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Anlegen im Oktober: unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte sowie die Implikationen für Anleger: Die US-Finanzmärkte schneiden in diesem Jahr gut ab. Defensive Märkte wie die Schweiz gewährleisten dagegen Risikodiversifikation.

Wachstumsorientierte Anlagestrategie bleibt weiterhin attraktiv

Die empfohlene Anlagestrategie reflektiert weiterhin unsere positiven Erwartungen bezüglich des globalen Wachstums. Wir bleiben deshalb bei einer Übergewichtung von Aktien und Rohstoffen. Neben dem Heimmarkt erwarten wir auch bei Schwellenländeraktien nach den jüngsten Rückschlägen eine überdurchschnittliche Performance.

Bei Eurozonenaktien sind wir hingegen eher vorsichtig. Festverzinsliche Anlagen beurteilen wir weiterhin insgesamt mit Untergewichten, mit einer Präferenz für Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. Für Rohstoffe haben wir momentan keine Sektorpräferenz. 

Konjunktur: Die US-Finanzmärkte sind im Zyklus voraus

Der globale Aufschwung sollte sich trotz Handelskonflikten, der Fragilität einiger Schwellenländer und politischer Unsicherheiten in Europa fortsetzen. Denn die Löhne steigen und die Unternehmen investieren rege. Aufgrund knapper Kapazitäten ist mit einer graduell anziehenden Inflation zu rechnen. Im Gegensatz zu Europa hat in den USA die Teuerung inzwischen das Ziel der Notenbank wieder erreicht.

In der Schweiz nahm das reale Bruttoinlandprodukt im zweiten Quartal 2018 gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent zu. Die Ausgangslage für den Exportsektor präsentiert sich aber nicht mehr ganz so vorteilhaft: Unser Exportbarometer ist jüngst gesunken. Der Schweizer Franken neigt zur Stärke und die Überauslastung in der Industrie scheint bereits abzunehmen.

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Exportbarometer taucht ausgehend von Höchststand

Quelle: PMIPremium, Datastream, Credit Suisse

Obligationen: kurze Laufzeiten im Heimmarkt bevorzugt

Die Anleihenmärkte bewegen sich nach wie vor im Spannungsfeld zwischen robuster Konjunktur und politischen Unsicherheiten. In Anbetracht der Aufwertungsschübe des Schweizer Frankens dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) vorsichtig vorgehen und mit Devisenkäufen wie auch einem ersten Zinsschritt warten, bis die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits einen Zinsschritt vorgenommen hat. Dies sollte im Herbst 2019 der Fall sein.

Dennoch rechnen wir mit einem allmählichen Anstieg der Anleihenrenditen und bevorzugen bei Schweizer-Franken-Anleihen kurze Laufzeiten. Unternehmensanleihen mittlerer Qualität bieten eine moderate Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen. Schwellenländeranleihen sind nach den jüngsten Rückschlägen wieder attraktiv. 

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Die Finanzmärkte rechnen mit einer späten Zinserhöhung der SNB

Quelle: Bloomberg

Währungen: Schweizer Franken dürfte zum US-Dollar in enger Spanne bleiben

Der Dollar-Franken-Kurs hat in den vergangenen zwei Monaten etwas aufgewertet. Kurzfristig orientierte Anleger setzen aber trotz der jüngsten Franken-Gewinne eher auf eine Aufwertung des Dollars gegenüber dem Schweizer Franken. Auf drei Monate erwarten wir eine leichte Abwertung des Schweizer Frankens in Richtung 0.98.

Unsicherheiten in den Schwellenmärkten und der europäischen Politik stellen weiterhin Aufwertungsrisiken für den Schweizer Franken dar, zumal bald das brisante Budgetverfahren in Italien beginnt. Demgegenüber ist die Wachstumsstabilisierung in der Eurozone für den Euro ein Pluspunkt. Kurzfristig sehen wir jedoch wenig Aufwärtspotenzial für den Euro.

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Der Euro-Franken-Kurs schwankt mit italienischer Risikoprämie

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Aktien: Der US-Aktienmarkt hat in diesem Jahr gut abgeschnitten

Die eher defensive Ausrichtung des Schweizer Marktes mit einem hohen Anteil an Branchen wie der Pharmaindustrie sollte in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld ein Vorteil sein. Weil die Schweizer Wirtschaft aber stark globalisiert ist, können sich Schweizer Unternehmen dem globalen Umfeld nicht entziehen.

Hingegen hat der US-Aktienmarkt dieses Jahr deutlich besser abgeschnitten als Europa und allgemein die Schwellenländer. Angesichts der zahlreichen Risiken macht es jedoch Sinn, eine eher defensive Länder- und Sektorgewichtung zu verfolgen. Deshalb bleiben wir für den Heimmarkt positiv. Anleger sollten aber mit andauernden Schwankungen rechnen. Bei den Schwellenmärkten erwarten wir nach den Rückschlägen eine Erholung.

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Höheres Gewinnwachstum im Gesundheitswesen erwartet

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe leiden unter dem starken US-Dollar

Die Unsicherheit bleibt auch an den Rohstoffmärkten hoch. Positionierungsdaten zeigen einen markanten Pessimismus an praktisch allen Rohstoffmärkten, den wir aufgrund unserer positiven Wachstumserwartungen aber nicht teilen.

Geopolitische Elemente scheinen zurzeit jedoch die Oberhand zu haben und die Wachstumssorgen überwiegen. Allerdings vermag Gold trotz dieser Sorgen ebenfalls nicht zu glänzen – dies wohl aufgrund der anhaltenden Stärke des US-Dollars und der verhaltenen physischen Nachfrage.

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Gold leidet unter starkem US-Dollar

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Abschlussmieten sinken erstmals seit zwölf Jahren

Bereits seit rund drei Jahren sind in Online-Wohnungsinseraten rückläufige Mieten festzustellen. Inzwischen deuten auch die tatsächlich abgeschlossenen Mietverträge auf sinkende Mieten hin.

Die Abschlussmieten sind im zweiten Quartal 2018 im Vorjahresvergleich erstmals seit fast zwölf Jahren gefallen, und dies um 1,2 Prozent. Wer in der Schweiz heute einen Mietvertrag abschliesst, bezahlt dennoch im Mittel rund 17 Prozent mehr Miete als 2005. In den Grosszentren beträgt die Mietteuerung sogar rund 23 Prozent.

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Alle Messmethoden zeigen rückläufige Mieten

Quelle: Wüest Partner, Credit Suisse