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Anlegen im November: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die gute Wirtschaftslage unterstützt die Aktienmärkte. Die Normalisierung der Geldpolitik und die hohen Bewertungen begrenzen aber das Kurspotenzial.

Die Kombination aus einem starken globalen Wirtschaftswachstum auf der einen Seite und bereits hohen Aktienbewertungen sowie geopolitischen Risiken auf der anderen Seite bestätigt unsere neutrale Gewichtung von globalen Aktien. Neben Aktien der Schweiz, Eurozone und Australien bevorzugen wir nun auch japanische. Gleichzeitig empfehlen wir eine Untergewichtung von US- und britischen Aktien.

Bei Anleihen, die wir insgesamt neutral einschätzen, sollte der Fokus weiterhin auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen und Anleihen von Finanzinstituten liegen. Zur Portfoliodiversifikation sind zudem alternative Anlagen wie Hedge-Fonds hilfreich. Das Übergewicht von Rohstoffen (insbesondere Energie) schliessen wir aus taktischer Sicht und halten die Erträge als Zusatzliquidität.

Wirtschaftsaufschwung ist immer breiter abgestützt

Die Stimmung der Unternehmen ist ausserordentlich gut, sowohl in Industrie- als auch den meisten Schwellenländern. In den USA und der Eurozone hat der Optimismus sogar Mehrjahreshöchststände erreicht. Dank tiefer Zinsen, sinkender Arbeitslosigkeit und stabiler Rohstoffpreise sind die Aussichten auch für die kommenden Monate gut.

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Eurozone: Stimmung in der Industrie verbessert sich weiter

Einkaufsmanager-Indizes (PMI)
Quelle: Datastream, Credit Suisse

Arbeitsmarktlage in der Schweiz verbessert sich nur schleppend

Zwar sinkt auch hierzulande die Arbeitslosigkeit weiter, doch das Beschäftigungswachstum stockt. Die Unternehmen rekrutieren nach wie vor vorsichtig. Zudem dürften sie in erster Linie bestrebt sein, ihre Gewinne wieder zu verbessern.

Sie haben die Aufwertungsschübe des Schweizer Frankens zu einem Grossteil auf ihre eigenen Bücher genommen, um Aufträge und das nötige Personal zu halten. Trotz erwarteter Verbesserung der Gewinnsituation dürfte die Beschäftigung nur schwach zunehmen (Prognose 2018: 0.5%) und die Löhne nur geringfügig steigen (0.7%).

Obligationen: Geldpolitische Normalisierung spricht für höhere Zinsen

Die Zinsen auf Staatsanliehen in Europa dürften in Anbetracht der erwarteten Normalisierung der Geldpolitik langsam nach oben tendieren. Dies gilt auch für das Zinsniveau in der Schweiz, da dieses eng mit der internationalen Entwicklung, insbesondere derjenigen im Euroraum, verknüpft ist.

Entsprechend erwarten wir, dass das Zinsrisiko für Obligationenanleger zunehmen wird. Wir bevorzugen weiterhin Unternehmensobligationen, inklusive Finanzanleihen, sowie ausgewählte Schwellenländerobligationen, sowohl in US-Dollar als auch in Lokalwährung.

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Zinsen tendieren neuerdings etwas nach oben

Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in Prozent
Quelle: Bloomberg

Währungen: Vorerst Seitwärtsbewegung für den US-Dollar erwartet

Der US-Dollar hat zuletzt von steigenden US-Zinsen profitiert, da die Fed an ihrem optimistischen Wirtschafts- und Zinsausblick festhielt und die Märkte Vorschläge zur Steuerkürzungen in den USA positiv werteten.

Solange deren Finanzierung und Dauer jedoch schwammig bleiben und die US-Teuerung sich nicht deutlicher erholt, erwarten wir weiterhin eine Seitwärtsbewegung des US-Dollar gegenüber Euro und Schweizer Franken. Steigen die Zinsen international hingegen weiter an, während die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Zinserhöhungen zuwartet, könnte der Abwertungsdruck auf den Schweizer Franken wieder zunehmen.

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Zinsdifferenz sollte den US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken stützen

Quelle: Datastream, Credit Suisse/IDC

Aktien: Japan zählt nun zu unseren bevorzugten Märkten

Starkes Wirtschaftswachstum stützt Aktien global betrachtet, während überraschende Zinsanstiege und hohe Bewertungen ein Risiko darstellen. Deshalb bleiben wir für Aktien insgesamt bei einer neutralen Einschätzung. Jedoch rechnen wir mit beträchtlichen Performance-Unterschieden zwischen Märkten.

Nebst der Eurozone, der Schweiz und Australien nehmen wir nun japanische Aktien in unsere Gruppe bevorzugter Märkte auf. Sie sollten von der Kombination aus attraktiven Bewertungen, verbesserten Gewinnerwartungen, einer hohen Sensitivität auf globales Wachstum und der lockeren Geldpolitik profitieren.

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Bessere Gewinnerwartungen sollten japanische Aktien stützen

Quelle: Datastream, Credit Suisse/IDC 

Rohstoffe: Neutrale Einschätzung nach Rally im dritten Quartal

Steigende Energie- und Metallpreise haben Rohstoffindizes zu einem starken dritten Quartal verholfen. Eine erhöhte Nachfrage in den Sommermonaten und reduzierte OPEC-Exporte beschleunigten den Lagerabbau am Ölmarkt.

Dieser Prozess dürfte sich nun aber saisonbedingt verlangsamen. Entsprechend sind wir zu einer neutralen taktischen Einschätzung übergegangen. Mangelndes Aufwärtspotenzial in anderen Rohstoffsektoren führt zu einer neutralen Sicht auf den Gesamtrohstoffmarkt. Zudem erachten wir die Preise von Edelmetallen aufgrund steigender US-Zinsen nach wie vor als anfällig.

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Öllager immer noch zu hoch für stärkeren Preisanstieg

Quelle: OECD, Credit Suisse

Immobilien Schweiz: Markanter Anstieg der Leerstände bei Mietwohnungen

Die Leerwohnungsziffer hat mit 1.47 Prozent den höchsten Wert seit 18 Jahren erreicht. Der starke Zuwachs ist grösstenteils auf den Mietwohnungsmarkt zurückzuführen, während die Leerstände bei Wohneigentum auf tiefem Niveau bleiben.

Mangels attraktiver Anlagealternativen im Negativzinsumfeld ist eine Reaktion auf die nachlassende Nachfrage ausgeblieben. Hohe Leerstände weisen vor allem zentrumsferne Gemeinden auf. Wir erwarten, dass die Leerstände aufgrund einer rückläufigen Zuwanderung und hoch bleibender Bautätigkeit auch 2018 weiter steigen werden.

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Leerstände bei Mietwohnungen stark steigend

Lehrwohnungsziffern nach Segment
Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse