Für nachhaltigen Erfolg ist das zu wenig.