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Anlegen im September: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die Finanzmärkte erholen sich langsam, aber sicher von der Wirtschaftskrise. Schweizer Aktien bieten dabei gute Chancen.

Zyklische Positionierung, aber risikobewusst

Aktien bieten unseres Erachtens weiter attraktives Renditepotenzial, aber verschiedene Risikofaktoren wie die Unsicherheit über die (fiskal-)politische Situation in den USA, ihr Handelskonflikt mit China oder eine Verlangsamung der Konjunkturerholung im Herbst könnten zu temporären Rückschlägen führen. Daher belassen wir die Aktienallokation vorerst auf dem strategischen neutralen Niveau und empfehlen klein und mittelgross kapitalisierte Schweizer Unternehmen und deutsche Aktien. Zur zyklischen Portfolioausrichtung tragen dabei Übergewichte bei Rohstoffen, Investment-Grade- und Schwellenländeranleihen in Hartwährung bei.

Konjunktur: Schweizer Industrie erholt sich von Einbruch

Die globale Industrieproduktion erholt sich derzeit in historisch einzigartigem Tempo, nachdem sie zuvor aufgrund der Lockdown-Massnahmen in noch nie gesehenem Ausmass eingebrochen ist. Die Detailhandelsumsätze liegen vielerorts bereits über den Ständen von vor der COVID-19-Krise. Der weitere Verlauf der Erholung dürfte aber schleppend verlaufen. Denn Unternehmen bleiben bei Wieder- und Neuanstellungen sowie bei den Investitionen vorsichtig, während wiederholte Virusausbrüche sowie Reisebeschränkungen das Wachstumspotenzial dämpfen.

Währenddessen hat auch die Schweizer Industrie den Einbruch vom Frühjahr grösstenteils wieder wettgemacht. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie notiert erneut auf dem Stand vom Februar, und die Produktion nimmt wieder verbreitet zu. Indessen bleibt die Arbeitsmarktlage laut der PMI-Umfrage vom Juli angespannt, obwohl die Kurzarbeit weiter rückläufig ist. Im Juli waren nur noch 16 Prozent der Belegschaft von Kurzarbeit betroffen – deutlich weniger als im Mai mit 28 oder im Juni mit 27 Prozent.

Industrieproduktion in der Schweiz erholt sich

Letzter Datenpunkt: Juli 2020
Quelle: procure.ch, Credit Suisse

Zinsen: Leitzinsen bleiben noch länger unverändert

Die Zentralbanken stellen unter anderem mittels Anleihenkäufen weiterhin reichlich Liquidität zur Verfügung. Nicht im Fokus stehen Zinssenkungen, denn die Leitzinsen sind praktisch überall bereits bei null oder sogar negativ. Vorerst ebenfalls unwahrscheinlich ist, dass die US-Notenbank gewisse Zinskurvensegmente direkt steuert, wie die Bank of Japan dies tut. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte bis auf Weiteres ihren Leitzins unverändert belassen. Solange sich der Euro hält, sind keine Devisenmarktinterventionen nötig.

Leitzinsen bleiben um null Prozent

Letzter Datenpunkt: 16.08.2020
Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: SNB limitiert Aufwertungspotenzial des Schweizer Franken

Dank der Einigung in der Debatte um den EU-Wiederaufbaufonds konnte der Euro gegenüber dem Schweizer Franken wieder Boden gutmachen. Gleichzeitig sollte die globale wirtschaftliche Erholung der eher zyklischen Gemeinschaftswährung zugutekommen. Eine Eskalation von geopolitischen Risiken, die den Schweizer Franken stärken würde, scheint uns momentan eher unwahrscheinlich. Demensprechend erwarten wir einen gegenüber dem Euro noch etwas schwächeren Schweizer Franken. Im Risikofall würde die SNB eine zu rasche Aufwertung des Schweizer Franken mittels Devisenmarktinterventionen bekämpfen.

Euro profitiert von Einigung auf EU-Wiederaufbaufonds

Letzter Datenpunkt: 17.08.2020
Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Aktien: Berichtssaison besser als vermutet

Nachdem die Gewinnerwartungen als Folge der COVID-19-Pandemie markant nach unten angepasst wurden, schlugen sich die Unternehmen letzten Endes besser als befürchtet. Während die Auswirkungen auf die Gewinne zyklischer Unternehmen nach wie vor schwerwiegend sind, haben insbesondere Firmen aus dem Technologie- und Gesundheitsbereich überzeugt. Auf regionaler Ebene konnten sich vor allem Unternehmen hierzulande gut behaupten, weshalb wir unsere positive Einschätzung für Schweizer Aktien abermals bestätigen.

Gewinn pro Aktie brach weniger ein als erwartet

Letzter Datenpunkt: 11.08.2020
Quelle: FactSet Estimates, Credit Suisse

Rohstoffe: Gold erklimmt Allzeithoch

Die Rohstoffpreise haben ihre Erholung fortgesetzt. Gold hat dabei einen neuen Höchststand erreicht, sowohl in US-Dollar als auch in Schweizer Franken gemessen. Anhaltend fallende US-Realzinsen und ein schwächerer US-Dollar haben dazu beigetragen. Während eine kurzfristige Verschnaufpause möglich scheint, bleibt der Ausblick positiv, denn das Zins- und Währungsumfeld dürfte weiterhin starke Investorenflüsse anziehen. Die Ölpreise bleiben ebenfalls gestützt. Allerdings wird es noch bis ca. Mitte 2021 dauern, bis sich die Lager normalisiert haben.

Allzeithoch des Goldpreises

Letzter Datenpunkt: 17.08.2020
Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Mietwohnungsbau von Corona wenig betroffen

Die COVID-19-Krise hat auch bei den Projektentwicklern für Verunsicherung gesorgt. Im zweiten Quartal 2020 wurden gemäss Baugesuchen 18% weniger Mietwohnungen geplant als im Vorjahresquartal. Die Zahl dürfte jedoch überzeichnet sein, da einige Kantone während des Lockdowns die Baugesuche nicht vollständig gemeldet haben. Vorerst aber dürfte die Bautätigkeit hoch bleiben. Die Gesuche haben sich bereits im Juni leicht erholt, und die Anzahl bewilligter Mietwohnungen ist zuletzt wieder gestiegen.

Coronabedingter Rückgang bei den Baugesuchen

Letzter Datenpunkt: Juni 2020
Quelle: Baublatt, Credit Suisse

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