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Anlegen im September: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die Schweizer Wirtschaft wächst robust weiter. Gegenüber Staatsanleihen bleiben wir vorsichtig und bevorzugen weiterhin Schweizer Aktien sowie Anleihen aus Schwellenländern.

Schwerpunkte bei Schweizer Aktien und Schwellenmärkten

Während wir nach der starken Berichtssaison unsere positive Einschätzung für globale Aktien beibehalten, bewerten wir Aktien aus Grossbritannien nun neutral. Dagegen bestätigen wir unsere Präferenz für Schwellenländer und die Schweiz gegenüber der Eurozone.

Im Anleihensegment bleiben wir vorsichtig in Bezug auf Staatsanleihen. Hingegen sind Schwellenländer- und Wandelanleihen übergewichtet. Des Weiteren schätzen wir Hedge-Fonds und Immobilien weiterhin neutral und Rohstoffe aufgrund der soliden Wirtschaft positiv ein.

Konjunktur: Schweizer Wachstum weiterhin robust

Gute Nachrichten von der Schweizer Wirtschaft: Offenbar kann die Schweizer Wirtschaft das hohe Wachstumstempo in den Herbst 2018 mitnehmen. Die Risiken der Türkeikrise sind vor allem indirekter Natur, gehen doch weniger als 1 Prozent der Schweizer Exporte in die Türkei.

Der Zerfall der türkischen Lira hat die Sorgen vergrössert, dass Handelsstreitigkeiten und politische Risiken die Weltkonjunktur abwürgen könnten. Die Ansteckungsrisiken der türkischen Krise sind aber selbst für Europa gering: Nur 3 Prozent der europäischen Exporte gehen in die Türkei. Auch die vergleichsweise starke Exposition des Bankensektors in Spanien, Frankreich und Italien gegenüber der Türkei sollte kein übermässiges Risiko für die ansonsten robuste konjunkturelle Lage in Europa darstellen.

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Türkei ist kein wichtiger Exportreiber für die EU

Quelle: Eurostat, Credit Suisse

Obligationen: Kurze Laufzeiten bei Anleihen weiterhin bevorzugt

Politische Unsicherheit hat die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen erneut ansteigen lassen. Dies wird kurzfristig die Zinsen zurückhalten. Die robuste Wirtschaftsentwicklung und die damit einhergehende Normalisierung der Geldpolitik könnte jedoch schrittweise zu steigenden Obligationenrenditen führen. Wir bevorzugen daher Obligationen mit kurzen Laufzeiten, da diese weniger sensitiv auf Zinsänderungen reagieren, und sehen mehr Potenzial bei Unternehmensanleihen als bei Staatsanleihen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat trotz des jüngsten Aufwertungsdrucks auf den Schweizer Franken nicht am Devisenmarkt interveniert. Die Sichtguthaben der Banken bei der SNB steigen seit mehr als einem Jahr nicht mehr an. Auch andere Zentralbanken halten am Normalisierungspfad fest: Die US-Notenbank dürfte in diesem Jahr zwei weitere Zinserhöhungen vornehmen und die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Anleihenkäufe Ende Jahr beenden.

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SNB interveniert nicht mehr im Devisenmarkt

Quelle: SNB, Credit Suisse

Währungen: Abwertungsrisiken für Währungskurse

Der US-Dollar profitiert vom grossen Vorsprung der US-Zinsen. Doch angesichts der Wachstumserholung in Europa und der soliden Schweizer Konjunktur sehen wir sein Aufwertungspotenzial als begrenzt an. Der Schweizer Franken dürfte zudem weiter als sicherer Hafen in Zeiten politischer Unsicherheit fungieren. Der Dollar-Franken-Kurs sollte in einer breiten Handelsspanne um 0,97 bleiben. Wir erwarten aber eine Abwertung des Kurses über zwölf Monate auf 0,94.

Sorgen um die Folgen der Krise in der Türkei für europäische Banken liessen den Euro markant gegenüber dem Schweizer Franken abwerten. Zudem stellt der ungewisse italienische Haushaltsprozess im Herbst ein Abwertungsrisiko für den Euro-Franken-Kurs dar. Mittelfristig sollte der solide Konjunkturausblick im Euroraum den Euro jedoch stützen, sofern die Wirtschaft erwartungsgemäss rund 2 Prozent wächst und die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter normalisiert. Wir erwarten den Euro-Franken-Kurs über drei Monate in einer Spanne unter 1,17.

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Steigende italienische Risikoprämie lastet auf dem Euro-Franken-Kurs

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Aktien: Schweizer Aktien bieten mehrere Vorteile

Wir behalten unsere positive Einschätzung für Aktien bei, da wir weiterhin von einem anhaltend globalen Wirtschaftswachstum ausgehen. Die als Folge überaus robusten Unternehmensgewinne stützen die Märkte. Wir sind uns aber der Risiken bewusst, die von den Handelskonflikten und anderen negativen Schocks ausgehen könnten. Wir empfehlen daher eine Mischung aus defensiven und Wachstumsaktien. Bei den Märkten haben wir Übergewichte in der defensiven Schweiz und den wachstumssensitiveren Schwellenländern.

Der vergleichsweise defensive Schweizer Aktienmarkt gehört derzeit zu unseren Favoriten. Innerhalb des Marktes bevorzugen wir einerseits Finanzwerte. Andererseits mögen wir klein- und mittelkapitalisierte Nebenwerte, die vom robusten Schweizer und vom globalen Wirtschaftswachstum profitieren. Auch die Dividenden vieler Schweizer Aktien scheinen uns attraktiv, insbesondere wenn die Renditen von Anleihen als Vergleichsbasis herangezogen werden.

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Starke Konjunktur stützt Schweizer Nebenwerte

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Weiterhin positiv, Risiken sind jedoch hoch

Beinahe alle Rohstoffmärkte blieben angesichts der eskalierenden Handelsspannungen und Sorgen um China unter Druck. Die jüngste Preiskorrektur impliziert allerdings eine starke Konjunkturabkühlung, was nicht unserem Basisszenario entspricht. Wir halten daher an unserer insgesamt positiven Einschätzung fest.

Bis zur Entspannung an der Handelsfront wird es aber wohl noch einige Zeit dauern, ebenso bis die angekündigten wirtschaftspolitischen Lockerungsmassnahmen in China die Nachfrage markant stützen.

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Rohstoffpreise seit Jahresmitte wieder schwächer

Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Preise für Wohneigentum mit solidem Wachstum

Das Preiswachstum bei Wohneigentum hält in der Schweiz an. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnten die Preise für Eigentumswohnungen im 2. Quartal um 3 Prozent zulegen. Das Plus bei Einfamilienhäusern fiel mit 2,6 Prozent nur unwesentlich geringer aus.

Dank der guten konjunkturellen Lage, der nach wie vor tiefen Hypothekenzinsen sowie einer rückläufigen Neubautätigkeit erwarten wir auch in den kommenden Quartalen einen Preisanstieg. Dieser dürfte aber etwas hinter den jüngst verzeichneten Wachstumsraten zurückbleiben.

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Reges Preiswachstum von Schweizer Wohneigentum

Quelle: Wüest Partner, Credit Suisse