Anlegen im September: Unsere Einschätzungen in Kürze
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Anlegen im September: Unsere Einschätzungen in Kürze.

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die Stimmung Letzterer hellte dank der sich erholenden Aktienmärkte in den vergangenen Wochen etwas auf. Ob der Einsturz damit überwunden ist, bleibt aber ungewiss. Eindeutigere Prognosen können zum Wirtschaftswachstum bestimmt werden: Dieses dürfte 2023 lediglich 1 Prozent betragen.

Schwaches Wachstum an den Finanzmärkten verlangt Risikoreduzierung

Die Aktienmärkte haben in den letzten Wochen eine starke Erholung erfahren, und die Anlegerstimmung hat sich verbessert. Die Befürchtung ist jedoch, dass der Aufwärtstrend nur von kurzer Dauer sein könnte. Der Wirtschaftsausblick hat sich weiter eingetrübt und dürfte in den nächsten Quartalen auf die Unternehmensgewinne durchschlagen. Eine Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank (Fed), um die Wachstumsschwäche zu kontern, dürfte unwahrscheinlich sein. Die Inflation scheint zwar den Zenit überschritten zu haben, bleibt aber weiterhin viel zu hoch. Die Credit Suisse reduziert daher das Risiko in ihren Portfolios, indem sie ihr Aktienübergewicht schliesst.

Konjunktur: Die Gaskrise trifft auch die Schweiz

Die aktuellen Inflationswerte schmälern die Einkommen der Haushalte, was die Konsumentenstimmung trübt – das dämpft die Nachfrage. Die Perspektiven für die meisten Unternehmen sind ebenfalls unerfreulich, zumal sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern und Rezessionsängste auf die Stimmung drücken. Das weltweite Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte im kommenden Jahr lediglich um 1.7 Prozent wachsen, nach 2.7 Prozent in diesem Jahr. Zudem laufen die Eurozone und Grossbritannien Gefahr, in eine Rezession abzugleiten.

Zwar ist die Schweiz für eine Gasmangellage weniger anfällig als ihre europäischen Nachbarn, gegenüber Preisanstiegen und Rationierungen ist sie aber bei Weitem nicht gefeit. Sollten die Gaslieferungen aus Russland vollständig ausfallen oder der Gaspreis dauerhaft hoch bleiben, sind Produktionsausfälle wahrscheinlich. Unabhängig von den weiteren Entwicklungen am Gasmarkt dürfte die Exportindustrie bald die Eintrübung der Konjunktur im Euroraum zu spüren bekommen. Entsprechend wird für das kommende Jahr in der Schweiz nur mit einem Wirtschaftswachstum von 1 Prozent gerechnet.

Konjunktur: Schweizer Gasverbrauch ist geringer als jener von Deutschland

Die Schweiz verbraucht weniger Gas als Deutschland

Quelle: Bundesamt für Energie (BFE), Statistisches Bundesamt Deutschland, Umweltbundesamt Deutschland, Credit Suisse

Zinsen: Zentralbanken bleiben auf Zinserhöhungskurs

In den USA sollte die Inflation ihren Höhepunkt zwar überschritten haben. Die angespannte Lage am Arbeits- und am Wohnimmobilienmarkt dürfte aber dafür sorgen, dass sie mindestens bis Ende 2023 über der Marke von 3 Prozent verharrt. In Europa steht der Inflationszenit wohl erst noch bevor. Entsprechend wird damit gerechnet, dass die jeweiligen Zentralbanken an ihren Zinserhöhungen festhalten werden. Auch in der Schweiz dürfte die Zentralbank den Leitzins weiter erhöhen – im September sollte dieser erstmals seit rund acht Jahren wieder positiv sein.

Zinsen und Obligationen: steigende Leitzinsen

Die Leitzinsen steigen weiter

Quelle: Datastream, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: Juli 2022, danach Prognose Credit Suisse

Währungen: Der Schweizer Franken wertet gegenüber dem Euro auf

Die höhere Inflation in der Eurozone sowie ihr verstärktes Wirtschaftsrisiko wertete den Euro in der zweiten Augusthälfte gegenüber dem Schweizer Franken ab. Der EUR/CHF-Wechselkurs durchbrach das Paritätslevel, also das Momentum, in dem ein Euro einem Schweizer Franken entspricht. Eingependelt hat sich der Wechselkurs bei 0.97. Eine Umkehrung des Trends zur Schweizer-Franken-Stärke ist vorerst nicht zu erwarten. Diesbezüglich stellt die Eigenschaft des Schweizerfrankens als «sicherer Hafen» im aktuell schwierigen globalen Wirtschaftsumfeld einen Vorteil dar.

Währungen: Der Schweizer Franken wird stärker

Finanzmärkte: Der Schweizer Franken wird stärker

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 12.08.2022

Aktien: Reduktion der Aktienquote nach Erholung

Die Aktienmärkte erholten sich in den letzten Wochen deutlich und auch die Anlegerstimmung hellte etwas auf. Mittlerweile scheint die Marktstimmung indes wieder vergleichsweise optimistisch zu sein, während sich die Konjunktur- und damit die Gewinnaussichten für die Unternehmen langsam eintrüben. Entsprechend hat die Credit Suisse die Aktienquoten jüngst reduziert. In den Industrieländern werden weiterhin Aktien aus den USA bevorzugt, während China der Favorit unter den Schwellenländern ist.

Aktien: Anlegerstimmung erholt sich von tiefem Niveau

Anlegen: Die Anlegerstimmung erholt sich von tiefem Niveau

Quelle: Refinitiv, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 11.08.2022

Rohstoffe: Märkte bleiben unruhig

Die Rohstoffindizes haben in den letzten Wochen insgesamt nachgegeben. Ein saisonaler Peak am Ölmarkt und Wachstumssorgen liessen die Ölpreise sinken. Währenddessen stiegen die Gas- und Strompreise weiter an und auch die Versorgungslage bleibt äusserst knapp und fragil. Aus Inflationssicht dürfte der jüngste Rückgang der Agrarpreise etwas helfen, wobei die Zentralbanken weiterhin die Zinsen erhöhen. Letzteres wiederum schmälert das Potenzial für einen Anstieg des Goldpreises.

Rohstoffe: Märkte verzeichnen sinkende Ölpreise

Finanzmärkte: Ölpreise notieren etwas tiefer

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 12.08.2022

Immobilien: Hohe Wohnungsnachfrage führt zu steigenden Mieten

Sämtliche Mietpreisindizes steigen derzeit an, weil eine rückläufige Bautätigkeit auf eine konjunktur- und zuwanderungsbedingt hohe Nachfrage trifft. Sogar die Mieten der online angebotenen Wohnungen, welche zuvor fünf Jahre lang eine sinkende Tendenz aufgewiesen haben, legen zu. Mieter mit bestehenden Verträgen spüren den Aufwärtstrend hingegen erst bei den Nebenkosten. Sie müssen jedoch ab Ende 2023 mit einem Anstieg des Referenzzinssatzes und damit mit bis zu 3 Prozent höheren Nettomieten rechnen.

Immobilien: Die Mietpreise auf dem Schweizer Immobilienmarkt steigen

Die Mietpreise auf dem Schweizer Immobilienmarkt steigen

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Wüest Partner, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 2. Quartal 2022

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