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"Anleger haben gute Gründe zuversichtlich zu sein"

An der diesjährigen Credit Suisse Investment Conference sprachen Experten und Anleger über Trends, Gefahren und Chancen im Anlagebereich. Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer Schweiz, gab einen Ausblick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. Was die Börse bewegt und wie die Konjunktur weitergeht.

Die Weltwirtschaft dürfte 2019 weniger wachsen

"Im Grossen und Ganzen geht es Wirtschaft und Börse gut", eröffnet Burkhard Varnholt* seine Rede auf der Bühne der Credit Suisse Investment Conference. Nichtsdestotrotz schüren Medienberichte und aktuelle Wachstumsprognosen bei den Anlegern Ängste vor einer Rezession. Denn die Wirtschaft soll 2019 weniger wachsen als im letzten Jahr. Für Varnholt ist aber klar: 2018 Jahr war ein Rekordjahr. Die Steuerreform in den USA führte zu einer Ausschüttung von hohem Investitionsbedarf. Nun haben sich die Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds von 3,7 Prozent auf 3,5 Prozent reduziert. 3,5 Prozent seien aber immer noch viel, betont Varnholt.

Für ihn lauten die drei wichtigsten Fragen, die Anleger derzeitig beschäftigen:

  • Wie geht es mit der Konjunktur weiter?
  • Was bedeutet der Handelskonflikt zwischen den USA und China für die Wirtschaft?
  • Was kann von der Börse 2019 erwartet werden?

"Die Konjunktur zeigt keinen Anschein einer Rezession"

Trotz Wachstumsverlangsamung sei eine Rezession eher unwahrscheinlich, davon ist der CIO Schweiz der Credit Suisse überzeugt. Denn von den Anzeichen einer solchen seien wir weit entfernt:

Die Arbeitslosigkeit war lange nicht so tief wie heute, die Einkommen sind gestiegen, die Inflation bleibt dank starkem Wettbewerb tief. Zudem ist die Kapitalverfügbarkeit bei geringen Zinsen gross. Dies führt zu einer Überkapitalisierung der Banken: «Wer heute Kapital von einer Bank benötigt, der hat in der Regel kein grosses Problem, Kapital zu mobilisieren», bestätigt Varnholt. Hinzu komme, dass die Staatsfinanzen in der Schweiz exzellent seien. Und auch in den USA und Europa sind die Zinsen schneller gefallen, als die Schulden gewachsen sind.

Kurz und knapp: Die Unternehmensbilanzen und der Konsum sind gesund. Infolge der tiefen Inflation sowie der tiefen Zinsen können sowohl Bauwirtschaft als auch Export in der Schweiz florieren. Die Schweiz bleibt auch in Zukunft international wettbewerbsfähig.

Bedeutung des Handelskonflikts für die Weltwirtschaft

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist vielen Unternehmern, aber auch Anlegern ein Dorn im Auge. In erster Linie stelle dieser jedoch keine Gefahr für die Weltwirtschaft dar, so Burkhard Varnholt. Denn die heutige Wirtschaft sei mit einem Anteil von 70 Prozent eine Dienstleistungswirtschaft. Der Handelskonflikt wiederum betreffe diesen Sektor kaum. Natürlich sei der Konflikt für betroffene Unternehmen dramatisch, das bestreitet Varnholt nicht, für die Mehrheit aber sei er ungefährlich.

Der US-chinesische Handelskonflikt ist keine Gefahr für die Weltwirtschaft.

Burkhard Varnholt

Was Anleger von der Börse erwarten dürfen

Summa summarum könne gesagt werden: Trotz geopolitischer Unsicherheiten sei es der Börse seit zehn Jahren gut ergangen, wenn auch mit Rückschlägen, wie beispielsweise im letzten Jahr. Das soll sich auch 2019 nicht ändern. Burkhard Varnholt ist überzeugt: «Anleger haben gute Gründe, zuversichtlich zu sein.» Denn die Weltwirtschaft wachse weiter, wenngleich etwas weniger schnell.

Kurzfristig mache es Sinn, Aktien gegenüber Anleihen aufzuwerten. Die Fed plant 2019 die Wirtschaft zu stimulieren, um eine höhere Inflation zu erreichen. Geduld würde sich für Schweizer Anleger demnach auszahlen. Insbesondere die zweite Hälfte des Jahres biete Anlegern mit ausgeglichenen, global diversifizierten Portfolios Chancen. «2019 kann für Schweizer Anleger nicht nur ein deutlich besseres Jahr als 2018 werden, sondern möglicherweise ein überraschend positives.»