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Ausblick Schweiz: starke EU und schwacher Franken stützen Wachstum

Die Schweizer Wirtschaft wird 2018 weiter wachsen. Dabei unterstützen die Stärke der Eurozone sowie der schwächere Franken die Konjunktur. Getrieben wird das Wachstum insbesondere durch den Export aus der Schweiz. Immobilien werden dagegen zunehmend zur Hypothek.

Dank eines Superzyklus, der von hoher Zuwanderung und einem Immobilienboom befeuert wurde, blieb die Schweiz von den wirtschaftlichen Turbulenzen nach 2007 weitgehend unberührt. Trotz des viel stärkeren Frankens leisteten die führenden Schweizer Exportunternehmen, allen voran diejenigen aus dem Pharmasektor, einen Beitrag zu einem robusten Wachstum. Doch die beiden wichtigen Wachstumsmotoren – Zuwanderung und der Immobilienzyklus – werden voraussichtlich an Schwung verlieren.

Die Nettozuwanderung hat bereits den tiefsten Stand seit Unterzeichnung des Freizügigkeitsabkommens mit der EU im Jahr 2007 erreicht, was grösstenteils auf die bessere Arbeitsmarktlage in den europäischen Herkunftsländern zurückzuführen ist. Dieser Trend dürfte fortbestehen. Sollte die Zuwanderungsquote in der Schweiz wieder auf den langfristigen Durchschnitt sinken, würde das BIP-Wachstum schätzungsweise 0.1 bis 0.2 Prozentpunkte schwächer ausfallen als in den Spitzenjahren.

Wohnimmobilien werden eine Belastung darstellen

Ein geringeres Bevölkerungswachstum, eine hohe Verschuldung der Privathaushalte, eine restriktivere Hypothekenvergabe und das wachsende Überangebot von Wohnimmobilien stellen den Immobiliensektor vor grosse Herausforderungen. Schätzungen der Credit Suisse zufolge werden derzeit jedes Jahr zwischen 5’000 und 6’000 überschüssige Wohnungen gebaut, was rund 10 Prozent der Neubauaktivität entspricht.

Die Streichung dieses «Überschusses» würde das BIP um knapp 0.5 Prozent senken. Angesichts voller Auftragsbücher dürfte der Bausektor das BIP-Wachstum dennoch auch 2018 weiter unterstützen. In den Folgejahren werden die Normalisierung der Bautätigkeit und eine Korrektur des Überangebots das Wachstum belasten.

bip-wachstum-schweiz-und-beitrag-des-bausektors

Der lange Aufwärtstrend im Immobilienzyklus endet

Reales BIP-Wachstum und Wachstumsbeitrag des Bausektors in % zum Vorjahr
Quelle: Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 2016

Exporterholung kann dies teilweise kompensieren

Die Schweizer Exportchampions sind gegen Rückschläge nicht gefeit. Sie sind mit dem Risiko staatlicher Eingriffe konfrontiert, wenn sich Regierungen Sorgen über steigende Kosten im Gesundheitswesen machen. Allerdings sind die Exportaussichten dank der Wachstumsstärke und der Franken-Schwäche insgesamt positiv.

Aufgrund der geringeren Nachfrage nach Währungen, die als sichere Häfen gelten, dürfte der Franken auch nicht aufwerten. Allerdings machen Exporte auch in der sehr offenen Schweizer Wirtschaft nur knapp 40 Prozent des BIP aus. Nachhaltige Wohlstandsgewinne erfordern ein stärkeres Produktivitätswachstum in binnenwirtschaftlich orientierten Sektoren, die weiterhin vor Konkurrenz geschützt und daher weniger effizient sind.