Bärenmarkt: angespannter Finanzmarkt in den USA
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Bärenmarkt in den USA fordert Anleger heraus

Die USA sehen sich aktuell mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Während die Inflation ihr Unwesen treibt, drücken die extraorbitanten US-Hypothekarzinsen von 7 Prozent auf die Konsumstimmung. Welche Entwicklung die Credit Suisse für die USA prognostiziert und was der Bärenmarkt für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.

Die Marktlage in den USA bleibt weiterhin angespannt

Das herausfordernde Marktumfeld hält weiter an: Der globale «Reset» von Wirtschaft, Zinsen und Märkten ist noch nicht vorbei. Während Lieferketten, Arbeits- und Energiemärkte gestresst bleiben, gräbt die Inflation Löcher in die Taschen von Wirtschaft und Gesellschaft. In Zeiten wie diesen ist die Volatilität an den Börsen besonders hoch. Und obwohl Erholung und Korrektur oftmals nah beieinander liegen, sprechen derzeit viele Fakten dafür, Vorsicht walten zu lassen:

So ist die Geldpolitik in den USA und Europa unverändert auf Konjunkturdrosselung fixiert, um der Hydra der Inflation Herr zu werden. Das dämpft die Hoffnung auf einen weiteren Anstieg der ohnehin noch hohen Gewinnmargen. Hinzu kommt, dass die gestiegenen Zinsen Aktienanlagen doppelt herausfordern. Denn zum einen erhöhen sie die Kapitalkosten für Unternehmen, Immobilien und Staaten. Die Tatsache, dass 2024 viele grosse Refinanzierungen anstehen, könnte ihre Schatten vorauswerfen. Gleichzeitig belastet die Verdoppelung der US-Hypothekarzinsen auf aktuell über 7 Prozent nicht nur den US-Immobilienmarkt, sondern auch die Konsumstimmung.

Starker Anstieg der US-Zinsen seit 2021

Extraorbitanter Anstieg der US-Zinsen seit 2021

Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System, Yardeni Research
Letzter Datenpunkt: 07.11.2022

Zum anderen markiert der diesjährige Zinsanstieg das Ende von TINA («There is no alternative») – einer Zeit, in der sich im Vergleich zu anderen Anlagen vorwiegend nur noch Aktien gelohnt haben. In den USA zahlen Staatsanleihen wieder über 4.2 Prozent Rendite. Sogar in der Schweiz verzeichnet der S&P Switzerland Investment Grade Corporate Bond Index rund 2.1 Prozent Verfallsrendite. Mit seiner kurzen Duration von 3.8 Jahre scheint dies – zum ersten Mal seit Jahren – wieder eine echte Anlagealternative.

Gut möglich, dass die US-Wirtschaft – ähnlich wie die Schweiz – relativ gut durchkommt. Dafür sprechen gesunde Bilanzen, eine hohe Beschäftigungsquote und die «Rache der Old Economy», also der omnipräsente Investitionsbedarf in Infrastrukturen, ausgelöst durch Krieg, Klima und Deglobalisierung. Mehr noch: Eine Verlangsamung des Tempos der Zinsanstiege könnte dort schon nach der nächsten, im Dezember erwarteten Zinserhöhung folgen.

Und was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger? 

Seit Beginn der Pandemie stiegen die US-Staatseinnahmen um insgesamt 1'300 Milliarden US-Dollar auf einen Rekordstand von 4'900 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber stehen jedoch rekordhohe Ausgaben von 6'300 Milliarden US-Dollar. Die aktuellen Schuldzinsen entsprechen Kapitalkosten von etwa 2 Prozent und sie dürften weiter steigen.

Angesichts der grundsätzlich stabilen Staatsstrukturen rechnet die Credit Suisse für die USA mit einer Entwicklung ähnlich jener in Japan: Ihre Nullzinspolitik über die letzten vierzig Jahre illustriert die paradoxe Erkenntnis, dass in reichen Rechtsstaaten steigende Staatsschulden auf Dauer nicht zu hohen, sondern zu tiefen Zinsen führen. Warum? Je höher die Staatsschulden, desto stärker der Druck auf die Geldpolitik. Denn Geldpolitik ist immer eine Abwägung unterschiedlicher geld- und gesellschaftspolitischer Ziele. Und in letzter Konsequenz steht die Gesellschaftspolitik über der Geldpolitik. Hyperinflation ist hingegen meist das Ergebnis eines staatlich-gesellschaftlichen Zerfalls, wie es beispielsweise in der Weimarer Republik der Fall war oder in jüngerer Zeit in Staaten wie Venezuela, Zimbabwe oder Argentinien.

Anlegerinnen und Anlegerinnen können sich in der Zwischenzeit darauf berufen, dass eine kompetitive Wirtschaft – wie die USA oder die Schweiz – meist flexibler und resilienter ist, als die Pessimisten behaupten. Des Weiteren gilt es die Grundlagen der Anlagestrategie stets vor Augen zu behalten:

  1. Die Wahl der Strategie beeinflusst mehr als 80 Prozent der Performance. Markt-Timing sowie Titelselektion sind diesbezüglich nachgeordnete Einflussfaktoren.
  2. Ein diversifiziertes Portfolio über mehrere Anlageklassen schützt auf Dauer am besten und verschafft das grösste Renditepotenzial.
  3. Je länger der zeitliche Anlagehorizont, desto zuverlässiger treten die Renditeprognosen ein.
  4. Emotionen aussen vor lassen, denn sie sind der grösste Widersacher des Anlageerfolgs. Der Glaube, sich beim Investieren rational zu verhalten gehört zu den häufigen Mythen beim Anlegen und ist oftmals von einer Gefühlsachterbahn begleitet.

Abschliessend lässt sich sagen, dass die Credit Suisse für die kommenden Jahre positivere Kapitalmarktannahmen trifft: Inflation und Zinsen dürften sich ebenso beruhigen wie die Konjunktur. Und auf das garstige Börsenjahr 2022 dürfte ein besseres 2023 folgen.

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