Aktienmärkte im Herbst. Noch keine Zinswende in Sicht.
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Bärenfallen und Bullenmärkte – Anlegen im Herbst

Goldener Herbst oder stürmischer Herbst? Kaufen oder verkaufen? Wenn Bären den Bullen wiederholt Fallen stellen, fragen sich Anleger, wer im Kampf wohl den Sieg tragen davon wird. Ein Ausblick auf die Entwicklung der Aktienmärkte im Herbst.

Anlegen zum richtigen Zeitpunkt: 3 Anhaltspunkte

  1. Historisch waren Phasen mit sehr niedriger Arbeitslosigkeit, steigenden Löhnen, hohem Wirtschaftswachstum und negativen Zinsstrukturkurven oft schlechte Zeitpunkte, um noch Aktien zu kaufen.
  2. Der beste Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen, ist meist die dunkelste Stunde einer Krise. Es ist jener Moment, in dem die Erholung zwar bereits in Sicht, doch die Krise noch am präsentesten ist.
  3. Der beste Zeitpunkt für einen Verkauf ist jene Phase, in der die Wirtschaft unbesiegbar erscheint, wenn Risikoprämien verschwinden und Anleger an den Anbruch eines goldenen Zeitalters glauben. 

Wo stehen die Aktienmärkte aktuell?

An welchem Punkt befinden wir uns gegenwärtig? Wahrscheinlich irgendwo zwischen den beiden Extremen. Die meisten Kriterien deuten darauf hin, dass der seit 2009 anhaltende Bullenmarkt genügend Kondition hat, um noch einige Jahre zu dominieren. Die Risikoprämien sind hoch und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse regionaler Aktienindizes moderat. Im weltweiten Performance-Derby hat vor allem der US-Aktienmarkt alle anderen Märkte abgehängt. Können diese nachziehen? Fundamental spricht vieles dafür. Die Divergenz zwischen wachsenden Gewinnen und leicht tieferen Bewertungen schafft Luft nach oben.

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Aktienregionen im Vergleich

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.
Quelle: Credit Suisse

Wie Bärenfallen die globalen Aktienmärkte täuschen

An den Übergängen von Bullen- zu Bärenmärkten machen uns regelmässig Bärenfallen zu schaffen. Gemeint sind Verkaufssignale, die sich im Nachhinein als Fehlanzeigen entpuppen: Anleger setzen auf sinkende Kurse, tappen allerdings in die Falle, weil der Markt – anders als erwartet – doch nicht fällt. Solche Bärenfallen treten in jedem Bullenmarkt auf. Der aktuelle Bullenmarkt währt bereits neun Jahre und stellte über 60 Bärenfallen.

Wo stehen wir heute? Die jüngsten Herbststürme werden angefacht von der erneuten Sorge, Inflation und Kapitalmarktrenditen könnten schon bald wieder anziehen. Anleger fürchten, dass dies die Gewinnerwartungen und Finanzmarktbewertungen destabilisiert. Tatsächlich löste ein Anstieg der Kapitalmarktrenditen zwischen Ende Januar und Anfang Februar dieses Jahr eine zehnprozentige Korrektur der meisten Aktienmärkte aus. Doch die Aktienmärkte erholten sich wieder. Erst im September ging ein vergleichbarer Anstieg der globalen Kapitalmarktrenditen sogar mit einem Anstieg der globalen Aktienmärkte einher.

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Bärenfallen stellte der aktuelle Bullenmarkt in den letzten neun Jahren.

Prognose für die Schweizer Aktienmärkte

Auch Zinswenden können unterschiedlich interpretiert werden. Deshalb ist eine ganzheitliche Sichtweise so wichtig. Zinswenden wirken «bullish», wenn sie auf eine wirtschaftliche Beschleunigung deuten. Und sie wirken «bearish», wenn sie eine Überhitzung signalisieren.

Entscheidend für den Übergang von einem Bullen- zu einem Bärenmarkt ist meist eine Rezession oder ein struktureller Anstieg der Inflation. Beides scheint sowohl in den Industrieländern als auch in China aktuell extrem unwahrscheinlich zu sein. Auch der Schweizer Wirtschaft attestieren die Vorlaufindikatoren weiterhin gute Gesundheit.

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Schweizer PMI signalisiert weiteres Wachstum

Jahreswachstumsraten BIP und Trendwachstum des Einkaufsmanagerindex (PMI)
Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), procure.ch, Credit Suisse

Fünf Gründe für eine Zinswende beleuchtet

  1. Die Diskrepanz zwischen dem nominellen Wirtschaftswachstum und dem Zinsniveau ist zu gross. Im Gleichgewicht sollten sich Zinsen und Wachstum tendenziell annähern. Märkte sind jedoch selten im Gleichgewicht.
  2. Grosse Sorgen haben Anleger besonders vor einer möglichen Lohninflation. Doch eine systematische Inflationsindexierung von Löhnen ist in weiter Ferne. Zugleich verschafft die Digitalisierung Arbeitgebern einen wirkungsvollen Verhandlungsvorteil gegenüber Arbeitnehmern.
  3. Die Reduktion von Notenbankbilanzen wird in Verbindung mit steigenden Leitzinsen oft als möglicher Auslöser der nächsten Rezession dargestellt. Bislang ist allerdings nichts davon in den Unternehmensgewinnen oder Kapitalkosten erkennbar.
  4. Ein scheinbar unkontrollierter Expansionspfad der Staatsschulden deutet auf eine Zinswende hin. Doch unausgeglichene Staatshaushalte sind extrem langfristige Phänomene.
  5. Befürchtungen bestehen, dass China oder Japan einen Teil ihrer erheblichen Bestände an amerikanischen Staatsanleihen auf den Markt werfen. Die jüngsten Daten der US-Notenbank belegen jedoch, dass die ausländischen Positionen in US-Staatsanleihen während der letzten zwölf Monate fast unverändert geblieben sind.

Kurzum: Wir rechnen mit Bärenfallen, erwarten aber keinen Bärenmarkt. Es ist ratsam, sich sowohl auf die stürmischen als auch auf die goldenen Tage des Herbstes einzustellen.